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Augmented Reality: Erste Testberichte zum neuen Tango-Smartphone

von Matthias Bastian7. November 2016

Ab Anfang Dezember werden in den USA und hoffentlich auch im Rest der Welt die ersten Tango-Smartphones ausgeliefert. Die US-Presse hatte Gelegenheit zu einem Hands-on bei Google.

Die Veröffentlichung des ersten Smartphones mit Googles Tango-Technologie ist signifikant. Nicht etwa, weil das Display besonders hochauflösend, das Gehäuse extrem flach oder die Batterien außergewöhnlich langlebig sind. Sondern weil es das erste Smartphone ist, das die Umgebung ähnlich sehen kann wie ein Mensch. Diese Neuerung ist so grundlegend wie die ersten Smartphones mit GPS, mobilem Internet oder einer Kamera.

Auch Tangos Projektleiter Johnny Lee vergleicht die neue Funktion mit der GPS-Erweiterung der ersten Handys. Keine technologische Notwendigkeit, so wie das Mikrofon im Hörer, aber ein Feature, auf das man über kurz oder lang nicht mehr verzichten möchte.

Die Fähigkeit einer Hardware, den Raum zu verstehen, “wird nicht wieder verschwinden”, sagt Ariella Lehrer, Geschäftsführerin von Legacy Games, zu The Verge. “Der Markt wird sehr groß.” Ihr Studio steuerte zum Launch des Tango-Smartphones ein Augmented-Reality-Spiel für Kinder bei.

Große Unternehmen wie die Inneneinrichter von Lowe’s, Crayola oder der Spielzeughersteller Mattel investieren bereits in Software und komplettieren mit ihren Anwendungen die 35 AR-Apps zum Marktstart des Phab 2 Pro.

Mehr Auswahl an Tango-Smartphones in 2017

Andere Hersteller würden nicht erst abwarten, ob sich das neue Lenovo-Smartphone gut verkauft, sondern schon an einer eigenen Hardware arbeiten, gibt Lee gegenüber CNET zu verstehen. Nikhil Chandhok, Produktmanager für Tango, bestätigt Lees Aussage: “Im kommenden Jahr wird es viele, viele Hersteller geben.”

Eine größere Auswahl an Endgeräten wird notwendig sein, um die Technologie im Mainstream zu verankern. Denn das Phab 2 Pro mit einem riesigen 6,4-Zoll Display richtet sich vorerst nur an ein Nischenpublikum. Für AR-Anwendungen ist der große Bildschirm brillant, im Alltag ist der sperrige Formfaktor eher störend.

Sowohl The Verge als auch CNET kommen bei ihren Tests im Google Hauptquartier zu dem Fazit, dass die neue Hardware noch eher experimentell ist, obwohl die Technologie prinzipiell funktioniert.

Die Sensoren für die Umgebungserkennung können noch von reflektierenden Objekten aus dem Tritt gebracht werden, schreibt Sean Hollister von CNET. Außerdem würden die Hologramm-ähnlichen Einblendungen nicht immer exakt an Ort und Stelle verweilen. Auch seien die Ladezeiten der AR-Apps sehr lang, kritisiert Hollister weiter.

Wenn die erweiterte Realität aber gelinge, dann sei sie sehr realistisch und überzeugend. “Ich konnte nicht glauben, wie lebensecht der Kaffeetisch durch das Fenster des Phab 2 Pro aussah, obwohl er nicht existierte”, schreibt Hollister.

Die App von Lowe's kann Möbelstücke glaubhaft in den Raum platzieren. Bild: Josh Miller/CNET

Die App von Lowe’s kann Möbelstücke glaubhaft in den Raum platzieren. Bild: Josh Miller/CNET

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