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360-Grad-Film erinnert an ertrunkenes Flüchtlingskind Alan Kurdi

von Tomislav Bezmalinovic2. September 2017

Vor genau zwei Jahren starb der dreijährige Alan Kurdi beim Versuch, mit seiner Familie über das Mittelmeer nach Griechenland zu gelangen. Das Foto des ertrunkenen Kindes ging um die Welt und wurde zum Symbol der Flüchtlingskrise. Der Schriftsteller Khaled Hosseini und die VR-Künstlerin Liz Edwards setzen dem Jungen ein Denkmal in Form eines 360-Grad-Films.

Der Film hört auf den Namen “Sea Prayer” und ist die jüngste VR-Eigenproduktion des Guardian. Die britische Tageszeitung veröffentlicht in regelmäßigen Abständen sehenswerte 360-Grad-Filme.

Sea Prayer besteht nicht aus Realaufnahmen, sondern zeigt ein animiertes Panorama, das von der VR-Künstlerin Elizabeth Edwards in der Virtual-Reality-App Tilt Brush gezeichnet wurde – ähnlich wie Dear Angelica von Wesley Allsbrook.

Das Panorama entfaltet sich im Laufe des knapp sechsminütigen Filmes und füllt am Ende das gesamte Sichtfeld aus. Es beginnt in Homs in einer Zeit des Friedens, zeigt den Einbruch des Krieges und endet an der türkischen Mittelmeerküste.

Khaled Hosseini, ein bekannter US-Schriftsteller mit afghanischen Wurzeln und Flüchtlingsschutzbeauftragter der Vereinten Nationen, hat einen Text zum Film beigesteuert, der vom britischen Schauspieler Adeel Akhtar vorgelesen wird.

Die Gedanken eines Vaters

Der Text gibt die Gedanken eines vor dem Krieg flüchtenden syrischen Vaters wieder, der während der Nacht mit seinem Sohn im Schoß am Meer sitzt und kurz vor der gefährlichen Überfahrt über die gemeinsame Vergangenheit und die ungewisse Zukunft nachsinnt. Hosseini ist selbst Vater zweier Kinder.

“Während im Mittelmehr immer noch Menschen ertrinken, hoffe ich, dass diese Zusammenarbeit die Erinnerung an Alan Kurdi wachhält und dass sie an die Verzweiflung erinnert, die Familien zwingt, alles zu riskieren, um in der Fremde Schutz zu finden”, schreibt Hosseini.

Bei der Überfahrt kam auch Alans Bruder Galip und die Mutter Rehan Kurdi ums Leben. Von der Familie überlebte nur der Vater Abdullah Kurdi. Am Ende des Films heißt es, dass im vergangenen Jahr 4.176 Menschen beim Versuch ertranken, über das Mittelmeer in Sicherheit zu gelangen.

Der Guardian experimentiert seit geraumer Zeit mit 360-Grad-Berichterstattung. Vor Sea Prayer erschien der VR-Film “Limbo”, der ebenfalls die Flüchtlingsthematik aufgreift. Hier erhält man Zugriff auf sämtliche 360-Grad-Produktionen des Guardian.

Sea Prayer ist bei Youtube (siehe unten) verfügbar. Wer sich den Film mit Google Cardboard oder Daydream View ansehen möchte, findet hier die VR-App der britischen Tageszeitung. Derzeit wird nur Android unterstützt.

| Featured Image: The Guardian

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