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Apple kauft Mixed-Reality-Unternehmen Vrvana für 30 Millionen US-Dollar

von Matthias Bastian22. November 2017

Einem Bericht zufolge hat Apple für rund 30 Millionen US-Dollar das auf Mixed-Reality-Hardware spezialisierte kanadische Unternehmen Vrvana aufgekauft. Die US-Webseite Techcrunch beruft sich auf zwei Quellen aus dem Umfeld des Unternehmens. Eine offizielle Bestätigung steht aus.

Vrvana forscht bereits seit 2005 an Mixed-Reality-Technologien, die unter anderem in der Mixed-Reality-Brille Totem zum Einsatz kommen. Im Gegensatz zu Microsofts VR-Brillen hat Totem den Namen Mixed Reality tatsächlich verdient: Das Gerät beherrscht sowohl die virtuelle als auch die erweiterte Realität.

Für Augmented-Reality-Anwendungen streamt Totem das Bild der Außenwelt via Kameras auf die in der Brille verbauten Displays. Dort werden sie mit digitalen Elementen angereichert. Die Brille beherrscht auch den fliegenden Wechsel zwischen VR und AR (siehe GIF).

GIF

Allerdings ist der Träger von Totem wie bei einer VR-Brille von der Außenwelt abgeschottet, sieht man vom Kamerabild ab. Das passt eigentlich nicht zu Tim Cooks Plänen: Der Apple-CEO sprach VR wiederholt das Potenzial abseits von Nischen ab, da die Technologie sozial abschirme.

Investition in Mixed-Reality-Ingenieure

Apple dürfte daher weniger an Vrvanas Prototyp interessiert sein, um diesen als Produkt zu vermarkten, sondern eher in das Know-how der Mitarbeiter investieren. Diese könnten dabei helfen, Apples eigene Pläne für eine AR-Brille ab 2019 voranzutreiben. Einige der jetzt ehemaligen Mitarbeiter von Vrvana sollen bereits bei Apple in Kalifornien angefangen haben.

Vrvana konzentrierte sich auf Anwendungen im industriellen Sektor und arbeitete mit Unternehmen wie Valve, Tesla und Audi zusammen. Auch Vergnügungsparks standen auf der Liste der potenziellen Kunden für Totem. Vrvana hat seit August dieses Jahres die Kommunikation eingestellt.

Fortschrittlicher Prototyp

Der Totem-Prototyp hat eine Auflösung von 1280 mal 1440 Bildpunkte pro Auge bei 75 Hz bis 90 Hz und soll eine Sichtfeldweite von bis zu 120 Grad erreichen. Auf der Vorderseite des Gehäuses sind Kamerasensoren angebracht, die die Umgebung mit Infrarotlicht ausmessen und Raumtracking ohne externe Sensoren ermöglichen. Zusätzlich erstellt der Sensorverbund wie bei Microsofts Hololens ein 3D-Muster der Umgebung, in das digitale Elemente perspektivisch korrekt eingebettet werden können.

Die dafür notwendigen Berechnungen übernimmt ein spezieller “Mixed-Reality-Chip”, der von Vrvana entwickelt wurde. Ergänzend zu diesem Inside-Out-Tracking-Verfahren hatte Vrvana Pläne, Valves SteamVR samt Lighthouse-Tracking zu unterstützen. SteamVR läuft seit Juni auch auf Macs.

Vor rund einem Jahr sagte Vrvana-Geschäftsführer Bertrand Nepveu, dass Totem für 400 bis 500 US-Dollar verkauft werden könne, sofern man Millionen Einheiten produziere. Dafür fehlte seinem Unternehmen allerdings das Kapital. Weitere Eindrücke von Nepveu und Totem gibt es im Video unten.

| Featured Image: Vrvana | Quelle: Techcrunch

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