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Virtual Reality: 2016 als Wendepunkt

von Matthias Bastian23. Dezember 2015

Die US-amerikanische Investmentbank Jefferies & Company mit Hauptsitz in New York beschäftigt sich speziell mit Wachstumsunternehmen. In einer aktuellen Prognose beschreiben Analysten der Bank 2016 als möglichen Wendepunkt für Virtual Reality.

Samsung Gear VR ist bereits auf dem Markt erhältlich, mit HTC Vive, Oculus Rift und Playstation VR sollen drei weitere Produkte bis Mitte 2016 erscheinen. Mit mindestens vier Produkten auf dem Markt, die sich in erster Linie an Spieler richten, erwarten die Analysten Marc Lipacis, Brian Pitz und Brian Fitzgerald das größten Wachstum vorerst im Gaming-Bereich. In der Publikation ‘Virtual Reality Handbook: The Next Computing Platform’ stellen die Investmentbanker  VR insgesamt aber auf ein deutlich höheres Podest: „Wir gehen zwar davon aus, dass Spieler die ersten Käufer sein werden, aber letztlich wird Virtual Reality Geschäftsprozesse in vielen wenn nicht allen Industriezweigen nachhaltig verändern.”

Als Beispiele nennen die Autoren des 48-Seiten starken Handbuchs unter anderem Architektur, medizinische Untersuchungen wie bei HTCs VR-App für Chirurgen, soziale Treffen im virtuellen Raum und Live-Übertragungen von Sport-Events. Googles Cardboard sehen die Analysten als mögliches Einfallstor, um VR einem größeren Markt vorzustellen.

Speziell den Markt für Spieler halten die Banker für ‘reif’, so heißt es in der Analyse: „Oculus VR hat über 150.000 Entwicklerkits verkauft und Entwickler haben bereits mehr als 250 VR-Apps bei Oculus Share hochgeladen […]. HTC hat sich mit Valve zusammengetan, einem wichtigen Hersteller von Spielesoftware und Inhaber von Steam, der größten Vertriebsplattform für digitale Spiele. Sony hat bereits eine installierte Basis von über 30 Millionen PS4-Konsolen.”

Die Banker gehen davon aus, dass Oculus Rift für 350 bis 500 US-Dollar verkauft wird und im ersten Jahr rund 500.000 Einheiten abgesetzt werden können. Für den Oculus-Touch-Controller, der später in 2016 zusätzlich verkauft werden soll, kalkulieren die Analysten mit einem Preis von 150 US-Dollar. Sonys Playstation VR erwarten sie in der gleichen Preisklasse wie Oculus Rift, HTC Vive soll mit 500 bis 800 US-Dollar deutlich darüberliegen.

Die Analysten gehen allerdings nicht davon aus, dass die relativ hohen Preise potenzielle Käufer abhalten könnten. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass auch teure Elektronikprodukte in großen Mengen verkauft werden könnten, beispielsweise habe Apple mit einem Durchschnittspreis von 715 US-Dollar rund 100 Millionen iPhones abgesetzt, heißt es in dem Handbuch. Die Investmentbanker glauben, dass bis spätestens 2020 rund zehn Millionen VR-Brillen verkauft werden. Zu den wichtigsten VR-Unternehmen zählen sie neben Facebook und Oculus auch den Grafikchiphersteller NVIDIA sowie die Spieleentwickler von EA.

Die größte Frage bei dieser und anderen Analysen gleicher Art bleibt aber weiterhin offen: Wird das Interesse der Spieler an der neuen Technologie möglicherweise überschätzt?

| VIA: Barron’s