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Augmented Reality: Lenovos Tango-Smartphone kommt erst im November

von Matthias Bastian10. Oktober 2016

Update vom 10. Oktober:

Statt wie ursprünglich angekündigt im September erscheint das neue Tango-Smartphone laut Cnet erst im November. Die Information stammt direkt von Googles Virtual-Reality-Chef Clay Bavor. Leider wird das Gerät nicht Googles neuen Daydream-Standard für Virtual Reality unterstützen. Inside-Out-Tracking mit dem Smartphone für VR-Anwendungen bleibt somit vorerst Wunschdenken.

Update vom 10. Juni: 

Auf einer neu gelaunchten Tango-Webseite stellt Google einige Anwendungsbeispiele vor. Zu den ersten sieben Apps gehören ein virtuelles Messlineal, eine Solar-Simulation, die über das Smartpohne-Display das Sonnensystem ins Zimmer projiziert, eine von Lowe gesponserte App für die Inneneinrichtung sowie mehrere Spiele. Das Spiel “Woorld” stammt aus der Feder des Katamari-Damacy-Schöpfers.

Für Entwickler interessant: Das Developer-Kit für Tango ist wieder lieferbar und kostet rund 500 Euro. Bestellt werden kann es direkt im Play Store.

Ursprüngliche Meldung:

Lenovo und Google tun sich zusammen und setzen den Augmented-Reality-Markt in Gang. Und bringen ganz nebenbei die erste Smartphone-Innovation seit einer gefühlten Ewigkeit auf den Markt. Erscheinen soll das Tango-Smartphone im September für einen überraschend niedrigen Preis von nur 499 US-Dollar. 

Lenovos “Phab2 Pro”-Smartphone ist das erste Gerät für Endkunden mit Googles Tango-Technologie. Das Gerät hat ein riesiges 6.4-Zoll Display (2560 x 1440 Pixeln, IPS) verbaut, wahrscheinlich auch, um ein wenig mehr Platz für die zahlreichen Sensorkameras auf der Rückseite zu haben. Die aneinandergereihten Sensoren sind nämlich das Herzstück der Tango-Technologie.

Eine 3D-Infrarotkamera ist für die Tiefenwahrnehmung zuständig, eine Fischaugenlinse erkennt Bewegungen, auch eine RGB-Kamera mit 16MP ist integriert; gemeinsam können die Kameras mit dem standardmäßig verbauten Beschleunigungssensor und einem Gyroskop die Umgebung in Echtzeit scannen und ausmessen. Die restliche Hardware ist mit einem Snapdragon 652 Prozessor und 4GB RAM nicht top aktuell, auch wenn der Prozessor eigens für Tango abgestimmt wurde. Genau, Tango, das “Project” gehört mit dem Launch der Konsumentenversion der Vergangenheit an. Der Akku hat 4050 mAh, das große Smartphone wiegt 259 Gramm, der integrierte Speicher liegt bei 64GB und kann erweitert werden. Außerdem unterstützt das Phab2 Pro auch die Surround-Technologien Dolby Atmos und Dolby Audio Capture 5.1.

Herzstück der Tango-Technologie sind die Sensor-Kameras auf der Rückseite. BILD: Lenovo

Herzstück der Tango-Technologie sind die Sensor-Kameras auf der Rückseite. BILD: Lenovo

Es sind drei Kerntechnologien, die Tango zum Leben erwecken: Bewegungsverfolgung, Tiefenwahrnehmung und die Lernfähigkeit bei der Erfassung der Umgebung. Das „Auge“ des PHAB2 Pro nimmt die eigene Position mittels Bewegungsverfolgung in 3D wahr. Tango teilt dem Smartphone zudem automatisiert seinen Standort mit und lernt so seine Umgebung mit jeder Bewegung besser kennen. Die Tiefenwahrnehmung ermöglicht es, die Gegebenheiten der Umgebung zu analysieren, indem es Oberflächen und Hindernisse erkennt. Über Sensoren, die mehr als 250.000 Messungen pro Sekunde durchführen, kann das Smartphone so zum ersten Mal seine Umgebung und umliegende Objekte visualisieren und verstehen. Lenovo, Pressemitteilung

Überflüssig oder der Anfang einer Revolution? Diskutiere das Lenovo-Smartpone im VRforum.

Neben dem Preis, dem Veröffentlichungsdatum und der Display-Größe gab es aber keine grundlegenden Neuigkeiten zum ersten Augmented-Reality-Smartphone. Die gezeigten Demos präsentierte Googles Augmented-Reality-Chef Johnny Lee schon größtenteils auf der I/O Entwicklerkonferenz vor rund zwei Wochen. Wir berichteten in diesem Artikel bereits ausführlich über die Features der neuen Technologie, insbesondere das “Area Learning”, bei dem das Smartphone einmal eingescannte Umgebungen quasi auswendig lernt. Eine neue Demo zeigte unter anderem, wie Augmented Reality bei der Inneneinrichtung genutzt werden kann.

“Mit Project Tango wird das Smartphone zu einem magischen Fenster in die physische Welt, es kann Raum und Bewegung auch außerhalb der Grenzen des Touchscreens erkennen. Gemeinsam mit Lenovo können wir Project Tango Nutzern und Entwicklern weltweit zugänglich machen, damit diese Apps nutzen und entwickeln können, die virtuelle und reale Welt miteinander verschmelzen”, sagt Lee.

Bei der Lenovo-Präsentation gab es einige Ausfälle, auch wirkt die Technologie insgesamt noch nicht besonders robust. Aber das ist ok, immerhin ist nun ein Anfang gemacht. Offen ist die Frage, wie es mit regelmäßigem Software-Nachschub aussieht; dafür werden Google und Lenovo wohl mehr oder weniger im Alleingang sorgen müssen. Lenovo jedenfalls ist davon überzeugt, dass die neuen Augmented-Reality-Features ein wichtiger und selbstverständlicher Bestandteil unseres Alltags werden.

Das US-Magazin Engadget hatte vorab die Gelegenheit zu einem ausführlichen Hands-on und präsentiert die Ergebnisse im Video.

| Featured Image: Lenovo