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Apple ARKit: Entwickler erforschen das Potenzial von Augmented Reality

von Matthias Bastian17. Juli 2017

Ab November rollt Apple die Augmented Reality mit iOS 11 und dem ARKit an Millionen iPhone- und iPad-Besitzer aus. Entwickler bereiten sich vor und suchen nach Anwendungsszenarien.

Mit dem ARKit versucht Apple, die digital erweiterte Realität möglichst einfach und elegant in den Mainstream zu bringen. Anstatt aufwendig ein Gerät auf den Kopf zu schnallen, hält man einfach das Smartphone-Display ins Sichtfeld.

Das ist toll, weil es einfach ist, birgt jedoch konzeptionelle Herausforderungen für die Entwickler. Während es mit Brille auf dem Kopf viele gute Anwendungsszenarien gibt – man hat beide Hände frei und kann sich dynamisch umschauen – ist AR mit dem Smartphone statischer und erfordert vom Nutzer mehr Einsatz und Aufmerksamkeit.

Wenn Smartphone-AR ein Erfolg werden soll, müssen Entwickler Anwendungsszenarien finden, die im Alltag Nutzen stiften oder auf hohem Niveau unterhalten. Erste Ansätze sind vorhanden.

Tanzen lernen mit dem ARKit

Die App “Dance Reality” vermittelt die richtigen Tanzschritte mit Fußabdrücken, die auf den Boden projiziert werden. Der Nutzer kann sich in die Fußabdrücke hineinstellen und sich parallel zu den Animationen bewegen. Vielleicht spart das die ein oder andere Tanzstunde, in jedem Fall erleichtert es den Einstieg in die Grundlagen und fördert die Erinnerung.

Space Shuttle landet auf dem Mond

Weltall und neue Technologien, das geht immer gut zusammen. Der AR-Entwickler Tomas Garcia simuliert die erste Mondlandung im eigenen Wohnzimmer. Blickt man durchs iPhone-Display, erscheint ein freischwebender Mond. Schaut man genauer hin, erkennt man das kleine Shuttle, das sich im Landeanflug der Mondoberfläche nähert. Originale Funksprüche sorgen für eine authentische Atmosphäre.

Digitale Menüvorschau

Wer schon mal im nicht englischsprachigen Raum als Tourist unterwegs war, wird diese AR-Menüvorschau zu schätzen wissen. Im Vergleich zu Fotos bekommt man einen noch etwas konkreteren Eindruck davon, was auf den Tisch kommt. Insbesondere im asiatischen Raum stellen viele Restaurants ihr Menü mit Plastikmodellen in allen Variationen dar, um diesen Effekt zu erzielen. Die Hersteller dieser Plastiknahrung dürfte die App wenig begeistern, denn sie gefährdet ihr Kerngeschäft.

Spielzüge in 3D einstudieren

Mit dem ARKit findet ein Basketball-Match im eigenen Wohnzimmer – oder miniaturisiert – auf dem eigenen Schreibtisch statt. Der Vorteil dieser Darstellung liegt auf der Hand: Bei den Hologramm-ähnlichen Figuren kann man Körperbewegungen viel besser lesen als am flachen Bildschirm. Es ist fast so, als stünde man in der Realität neben den Spielern. Allerdings ist das Aufnahmeverfahren für solche 3D-360-Videos noch sehr aufwendig. Ist das erst mal standardisiert, könnten sich Menschen zukünftig Hologramm- statt Sprachnachrichten senden.

Infografik der nächsten Generation

Viele Dinge versteht man erst dann so richtig, wenn sie einem selbst passieren. Anstatt also nur im TV zu beobachten, wie eine Space-X-Rakete rückwärts zum Landeanflug ansetzt, kann man den Prozess mit Augmented Reality detailgetreu im eigenen Hinterhof nachvollziehen. Das stellt Nähe zum Thema her. Infografiker dürften sich für dieses neue Potenzial schnell begeistern.

Bessere Visualisierung von Produkten

Das vielleicht größte Potenzial von Smartphone-AR liegt im Bereich Shopping und E-Commerce. Mit dem Blick durchs Smartphone-Display kann man ein Produkt in Originalgröße darstellen und aus verschiedenen Winkeln und in unterschiedlichen Variationen betrachten.

Das neueste Tesla-Modell direkt in der eigenen Einfahrt zu sehen, ist viel eindrücklicher als der Blick auf Werbefotos im Internet. Unternehmen stellt das vor die Herausforderung, hochwertige 3D-Modelle der realen Produkte zu erstellen, die dann über verschiedene Apps und Plattformen an die Nutzer ausgespielt werden können.

| Featured Image: Jelmer Verhoog (Screenshot bei YouTube)