1

Apollo 11: Mondreise für Oculus Rift und HTC Vive im Test

von Matthias Bastian17. April 2016

Auch wenn ihr mit dem DK2 schon zum Mond geflogen seid, die finale Version der Apollo 11-Erfahrung für Oculus Rift oder HTC Vive bietet deutlich mehr. Die 15 Euro sind gut investiert.

Die Apollo 11 VR-Erfahrung stellt den Nutzer in die Moonboots von Neil Armstrong. Gemeinsam mit  Michael Collins und Buzz Aldrin begibt man sich auf die abenteuerliche erste Reise zum Mond und zurück. Die Weltraummission wird in der App historisch korrekt nacherzählt, originale Funksprüche und Zitate sind unterlegt und machen aus Apollo 11 mehr als reines Entertainment – man kann richtig was lernen. Aber eben nicht wie mit dem Schulbuch oder dem Bildungsfilm, sondern durch “Erfahrung”. Anstatt nur darüber zu lesen, wie sich die Astronauten seinerzeit in der Apollo-Landefähre auf den wackeligen Sinkflug in Richtung Mondoberfläche aufmachten, bringt man die Fähre einfach selbst runter. Ok, an dieser Stelle gebe ich zu – wäre ich damals Teil des Teams gewesen, die Russen wären zuerst auf dem Mond gelandet. Sorry, Buzz.

Gegenüber der früheren Oculus-Share-Version ist die finale Apollo 11-Mission rundum verbessert. Die Grafik wurde noch einmal deutlich aufpoliert und bietet viele neue Details. Auch komplett neue Sequenzen sind dazugekommen, drei davon sogar interaktiv. Unter anderem koppelt man das Kommandomodul der Rakete im Orbit manuell an die Landefähre “Orion” an. Diese kann ebenfalls händisch auf der Mondoberfläche geparkt werden. Auch direkt auf der Mondoberfläche kann man sich nun frei via Teleport bewegen und Hintergründe zu den dort aufgebauten Gerätschaften erfahren.

Die interaktiven Sequenzen sind dem tatsächlichen Ablauf der Weltraumission nachempfunden und auch Armstrong hatte damals ja nicht viel mehr als einen Joystick in der Hand. Man kommt der echten Sache also relativ nahe – zumindest so nahe, wie man ihr kommen kann, ohne dass man in der Zeit zurückreist und sich tatsächlich ins Weltall schießen lässt. Steuern kann man die spielerischen Einlagen sowohl mit Controllern als auch mit der Rift-Fernbedienung, so dass auch Non-Gamer nicht überfordert sind. Wer gar nicht damit zurechtkommt, wählt den “Cinematic Modus”. Hier übernehmen die virtuellen Kollegen die gesamte Arbeit und man kann sich auf entschiedene Anweisungen und kluge Kommentare beschränken.

“Room-Scale”-VR mit Oculus Rift – Spaziergang auf der Mondoberfläche

Sowohl die Sequenz in der Mondlandefähre als auch auf dem Mond selbst bieten auch mit Oclus Rift ein wenig “Room-Scale”-VR, denn ein paar Schritte in jede Richtung kann man sich frei bewegen. Gerade in der Orion-Fähre beim Anflug auf die Mondoberfläche entsteht dadurch das begehrte “Präsenzgefühl”. Auch in der Rakete hat man mehr Bewegungsfreiheit als zuvor, kann sogar aufstehen und aus den verschiedenen Fensteröffnungen herausschauen. Und ja, man kann den Kopf auch einfach durch das geschlossene Fenster hindurchstecken. Die Kollegen bleiben natürlich vorschriftsmäßig angeschnallt und ignorieren mein albernes Fehlverhalten.

Gegenüber den vielen “VR-Experimenten”, die derzeit im Umlauf sind, wirkt die Anwendung wie ein ausgereiftes Produkt.

Die Schwachstellen der VR-Brille, das Skimasken-Feeling und die Lichtblitzer in den Fresnellinsen, zahlen ungewollt auf die Immersion ein. Es fühlt sich nämlich ein wenig so an, als hätte man tatsächlich einen Astronautenhelm auf dem Kopf. Praktisch! Leider ist die optimale Positionierung der Trackingkamera von Oculus Rift ein wenig fummelig und das Trackingsignal reißt in den “Room-Scale”-Momenten relativ schnell ab – das passiert mit HTC Vive nicht. Hat man den richtigen Winkel samt optimaler Position einmal gefunden, arbeitet das Oculus-System aber auch verlässlich.

Apollo 11 war von 2014 bis Release rund zwei Jahre in Entwicklung, neben den Unterstützern bei Kickstarter förderte unter anderem Audi das ambitionierte Projekt, und der finalen Version ist deutlich anzumerken, dass viel Zeit und Geld in die Detailarbeit geflossen ist. Gegenüber den vielen “VR-Experimenten”, die derzeit im Umlauf sind, wirkt die Anwendung wie ein ausgereiftes Produkt. Die Entwickler von Immersive VR Education kombinieren geschickt Lern-, Spiel- und Filmerfahrung und nutzen die Stärken des neuen Mediums aus. Apollo 11 ist unzweifelhaft eine der wenigen VR-Apps, die dem Potenzial von Virtual Reality als “Erfahrungsmedium” auch gerecht werden. Mehr davon!

Schulen sollen übrigens eine spezielle Version von Apollo 11 kostenlos im Unterricht einsetzen dürfen. “Apollo 11 VR ist in erster Linie für die Bildung gedacht und soll Eltern und Schülern auf der ganzen Welt inspirieren. Wir glauben, dass irgendwo auf diesem Planeten ein Kind lebt, das in die Fußstapfen von Neil Armstrong und Buzz Aldrin tritt und eines Tages den ersten Marsspaziergang unternimmt”, sagt David Whelan von Immersive VR Education.

| Featured Image: WikiImages bei Pixabay, Lizenziert nach CC0 Public Domain