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Allumette: Begehbares Puppentheater für PSVR, Oculus Rift und HTC Vive

von Matthias Bastian14. Oktober 2016

Wie einst im Kino versuchen Geschichtenerzähler dieser Welt, den Bildern in Virtual Reality das Laufen beizubringen. Allumette ist ein weiterer Versuch und ein vielversprechender noch dazu.

Allumette erzählt die Geschichte einer Mutter und ihrer Tochter, die sich in einer Wolkenstadt abspielt. Der Stil des komplett animierten Films erinnert wegen der leicht abrupten Bewegungen der Charaktere an ein Puppenspiel. Der Aufbau der fantastischen Umgebung ähnelt einer Theaterbühne, die man als Zuschauer erklimmt und sich in der Kulisse bewegt, während sich die Geschichte in 360-Grad entfaltet.

Die Handlung, so die Macher, sei von Hans Christian Andersens “Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern”inspiriert. Rund 20 Minuten dauert das VR-Kino und hat damit für Virtual-Reality-Verhältnisse beinahe Überlänge.

Der Zuschauer entscheidet, was er sieht – und was nicht

Die erste Begegnung mit Allumette ist rein akustisch: Man hört ein lautes Schluchzen. Erst wenn man sich auf der virtuellen Bühne bewegt, einen Schritt zur Seite geht und einen Blick unter eine Brücke wirft, entdeckt man den Ursprung des Wehklagens. Das junge Mädchen hat sich unter dem Brückenpfeiler versteckt. Der Zuschauer könnte ebenso warten, bis Allumette eigenständig unter der Brücke hervorkriecht – der Verlauf des VR-Films ist nicht interaktiv und es gibt keine Gelegenheit, die Geschichte zu verändern.

Das ist durchaus befremdlich, denn wenn man als gottgleiche Figur über dem Geschehen thront, entwickelt man schnell ein Verantwortungsgefühl für die zerbrechlich wirkenden Charaktere.

Fast möchte man Allumette eine Hand zum Schutz reichen, wenn ihr Unheil widerfährt und den Verlauf ihrer Geschichte zum Guten wenden. So viel Macht ist dem virtuellen Besucher der Wolkenstadt nicht vergönnt. Man kann trotz seiner übermächtigen Präsenz nur zuschauen, nicht eingreifen. Dieser Widerspruch ist ob der dramatischen Wendung der Geschichte beinahe belastend.

Jon Favreaus “Gnomes & Goblins” für HTC Vive spielt in einer vergleichbaren Umgebung, wählt jedoch den interaktiven Ansatz. Die virtuellen Charaktere seiner Geschichte nehmen die Präsenz des Zuschauers wahr und involvieren ihn in die Handlung, ziehen ihn auf diese Art noch tiefer in das Geschehen. Im Vergleich dazu wirkt Allumette – so seltsam es klingen mag, angesichts der neuen Technologie, die sich der Film zunutze macht – fast schon altmodisch.

Die Geschichte von Allumette birgt trotz der neuen Erzählform keine Überraschungen und ist stellenweise sogar etwas langatmig. Das Gefühl auf der virtuellen Bühne zu stehen ist hingegen einmalig, neu und faszinierend. Das zeigt: Auch in Virtual Reality gilt das alte Mantra, dass die Handlung der König ist. Das Gefühl der Präsenz hingegen – so drücken es die Story Studios von Oculus VR aus – fügt der Handlung Magie hinzu.

Ob sich diese Magie irgendwann erschöpft oder gar noch intensiviert werden kann, müssen Filmemacher in den kommenden Monaten und Jahren herausfinden. Allumette ist auf dieser Reise ein weiteres Experiment, das dabei hilft, die Möglichkeiten des neuen Mediums besser kennenzulernen.

Storywelten statt Storytelling

Entwickelt wurde Allumette von den Penrose Studios, die zuvor den zauberhaften VR-Kurzfilm “The Rose and I” veröffentlichten, eine Nacherzählung des zeitlosen Klassikers “Der kleine Prinz” in 360-Grad. Gründer des Studios ist Eugene Chung. Er arbeitete zuvor bei den Oculus Story Studios, baute diese mit auf, bevor er sein eigenes Produktionsstudio für VR-Erlebnisse gründete.

Eine Welt wie jene von Allumette, so Chungs Hoffnung, könnte das Potenzial haben, mehr zu sein als eine einzelne Geschichte. Die Idee sei es, dass sich zukünftige Episoden nicht nur um das kleine Mädchen drehten, sondern auch um den virtuellen Ort. Intern würde man Projekte nicht nach Geschichten, sondern nach Storywelten kategorisieren.

Langfristig setzen die Penrose Studios nicht allein auf die virtuelle Realität, sondern experimentieren mit Augmented Reality und gehen Projekte außerhalb des Storytellings an. Man würde sich eher als Technologieunternehmen verstehen, so der Gründer.

Allumette ist ab sofort für eine begrenzte Zeit kostenlos für HTC Vive, Oculus Rift und Playstation VR erhältlich.

| Featured Image: Penrose Studios