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Augmented Reality: Google stellt Tango offiziell ein und das ist egal

von Matthias Bastian16. Dezember 2017

Was ohnehin schon klar war, macht Google jetzt offiziell: Die AR-Plattform Tango war einmal. Weiter geht es mit ARCore.

Die letzten zwei Einträge des offiziellen Tango-Twitter-Accounts aus dem August preisen noch das Asus Zenfone AR an – eines von zwei Smartphones mit Tango-Kameras. Danach herrschte Funkstille. Bis jetzt.

Der letzte Tweet des Tango-Teams bestätigt, was seit der Ankündigung von ARCore im Sommer ohnehin schon klar war: Google stellt die Unterstützung für Tango ab dem 1. März 2018 offiziell ein. Die Reise geht mit ARCore weiter. Ärgerlich ist das in erster Linie für die Unternehmen und Käufer, die in Tango-Hard- und Software investierten. Für alle anderen spielt es keine Rolle.

Weshalb der Tango-Stopp keine Rolle spielt

Der wesentliche Unterschied zwischen ARCore und Tango: Während die erstgenannte Software-Lösung Distanzen über die herkömmliche Smartphone-Linse nur informiert schätzt, können mit Tango-Sensoren ausgestattete Mobilgeräte ein 3D-Modell der Umgebung ausmessen und rekonstruieren. So können digitale Objekte präziser im realen Raum verankert werden.

Dass Tango endet, bedeutet jedoch nicht, dass Google fortschrittlicher Augmented Reality abgeschworen hat. Der Wechsel von Tango hin zu ARCore ist nur eine Namensänderung und der Entschluss, die Einstiegshürde für Smartphone-AR zu senken. Die zugrundeliegende Computer-Vision-Technologie wird unabhängig vom Außenauftritt weiterentwickelt.

Googles Strategiewechsel ergibt Sinn: In der Praxis stellte sich der zusätzliche 3D-Scanner in den Tango-Smartphones als eher theoretischer Vorteil heraus. Entwickler nutzten ihn kaum, da er viel Rechenleistung und entsprechend Akku verbrauchte, dafür aber nur niedrig aufgelöste Scans bei geringer Bildwiederholrate zur Verfügung stellte. Die meisten Tango-Apps orientierten sich daher primär über die optischen Kameras – so wie bei ARCore und ARKit.

Google musste auf Apple reagieren

Ohnehin war Google durch Apples ARKit-Offensive unter Zugzwang geraten: Im App-Markt schlägt Quantität die Qualität. Das Wachstumspotenzial ist entscheidend für Entwickler, die von Software-Verkäufen leben wollen. Sie sind in Apples App Store gut aufgehoben, rund 380 Millionen mit ARKit kompatible iPhones sollen am Markt sein.

Google möchte “zeitnah” immerhin 100 Millionen Android-Smartphones mit ARCore-Unterstützung aufrüsten und wäre somit ansatzweise konkurrenzfähig. Mit Tango-Hardware-Zwang wären wohl wenige Tausend verkaufte Geräte am Markt – eine viel zu geringe Zahl für ein gesundes App-Ökosystem.

Weniger ist manchmal mehr

Mit den kürzlich veröffentlichten Augmented-Reality-Stickern für Pixel-Smartphones zeigt Google, dass mit einer einzelnen Smartphone-Linse zumindest bei einfachen AR-Anwendungen schon sehr gute Ergebnisse erzielt werden können.

Fortschrittliche Smartphone-AR ist deshalb nicht abgemeldet, sondern nur verzögert: Die nächste Generation 3D-Scanner könnte ihren Weg wieder ins Smartphone finden für anspruchsvollere AR-Apps.

Der Smartphone-Chip-Spezialist Qualcomm stellte bereits einen hochauflösenderen 3D-Scanner vor, der in der ersten Jahreshälfte 2018 in einem Smartphone verbaut auf den Markt kommen soll. Außerdem gibt es erste Gerüchte, dass Apple einen 3D-Scanner in die Rückseite des nächsten iPhones integriert.

| Featured Image: Google