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App gegen Lampenfieber: “Virtual Speech” für Cardboard

von Matthias Bastian7. Februar 2016

Virtual Reality taugt nicht nur für das Entertainment, sondern verspricht auch ein Mittel für die Therapie sein. Am besten soll das bei Ängsten funktionieren, wie zum Beispiel dem gemeinen Lampenfieber.

Schwitzige Hände, hoher Puls, die Stimme stockt und das Publikum starrt einen gespannt an. Wer kennt das Gefühl nicht? Fast jeder von uns durfte wohl schon einmal vor Publikum sprechen, sei es in der Schule bei einem Referat oder im Job vor Kunden und Kollegen. Nur wenigen von uns wurde die Rampensau in die Wiege gelegt, so dass es immer ein gutes Stück Überwindung kostet, sich vor anderen Menschen zu präsentieren.

Die App “Virtual Speech” für Google Cardboard will nervösen Sprechern das nervige Lampenfieber abgewöhnen. Vor einem virtuellen Publikum kann man seine Fähigkeiten als Redner trainieren, ohne sich dabei von den Blicken der Leute einschüchtern zu lassen. Für etwas mehr Realismus kann man die eigenen Slides importieren und auf die Art gleichzeitig den nächsten Vortrag einstudieren. Damit man in der Zeit bleibt, läuft ein Timer mit – wie bei einem echten Vortrag eben auch.

Aktuell gibt es zwei Szenarien: Eine Ansprache vor rund 30 Personen  in einer großen Halle und eine typische Meeting-Situation mit einer Handvoll Arbeitskollegen. Die Umgebungen und das Publikum wirken fotorealistisch, die einzelnen Personen sind sogar animiert. Die Animationen lassen sich auch deaktivieren, was gut ist, denn sie wiederholen sich permanent – das raubt der Situation jede Glaubwürdigkeit und auf der Bühne fühlt man sich eher ignoriert als wahrgenommen.

Kann VIrtual Reality bei der Therapie von Lampenfieber helfen?

Äääh…also…der ICE..äääh….vom Hauptbahnhof…äähh…zehn Minuten…; das muss besser werden! 😉 BILD: Virtual Speech (Screenshot)

Konzept, Gestaltung und Umsetzung von “Virtual Speech” sind gut, aber die App leidet stark unter der Plattform, auf der sie läuft – die Bilder durch die Cardboard-Linsen sind unscharf und die Pappbrille ist nicht besonders komfortabel. Ein Gefühl von Präsenz in der virtuellen Umgebung mag hier einfach nicht aufkommen; das wäre aber grundlegend, damit die App eine therapeutische Wirkung entfalten kann. Eine Version für eine hochwertige VR-Brille hätte deutlich mehr Potenzial. Die Entwickler versprechen weitere Updates, unter anderem kann man zukünftig den eigenen Vortrag auch aufzeichnen, in kleineren Räumen soll Augenkontakt mit dem Publikum möglich sein und neue Szenarien werden hinzugefügt, beispielsweise für die Ansprache bei einer Hochzeit. “Virtual Speech”für Android kann man hier kostenlos herunterladen.

Auch Samsung bietet für Gear VR eine App an, die dabei helfen soll, Lampenfieber abzutrainieren. “Speech Center” setzt auf relativ einfache und komplett am Computer gerenderte Umgebungen, sieht daher deutlich weniger realistisch aus als “Virtual Speech”. Dafür bietet die App mehr Features und ist dank der hochwertigeren Linsen der Gear VR-Brille angenehmer für das Auge. “Speech Center” ist kostenlos im Oculus-Store verfügbar. Samsung nutzt das mögliche therapeutische Potenzial von Virtual Reality sogar für eine Marketing-Kampagne, die im folgenden Spot zu sehen ist.

Falls einer unserer Leser richtig schlimmes Lampenfieber hat, würden wir uns über Feedback in den Kommentaren freuen – löst die App im virtuellen Raum die bekannten Ängste aus oder bleibt ihr cool?

| FEATURED IMAGE: VirtualSpeech (Screenshot)