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ARCore: Tango-Marke angeblich tot, Google zeigt neue Demos

von Matthias Bastian30. August 2017

Zum Start von ARCore entledigt sich Google der Tango-Marke. Ähnlich wie bei Apples ARKit ist bei Googles neuer AR-Software auf den ersten Blick noch nicht klar, welchen Nutzen die einfache Augmented-Reality-Variante letztlich wird stiften können.

Laut der Webseite Techcrunch bedeutet der Anfang von ARCore das Ende der Tango-Marke. Das ist sicherlich ein Schlag für die – zugegeben wenigen – Hersteller wie Asus und Lenovo sowie zahlreiche Entwickler, die die fortschrittliche AR-Initiative unterstützten.

Allerdings dürfte Googles neue AR-Marke in erster Linie ein strategisches Manöver sein. Zweifellos kommt im ARCore die Software zum Einsatz, die zuvor im Tango Core arbeitete und die Tango-Smartphones antreibt.

Sollte sich die Marktsituation ändern, könnte Google erneut Highend-Varianten des ARCore mit fortschrittlichen 3D-Scannern anbieten, die mehr können und präziser arbeiten als rein softwarebasierte AR-Anwendungen.

Schätzen statt messen

Gegenüber der Webseite The Verge räumt Googles VR- und AR-Chef Clay Bavor ein, dass das neue ARCore-Verfahren weniger präzise ist als Tango mit einem 3D-Scanner.

“Die Wahrnehmung der Umgebung bezieht sich nur auf flache Oberflächen, anstatt den Raum in 3D zu rekonstruieren”, sagt Bavor. Gleiches gilt für Apples ARKit.

ARCore schätzt Entfernungen nur anhand des Kamerabildes, während sie mit Tango tatsächlich gemessen werden. Entsprechend lassen sich einige, aber nicht alle Tango-Apps für die neue Software portieren.

Laut dem Google-Produktmanager Nikhil Chandhok soll dieses technische Fundament jedoch ausreichen für “alle Apps, von denen wir glauben, dass sie Nutzer wollen”.

Was für Apps das sein könnten, zeigt Google auf der Webseite AR Experiments: Nutzenstiftende Anwendungen sind nicht dabei. Die vorgestellten Experimente fallen alle – ähnlich wie bei Snapchat oder ARKit – in die Bereiche Entertainment, Kunst oder Gimmick.

Software-AR: Nutzen noch nicht klar

Wenn sich die neuen AR-Anwendungen als feste Größe am Markt etablieren sollen, wird das nicht reichen. Entwickler müssen die Taschenlampen-App der Augmented Reality finden, die sich in der alltäglichen Nutzung für jedermann als nützlich erweist. Offen ist, ob das mit dem aktuellen Stand der Technologie überhaupt möglich ist.

Vielleicht ja, wenn es Google gelingt, den ARCore mit den hauseigenen Ambitionen im Bereich des maschinellen Lernens zu kombinieren, beispielsweise wie bei Google Lens. Mit einer verlässlichen Objekterkennung könnten AR-Apps für das Smartphone eine völlig neue Nutzendimension erreichen.

Fortschrittliche Anwendungen mit potenziell hohem Nutzwert bleiben dedizierter Augmented-Reality-Hardware vorbehalten. So wird zum Beispiel Googles im Mai angekündigter “Visual Positioning Service”, eine Art GPS für Augmented Reality und Innenräume, nicht mit der einfachen Version des ARCore laufen. Die dafür notwendige Präzision kann über eine herkömmliche Smartphone-Kamera nicht erreicht werden.

Den Unterschied zwischen Google Tango und Apples ARKit diskutieren wir ausführlich im VRODO-Podcast Episode #46 (siehe unten).

| Featured Image: Judith Amores (Screenshot bei YouTube)

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