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Augmented Reality mit Hololens: Microsoft zeigt “Holoportation”

von Matthias Bastian26. März 2016

Microsoft zeigt ein neues Anwendungsszenario für die Augmented-Reality-Brille Hololens: Die “Holoportation”. “Das könnte grundlegend verändern, wie Menschen in Zukunft miteinander kommunizieren”, sagt Shahram Izdai von Microsofts Forschungsabteilung.

Bei der “Holoportation” wird eine Szene mittels sechs von Microsoft selbstentwickelter 3D-Kameras eingefangen und rekonstruiert. Die Daten werden dann texturiert, komprimiert und zum Hololens-Gesprächspartner übertragen. Die Aufnahmen können sowohl live gestreamt als auch gespeichert werden. Theoretisch könnte man mit der Technologie Erinnerungen einfangen, um sie zu einem späteren Zeitpunkt lebensecht abzurufen. Die 3D-Kameras können offenbar ausgewählte Objekte im Raum, wie einen Tisch samt Mensch, gezielt scannen, als 3D-Modell berechnen und anschließend texturieren.

Ziel der Anwendung ist es, dass Nutzer sich zumindest virtuell in Echtzeit von einem Ort an einen anderen teleportieren – Microsoft nennt es “holoportieren” – können. Dabei soll sich ein Gefühl von “Ko-Präsenz” einstellen, so als wäre man tatsächlich physisch miteinander am gleichen Ort. Laut Microsoft wird dadurch auch auf Distanz “Kommunikation und Interaktion so natürlich wie Gespräche von Angesicht zu Angesicht.” Hololens-Projektleiter Alex Kipman stellte dieses Prinzip bereits bei seinem TED-Talk Mitte Februar ausführlich vor, seinen Vortrag gibt es hier.

Allerdings zeigen weder Kipmans TED-Demo noch das obige Forschungsprojekt den wirklichen Stand der Technologie. Der Hololens-Träger sieht keine Hologramm-ähnlichen Abbildungen in Lebensgröße vor sich, sondern immer nur kleine Ausschnitte davon, ungefähr in der Größe eines menschlichen Kopfes (abhängig von der Distanz, rund 20 Grad horizontales Sichtfeld). Außerdem sollen die digitalen Bilder noch einen deutlichen Blaustich haben, wenn man sie durch das Display von Hololens betrachtet. Microsoft umgeht diese Restriktionen regelmäßig und filmt die Aufnahmen mit einer Spezialkamera, die ein deutlich weiteres Sichtfeld zeigt als das, was man tatsächlich durch die Augmented-Reality-Brille sieht.

Dauert noch ein paar Jahre: Holoportieren statt Telefonieren

Ohnehin dürfte es noch einige Jahre dauern, bis es zu einer kommerziellen Veröffentlichung von Hololens kommt. Eine Consumer-Version ist frühestens mit Version 3 geplant. Zum Vergleich: Zwischen dem ersten Oculus-Rift-Prototyp und der finalen Version lagen rund vier Jahre und vier Versionen. Gut möglich, dass die Redmonder die technologische Weiterentwicklung der Hololens-Brille bis dahin so weit vorangetrieben haben, dass die obige “Holoportation”-Vision tatsächlich Realität wird. Weitere Sichtfelder sind technologisch bereits umsetzbar, sind aber in erster Linie eine Kostenfrage bei der Produktion. Die erste Hololens-Entwicklerversion, die in diesen Tagen versendet wird, kostet trotz Mini-Sichtfeld noch 3.000 US-Dollar.

Die Frage ist, was schneller geht: Die Perfektion der Augmented Reality oder die Weiterentwicklung von Virtual-Reality-Brillen. Am wahrscheinlichsten ist es wohl, dass beide Technologien sich irgendwo in der Mitte treffen und zusammenwachsen. Auch Oculus-Gründer Palmer Luckey gibt die im Microsoft-Video demonstrierte Variante der “Telepräsenz” als interessantes Ziel aus.

“Das bedeutet, dass man nicht Millionen Liter Treibstoff verpulvern und die Zeitzonen wechseln muss, nur um zwischen verschiedenen Büros hin- und herzufliegen. Menschen können gemeinsam in virtuellen Büros arbeiten, so als wäre es ein echtes Büro. Das bietet sonst keine andere digitale Kommunikationstechnologie”, sagt Luckey, bezieht sich dabei aber in erster Linie auf VR-Technologien. Er geht davon aus, dass die Entwicklung der erweiterten Realität der rein virtuellen Variante noch einige Jahre hinterherhinkt.

| SOURCE: Microsoft Research
| FEATURED IMAGE: Microsoft Research