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200 Millionen US-Dollar für Pokémon-Go-Studio: Kommt eine AR-Brille?

von Matthias Bastian25. November 2017

Das Pokémon-Go-Studio Niantic bekommt 200 Millionen US-Dollar von Investoren und will damit “neue strategische Chancen” erschließen. Plant das Unternehmen den Einstieg ins Hardware-Geschäft oder die Entwicklung einer Augmented-Reality-Cloud?

Seit dem Marktstart im vergangenen Sommer setzte Niantics Augmented-Reality-App Pokémon Go weit über eine Milliarde US-Dollar um. Dem Entwicklerstudio gelang es, den Erfolg der App mit ständigen Updates zu verstetigen. Der ganz große Go-Hype ist zwar vorbei, aber monatlich loggen sich noch immer über 60 Millionen Nutzer ein. Täglich sollen rund fünf Millionen Nutzer digitale Monster in der Realität suchen.

Zwar laufen die Erlöse nicht allein in die Tasche von Niantic, aber das Studio dürfte nach dem historischen Mega-Erfolg finanziell ausreichend gut situiert sein, um weitere Smartphone-Apps an den Start zu bringen. Dennoch gibt Niantic jetzt bekannt, dass es rund 200 Millionen US-Dollar von Investoren annimmt.

Angeführt wird die Finanzierungsrunde von Spark Capital, einem US-Risikokapitalgeber. Der Geldgeber gehörte zu den ersten Investoren von Oculus, bevor das VR-Startup von Facebook aufgekauft wurde. Ein Direktor von Spark Capital sitzt bei Oculus im Aufsichtsrat.

Könnte Niantic ins Hardware-Geschäft einsteigen?

Laut CEO John Hanke sollen mit dem frischen Kapital “neue strategische Chancen” erschlossen werden. Das Geld erlaube langfristige Investitionen in Augmented Reality.

Hanke ist als großer Verfechter der erweiterten Realität bekannt, aber nur mit einer Brille. Augmented Reality mit dem Smartphone – so wie bei Pokémon Go – bezeichnete er kürzlich als “unbeholfen”.

“Die AR-Brille wird kommen, auch wenn es schwer ist, sie zu bauen. Aber wenn sie da ist, dann führt kein Weg zurück”, so Hanke. Das wahre Potenzial von Augmented Reality sei es, dass Menschen “endlich wieder den Kopf vom Smartphone-Display heben” – ohne dadurch den Zugriff auf digitale Informationen zu verlieren.

Für die Entwicklung einer fortschrittlichen AR-Technologie sind 200 Millionen US-Dollar zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber das Geld könnte reichen, um einen Prototyp zu erforschen – oder bei der Betriebssoftware eine Grundlage zu schaffen.

Niantic könnte für die Entwicklung der AR-Cloud prädestiniert sein

Eine Alternative zur Hardware-Theorie: Niantic könnte das Investorenkapital in die Entwicklung einer Augmented-Reality-Cloud stecken, eine Art 3D-GPS für millimetergenaue Koordination im Raum. Innerhalb dieses Digitalrasters könnten sich Brillen und Smartphones exakt verorten und Informationen im Kontext der Umgebung miteinander synchronisieren.

Die AR-Cloud gilt als technische Voraussetzung für einen großen Erfolg der erweiterten Realität, weil sie die Basis ist für sinnvollen visuellen Informationsaustausch zwischen Geräten. Die Millionen Spieler, die mit Niantics AR-Apps durch die Straßen ziehen, könnten einen Grundstock an Daten liefern, die die Entwicklung der AR-Cloud beschleunigen. Auch Niantics erstes AR-Spiel Ingress wurde von Google unterstützt, um die Genauigkeit der Angaben beim Kartenservice Google Maps zu verbessern.

Zuletzt gab Niantic bekannt, dass nach Pokémon Go mit Harry Potter das nächste Mega-Franchise lizenziert wurde. Das erste Augmented-Reality-Spiel heißt “Harry Potter: Wizards Unite” und wird zusammen mit Warner Bros entwickelt. Es soll 2018 erscheinen.

Wenn die Marke Harry Potter ähnlich einschlägt wie Pokémon Go, hätte Niantic eine weitere massive Einnahmequelle und viele Millionen Nutzer mehr auf den Straßen.

| Featured Image: Gage Skidmore bei Flickr. Lizenziert nach CC BY-SA 2.0.

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