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Augmented Reality: Neue App zeigt unsichtbare Datenströme

von Carolin Albrand1. Dezember 2015

Die Augmented-Reality-App “Architecture of Radio” zeigt uns die unsichtbare Welt der Datenströme, die uns umgibt. Ein Blick durch das Tablet zeigt uns aktive Wifi-Signale, Satelliten und Funktürme in der Umgebung.

Die Daten gewinnt die App aus einem Open-Dataset, das rund sieben Millionen Funktürme, 19 Millionen Wi-Fi-Router und hunderte von Satelliten beinhaltet. Die eigene Position wird über GPS getrackt – schaut man durch das Tablet oder Smartphone in die Umgebung, kann man sehen, wo in etwa welche Datenströme fließen. Allerdings handelt es sich dabei nicht um eine exakte Echtzeitauswertung elektromagnetischer Signale in der Umgebung, sondern nur um Schätzungen basierend auf den Daten und der Position des Nutzers. Denn die App wurde nicht als Messinstrument konzipiert, sondern ist Teil eines Kunstprojekts, das die für das menschliche Auge unsichtbare, aber allgegenwärtige Infosphäre sichtbar machen soll: “Wir verbergen die sichtbare Welt, um die unsichtbare technologische Landschaft sichtbar zu machen”, schreibt der niederländischen Designer Richard Vjigen, der Architecture of Radio entworfen hat. Die App ist aktuell nur für das iPhone und das iPad zugänglich und kann hier für 2,99 Euro runtergeladen werden. Eine Version für Android-Geräte soll Anfang 2016 folgen.

Architecture of Radio ist auch Teil der Ausstellung GLOBALE: Infosphäre, die noch bis Ende Januar 2016 im Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie stattfindet. Die Ausstellung bietet einen Überblick über Kunst im Kontext der Digitalen Revolution und daraus resultierende soziale Folgen. Einen Trailer zur Ausstellung gibt es hier.

Die Menschen leben heute in einer global vernetzten Gesellschaft, in der Biosphäre und Infosphäre einander durchdringen und bedingen. Die Erde ist von einer Lufthülle umgeben, die wir Atmosphäre nennen. Sie ist das Ergebnis der Fotosynthese, der Arbeit der Algen während Millionen von Jahren, bei der Sonnenlicht in Luft verwandelt wurde. Die Antwort der Evolution auf die Atmosphäre war die Lunge. Daher ist die Atmosphäre unabdingbar für das Leben der Menschen und anderer Säugetiere. Seit ca. 150 Jahren sind wir auch von einer »Infosphäre« umgeben. Mit diesem Neologismus bezeichne ich jenes technische Netzwerk von Telegrafie, Telefonie, Television, Rundfunk, Radar, Satelliten und Internet, das den Globus umspannt und den globalen Datenaustausch wie die Organisation des Transportes von Menschen und Gütern ermöglicht. Ohne den globalen Daten-, Waren- und Personenverkehr könnten die biologischen und sozialen Ansprüche von mehr als sieben Milliarden Menschen nicht erfüllt werden. Ausstellungsbeschreibung zu GLOBALE: Infosphäre

| FEATURED IMAGE: Juuke Schoorl