Das Startup 6D.ai möchte die AR-Cloud erschaffen und damit das wohl wichtigste technische Fundament der Augmented Reality legen. Eine erste Programmierschnittstelle ist seit März erhältlich. Nun sucht das Unternehmen nach Partnern und Entwicklern, die das Potenzial der Technologie nutzen.

Bevor unsere Welt visuell glaubhaft und durchgängig digital erweitert werden kann, muss sie in ein 3D-Modell übersetzt und in der Cloud zur Verfügung gestellt werden. Das digitale Replikat der Welt sollen Nutzer nebenbei mit der Smartphone-Kamera erstellen, indem sie AR-Spiele wie Pokémon Go spielen und damit ihre Umgebung bewusst oder unbewusst in 3D aufzeichnen.

Jedes Smartphone sammelt räumliche Informationen, die anschließend mit Hilfe einer Cloud zu einer großen 3D-Karte vernäht und synchronisiert werden. Im Verbund sollen Smartphone-Nutzer so erst einzelne Straßenzüge, dann ganze Stadtteile und irgendwann einmal die ganze Welt zu einem immer detaillierteren 3D-Modell zusammenfügen.

Drei große Ziele

Das Startup 6D.ai hat sich der schwierigen Aufgabe angenommen, die technische Grundlage einer AR-Cloud zu legen. CEO Matt Miesnieks hat für sein Unternehmen drei Ziele definiert.

Zuerst soll eine Software programmiert werden, mit der die Welt in 3D eingefangen werden kann. Dann soll der Software beigebracht werden, das 3D-Konstrukt samt seiner Teile richtig zu interpretieren, sodass sie eine Straße von Autos und Autos von Passanten unterscheiden kann. Zum Schluss soll das Programm zu einem voll funktionsfähigen Realitäts-Betriebssystem ausgebaut werden.

Spiele und Partnerschaften

Das erste Ziel habe das Unternehmen bereits erreicht, sagt Miesnieks gegenüber Techchrunch. Im März brachte 6D.ai eine erste Programmierschnittstelle für Entwickler heraus. Seither arbeiteten die Ingenieure mit Bands und Künstlern wie Massive Attack und Aphex Twin sowie mit dem Londoner Victoria und Albert Museum zusammen, um die Technologie vorzuführen.

Demnächst soll ein AR-Spiel auf Basis der Technologie erscheinen, das von einem noch unbekannten japanischen Studio entwickelt wird. Die Spieleschmiede soll Rechte an Pokémon-ähnlichen Marken besitzen.  Ebenfalls geplant ist eine App, die zusammen mit der japanischen Mobile-Spieleplattform Gree produziert wird.

Das Startup hat zudem eine Partnerschaft mit einem großen, noch unbekannten Logistikunternehmen geschlossen, das in AR-Navigation investieren möchte.

Die Frage des Datenschutzes

Das Grundproblem aktueller Augmented Reality sei, dass digitale Objekte nicht nahtlos in die reale Welt eingebettet werden können, sagt Miesnieks. Dafür müssten sie an Ort und Stelle verankert werden können, korrekt durch physische Objekte verdeckt werden und direkte Interaktionen erlauben.

Letzten Endes werde die Technologie Tiefenkameras oder Fotogrammetrie benötigen, um brauchbare 3D-Modelle der Umgebung zu erstellen, glaubt Miesnieks. Bis Smartphone-Technologie so weit ist, dürften allerdings noch einige Jahre vergehen.

Auf die Frage nach dem Datenschutz und der Privatsphäre hat das Startup eine erste Antwort parat. “Du kommst nur an die Daten eines Orts heran, wenn du dich physisch darin aufhältst”, sagt Miesnieks. “Ich halte mein Smartphone hoch, es erkennt dein Wohnzimmer und fragt den Server nach einer Übereinstimmung ab, bevor die Daten freigegeben werden.”

Entwickler können sich auf der offiziellen Internetseite für die Beta anmelden.

Mehr über die AR-Cloud lesen:

| Featured Image: Aphex Twin (Youtube-Screenshot) | Source: Techcrunch

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