Einer Marktanalyse zufolge brechen die Smartphone-Absätze in Teilen Europas ein. Steht die Smartphone-Ära vor dem Ende? Und welche Technologie könnte die Nachfolge antreten?

Laut einer Untersuchung des Marktforschungsunternehmens Canalys ist der europaweite Smartphone-Absatz im ersten Quartal 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 6,3 Prozent gefallen. Die Analysten beschreiben das als den bislang höchsten Absatzrückgang innerhalb eines Quartals.

Der deutsche Smartphone-Markt soll mit einen um 16,7 Prozent geringeren Absatz regelrecht eingebrochen sein. Noch härter trifft es die Smartphone-Hersteller in Frankreich (-23,2 Prozent) und in England (-29,6 Prozent). Insbesondere Apple und Samsung müssen Canalys zufolge deutliche Einbußen hinnehmen. Die chinesischen Hersteller Huawei und Xiaomi legen kräftig zu.

Im ersten Quartal 2018 verkauften Samsung und Apple deutlich weniger Smartphones in Europa. Grafik: Canalys

Im ersten Quartal 2018 verkauften Samsung und Apple deutlich weniger Smartphones in Europa. Grafik: Canalys

Im Osten Europas und speziell in Russland wächst der Smartphone-Markt hingegen noch. Allerdings reicht das laut den Autoren der Studie nicht aus, um die Verluste auf den anderen Märkten aufzufangen. Sie erwarten, dass kleinere Hersteller den Smartphone-Markt in den kommenden Jahren aufgeben.

Besonders in Deutschland, Frankreich und England gingen die Smartphone-Verkäufe zurück. Bild: Canalys

Besonders in Deutschland, Frankreich und England gingen die Smartphone-Verkäufe zurück. Grafik: Canalys

Klügere Software statt besserer Hardware

Jetzt ist es sicher zu früh, den Smartphone-Tod auszurufen. Apples Marketing-Chef Phil Schiller gab dem Taschencomputer kürzlich noch mindestens zehn Jahre.

Dennoch zeichnet sich eine Entwicklung ab: Neue Smartphone-Hardware begeistert nicht mehr so sehr wie in den Anfangstagen der Technologie. Damals bot jede neue Gerätegeneration beträchtliche Fortschritte bei Bedienkomfort und Funktion. Es ging Schlag auf Schlag.

Heute ähneln sich Smartphones technisch und optisch immer mehr, sind kaum mehr zu unterscheiden. Aus dem einst exklusiven Tech-Gadget ist Massenware geworden. Low-Budget-Modelle und Flaggschiff-Geräte sind näher aneinandergerückt. Das ist der Lauf der Dinge bei einer erfolgreichen Technologie.

Differenzierung erfolgt jetzt und in der Zukunft hauptsächlich durch Software. Hier gibt es zwei große Spieler: Apple und Google. Der iPhone-Konzern setzt auf Stil, Marke, einfache Software und Privatsphäre. Und Google möchte mit fortschrittlichen KI-Funktionen punkten.

Keine Brille ist besser als eine Brille.

Beide Unternehmen können über ihre fix mit den Smartphones verbundenen Software-Services gutes Geld verdienen. Sie sind im Vergleich zu den anderen Herstellern weniger von den reinen Hardware-Verkäufen abhängig.

Apple und Google werden daher weiter ins Smartphone investieren. Auch deshalb, da ohnehin keine Nachfolgetechnologie in Sicht ist. Das ist die Krux für Hardware-Unternehmen wie Samsung.

Selbsternannte Smartphone-Killer wie die Magic-Leap-Brille oder Microsofts Hololens sind Jahre von einem massenkompatiblen Formfaktor entfernt. Falls dieser überhaupt jemals erreicht werden kann.

Und selbst wenn es einem Unternehmen gelänge, eine perfekte Augmented-Reality-Erfahrung mit dem Formfaktor einer herkömmlichen Brille zu verbinden, würde das wohl nicht automatisch in einem Kassenschlager resultieren. Denn die Hürde, Technologie auf dem Kopf oder im Gesicht zu tragen, ist riesig. Die Virtual-Reality-Branche erfährt das gerade. Keine Brille ist immer besser als eine Brille.

Mögliche Smartphone-Nachfolge: KI-Assistent mit Augmented-Reality-Ergänzung

Viel wahrscheinlicher ist es daher, dass uns das Smartphone noch lange Zeit erhalten bleibt – aber in Zukunft weniger sichtbar ist. Möglich macht das immer bessere Sprachsteuerung in Kombination mit cleveren KI-Assistenten. Neue Spracheingabe-Technologien wie lautloses Sprechen oder gar Telepathie könnten für alltagstaugliche Computerdialoge sorgen, die auch im Büro oder der Bahn geführt werden können.

Das würde den Smartphone-Screen nicht überflüssig machen – man will nicht alles vorgelesen haben – aber man müsste das Gerät nicht mehr so häufig in die Hand nehmen. Und wenn das Display weniger wichtig ist, werden neue Designs möglich. Das wiederum könnte für Innovation und damit Wachstum sorgen.

Das Smartphone würde vom Guckloch ins Internet zum Alltagsbegleiter, von dem man sich helfen lässt wie von einer ortskundigen, realen Person: Der KI-Assistent erzählt über die Umgebung, berät beim Einkauf im Laden, schreibt E-Mails und Nachrichten, erledigt unliebsame Telefonate – und verteilt Inhalte aus dem Internet auf andere Abspielgeräte. Möglich wird das durch ein schnelles 5G-Netz mit geringer Latenz.

Genau an diesem Punkt kämen AR- und VR-Brillen wieder ins Spiel: Sie werden nicht als Smartphone-Killer im Alltag genutzt, sondern ganz gezielt aufgesetzt. Immer dann, wenn ein Inhalt durch die räumlich-visuelle Aufbereitung deutlich aufgewertet wird. Zum Beispiel bei der Navigation, beim Sport, beim Gaming oder für ein Telepräsenz-Telefonat mit Hologrammen. Die Zukunft des Smartphones ist auch die Zukunft von Augmented und Virtual Reality.


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