Die Fingertracking-Spezialisten von Leap Motion verbreitern ihr Portfolio mit einer Open Source Augmented-Reality-Brille.

Kürzlich berichteten wir über eine neue Interface-Demo von Leap Motion, bei der die Hand eines AR-Brillenträgers um ein digitales Wearable erweitert wird (siehe Video). Die Annahme, dass es sich bei der AR-Brille im Video um Meta 2 handelt, erweist sich jetzt als falsch: Das Video wurde durch die Linsen einer eigenen Leap-Motion-AR-Brille gedreht.

Der Prototyp der Brille hört auf den Namen “North Star” und setzt auf ein ähnliches Darstellungsverfahren wie Meta 2 oder Lenovos günstige Smartphone-AR-Brille Mirage.

Zwei seitlich montierte 3,5-Zoll-LC-Displays mit einer Auflösung von 1.600 mal 1.400 Bildpunkten pro Auge spiegeln digitale 3D-Objekte mit maximal 120 Bildern pro Sekunde in den Raum.

Der Vorteil dieses Spiegeldisplays ist das weite Sichtfeld von circa 100 Grad. Es ist in etwa auf dem Niveau aktueller VR-Brillen und deutlich weiter als Microsofts Hololens (circa 35 Grad) und Magic Leap (voraussichtlich bis zu 60 Grad).

Dass ein weites Sichtfeld für eine deutlich immersivere AR-Erfahrung sorgt, zeigt unser Test der Meta-2-Brille: mit einem Sichtfeld von rund 90 Grad und sehr scharfen Projektionen bietet sie das visuell bis dato eindrucksvollste AR-Erlebnis. Bei Hololens sind die digitalen Projektionen im Vergleich ständig zu den Rändern hin abgeschnitten. Das sorgt für Orientierungslosigkeit und einen Bildschirmeffekt, die AR-Illusion scheitert.

Der Nachteil an den Spiegeldisplays ist, dass man sie nicht in eine schlanke AR-Brille im Magic-Leap-Stil verbauen kann. Leap Motions AR-Prototyp erinnert entsprechend mehr an einen Helm als an eine Brille und dürfte eher fürs Büro gedacht sein. Ohnehin muss das Gerät so wie Meta 2 mit einem PC verbunden werden.

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Leap Motion könnte beim Fingertracking punkten

Die größte Schwachstelle der Meta-2-Brille ist das unzureichende Raum- und Fingertracking. Zumindest beim letztgenannten hat Leap Motion deutliche Vorteile: Eine Leap-Motion-Kamera ist auf der Brille verbaut und ermöglicht präzise Fingererkennung und somit natürliche Interaktion mit digitalen Objekten.

Sie erfasst Fingerbewegungen in einem Radius von cica 180 mal 180 Grad bei 150 Hz. Das folgende GIF (10 MB) zeigt die Kamera in Aktion.

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Eine Positionserkennung relativ zum Raum bietet der Prototyp nicht. Diese könnte mit bereits am Markt erhältlichen Trackingsystemen wie Valves Lighthouse nachgerüstet werden.

Die Open-Source-Pläne für North Star sollen kommende Woche veröffentlicht werden. Bei einer Massenfertigung könne der Preis laut Leap Motion bei unter 100 US-Dollar liegen. Das Unternehmen hat keine Pläne, eigene Geräte herzustellen, ist aber mit potenziellen Partnern in Kontakt.

Die Bauteile der Leap Motion AR-Brille - übersichtlich. Bild: Leap Motion

Die Bauteile der Leap Motion AR-Brille – übersichtlich. Bild: Leap Motion

Das Unternehmen hat schon erste Ideen für die Fortentwicklung des Prototyps, zum Beispiel ein Eye-Tracking-System samt Minimotoren, die die Displays passend zu den Augenbewegungen steuern und so einen dynamischen Tiefenschärfeeffekt ermöglichen. Ein ähnliches System arbeitet in der VR-Brille von Varjo.

Schon seit 2008 arbeitet Leap Motion an 3D-Sensoren fürs präzise Hand- und Fingertracking. Das Unternehmen verbesserte die Genauigkeit der Hardware in den letzten zwei Jahren durch kontinuierliche Software-Updates massiv. Die Tracking-Kamera war anfangs am Rande der Brauchbarkeit. Mittlerweile arbeitet sie bei passenden Lichtverhältnissen sehr präzise, so wie es in den Demos präsentiert wird.

Leap Motion vermeldete zuletzt im Sommer 2017 Investoreneinnahmen über 50 Millionen US-Dollar. In den ersten beiden Förderrunden erhielt Leap Motion 12,75 Millionen (2012) und 30 Millionen US-Dollar (2013).


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