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3D-Audio: Deutsches Startup will Audiowelten hörbar machen (Demo)

von Matthias Bastian22. November 2016

Dreidimensionale Welten sind zwingend auf dreidimensionales Audio angewiesen, um unsere Wahrnehmung von ihrer Authentizität zu überzeugen. Das deutsche Startup Dear Reality hat es sich zum Ziel gesetzt, ganze Audiowelten zu erzeugen.

Das Audioverfahren des Düsseldorfer Technologie-Startups Dear Reality hat zum Ziel, über die reine 360-Grad-Lokalisation von Geräuschen hinauszugehen. Stattdessen soll der Sound die Akustik der virtuellen Umgebung aufnehmen und wiedergeben.

Ganz neu ist das zugrundeliegende Konzept nicht. Wer beispielsweise in Nintendos Kultklassiker “Wave Race 64” durch einen Tunnel gerauscht ist, nahm seinerzeit erstaunt wahr, dass sich das Motorengeräusch des Jet Skis entsprechend der Umgebung anpasste und überzeugend hallte.

So ein Effekt funktionierte zwar Mitte der 90er-Jahre schon gut, doch in der 360-Grad-Umgebung einer virtuellen Welt nimmt die Komplexität solcher Audioberechnungen im Vergleich zum flachen 2D-Monitor enorm zu. Neben den aufwendiger gestalteten 3D-Umgebungen, die sich im Sound wiederfinden müssen, verändert auch die Kopfhaltung des Nutzers die Klangcharakteristik einer Schallquelle.

“Mit der Entwicklung der Dear VR 3D-Audio-Technologie gehen wir bei der Simulation einer realistischen Akustik einen Schritt weiter und haben die Lokalisation von Schallquellen mit der Erzeugung von virtuellen akustischen Räumen kombiniert. Reflexionen und Hall von unterschiedlichen Räumen, wie zum Beispiel einer Kirche, eines Autos oder eines Konzertsaals, werden in Echtzeit, abhängig von der Position des Hörers, berechnet”, sagt Christian Sanders, Gründer von Dear Reality.

Die Audio-Engine von Dear Reality unterstützt die Plattformen Windows, OSX, Android und iOS. Für die Gameengine Unity ist ein Plugin im Unity Asset Store erhältlich. Weitere Versionen für die Unreal Engine, FMOD und VST sowie ein Produktionstool für 360-Grad-Videos sollen zeitnah veröffentlicht werden. Eine Demo der Technologie gibt es im Video unten. Sie funktioniert mit herkömmlichen Stereokopfhörern.

Auch Google arbeitet am immersiven Sound für 360-Inhalte

Mit Omnitone stellte Google Anfang August eine Audiotechnologie vor, die ebenfalls für 360-Grad-Inhalte gedacht ist, direkt im Browser läuft und die Soundausgabe im Verhältnis zur Kopfposition verändert. Bei gefilmten Aufnahmen kann der Klang der Umgebung über die Außenmikros eingefangen werden. Anders als beim Ansatz von Dear Reality wird die Klangcharakteristik eines Geräuschs aber nicht in Echtzeit durch die Beschaffenheit einer gerenderten Umgebung verändert.

Das Chrome-Team arbeitete bei der Entwicklung von Omnitone eng mit Googles VR-Abteilung zusammen, um deren Wissen zum Thema Raumklang anzuzapfen. Zwei Demos von Googles Audiotechnologie kann man sich hier anhören.

Update: Korrektur bei Angabe zu Omnitone

| Featured Image: Dear Reality