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Augmented Reality beschwört Süßigkeiten-Dämon zu Halloween

von Matthias Bastian29. Oktober 2016

In den USA ist es ein bekannter Brauch: Zu Halloween laufen Kinder von Tür zu Tür und drohen mit Streichen, wenn sie keine Süßigkeiten bekommen. Ein fieser Augmented-Reality-Dämon könnte ihnen den Spaß verderben. Oder noch mehr davon bereiten.

Wie von Geisterhand schweben die begehrten Süßigkeiten vor den Kinderaugen in der Luft, formen nach und nach ein Gesicht. Eine dämonische Lache ertönt und bedroht die Kinder: “Vergesst nicht, euch die Zähne zu putzen!”

Umgesetzt wurde der gruselige Augmented-Reality-Effekt mit der Unity-Engine in Kombination mit der Vuforia-Plattform. Der Entwickler Rich Fiore unterrichtet visuelle Effekte an einem US-College und gibt gegenüber der US-Webseite Inverse an, dass er sich von Pokémon Go inspiriert fühlte.

Erfahrung mit Programmierung habe er bis vor einem Jahr nicht gehabt. “Der Ton und die Animationen waren sehr zeitintensiv.” Im November will Fiore die Entwicklung des Projekts auf der Online-Lernplattform Pluralsight erklären.

Damit die Kinder sich den Streich ansehen können, gibt es an seiner Tür neben Süßigkeiten auch einige Android-Geräte samt vorinstallierter App. Denn der AR-Effekt ist natürlich nur beim Blick durch das Smartphone-Display sichtbar. Ein großes Stück Papier an der Hauswand im Hintergrund dient als Marker und sorgt dafür, dass der Dämon an Ort und Stelle verweilt und perspektivisch korrekt zur Bewegung des Smartphones skaliert.

Was wäre wenn

Der Halloween-Gag impliziert zwei interessante Dinge: Zum einen könnten in Zukunft auch Menschen ohne explizite Programmierkenntnisse aufwendige 3D-Animationen erstellen, sofern die Industrie gute Autorenwerkzeuge bereitstellt.

Zum anderen stelle ich mir unweigerlich vor, wie es wäre, wenn in fünf oder zehn Jahren sämtliche Häuser solche digitalen Verzierungen tragen und man sie nicht umständlich durch ein Smartphone betrachten muss, sondern sie sofort erblickt, wenn man sich ihnen mit einer entsprechenden Brille auf der Nase nähert.

Der Sci-Fi-Autor Bruce Sterling spricht in diesem Kontext von einer Zukunft, die zum Großteil aus computergeneriertem Licht bestehen soll “und Facebook im Vergleich wie eine Dampfmaschine aussehen lässt”.

| Featured Image: Rich Fiore (Screenshot)