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ARD und ZDF streamen Olympia 2016 in 360-Grad, App auch für Gear VR

von Matthias Bastian7. August 2016

Sowohl ARD als auch ZDF übertragen Teile der Olympiade in 360-Grad. Der Ansatz begeistert, die Bildqualität noch nicht.

Gleich zwei neue Olympia-Apps finden Gear-VR- und Cardboard-Nutzer in den entsprechenden Online-Stores. Die eine kommt von der ARD (Sportschau), die andere vom ZDF. Unmittelbar nach dem Download und der Installation der Apps folgt dann die erste Verwirrung: Die Anwendungen sind identisch, einzig bei den Inhalten gibt es derzeit leichte Unterschiede. Warum der öffentlich-rechtliche Rundfunk lieber eine Parallelstruktur aufbaut, anstatt eine sinnvolle Kooperation im Sinne des Zuschauers anzugehen, bleibt wohl in den Untiefen des Rundfunkstaatsvertrages vergraben. Besonders nutzerfreundlich ist dieses Vorgehen jedenfalls nicht.

Obwohl die Bildqualität der 360-Übertragungen recht bescheiden ist, stemmen die beiden Sender ein wahres Mammut-Projekt. Und das zu einem Zeitpunkt, zu dem ein Zuschauermarkt für 360-Inhalte kaum vorhanden ist. ARD und ZDF positionieren sich bei 360-Videos und Virtual Reality als waschechte Early-Adopter.

Ergänzend zu den Web-Plattformen wurde eigens für Besitzer von VR-Brillen eine hochwertige App entwickelt, in der man einzelne Videodateien nach den Live-Streams herunterladen kann. Das verbessert die Videoqualität zwar nicht grundlegend, verschafft aber zumindest einen Tick mehr Klarheit. Die Anwendungen für Gear VR findet man derzeit auf der Startseite des mobilen Oculus-Stores (ARD, ZDF), bei itunes (ARDZDF) und Android (ARDZDF). Das komplette Programm kann man auf den Web-Plattformen von ARD und ZDF einsehen oder direkt in den jeweiligen Apps.

Die Produktion – soweit bisher einsehbar – ist aufwendig gestaltet. Die 360-Kameras werden an den Sportstätten an verschiedenen Stellen platziert. Der Zuschauer kann zwischen verschiedenen Kameraperspektiven wechseln. Bei der Eröffnungsfeier, die man im Archiv herunterladen kann, steht das 360-Rig sogar mitten unter den Darstellern.

Ergänzend zum 360-Bild wird das 2D-Bild der TV-Übertragung in einem kleinen Fenster angezeigt. So hat man die besten Elemente aus beiden Formaten vereint: Das Mittendrin-Gefühl der VR-Brille und die Detailaufnahmen der hochwertigeren TV-Bilder. Hier hat sich jemand Gedanken gemacht.

2020 in Tokio: 360-Grad, 3D und 4K?

Mit den Livestreams des US-Startups Next VR können die 360-Videos von ARD und ZDF noch nicht mithalten. Die US-Amerikaner verzichten auf einen 360-Rundumblick – das halbiert die produzierten Datenmengen – und filmen stattdessen hochwertig in 180-Grad mit stereoskopischem 3D-Effekt. Der ist für ein echtes Mittendrin-Gefühl wichtiger als der Blick nach hinten, besonders dann, wenn man im Stadion sitzt und ohnehin nach vorne schaut. Beispiele kann man sich in der Next VR-App für Gear VR anschauen.

Wie werden wir wohl die nächsten olympischen Spiele in vier Jahren anschauen? Bis dahin könnten sämtliche Teiltechnologien – 360-Kameras, VR-Brillen, Netzgeschwindigkeit – soweit reifen, dass tatsächlich eine Übertragungsqualität erreicht wird, die von der Realität kaum mehr zu unterscheiden ist. Im Bereich der Sportübertragungen stünde dann eine kleine Revolution ins Haus.

| Featured Image: ARD (Screenshot in der App)