Das Augmented-Reality-Unternehmen Niantic investiert die Millionengewinne von Pokémon Go in Wachstum und übernimmt das AR-Startup Escher Reality.

Escher Reality ist auf plattformübergreifende, vernetzte Augmented-Reality-Anwendungen und Computer Vision spezialisiert. Das AR-Startup wurde schon vor dem Pokémon-Go-Hype gegründet und beschäftigte zuletzt sieben Mitarbeiter. Zu den Übernahmebedingungen liegen keine Informationen vor, die Mitarbeiter werden offenbar weiterbeschäftigt.

Die wichtigste Entwicklung von Escher Reality ist ein auf Augmented Reality spezialisiertes Netzwerkprotokoll mit geringer Latenz, das Augmented-Reality-Apps unabhängig vom Betriebssystem und Endgerät miteinander vernetzen kann. Im Falle von Pokémon Go könnten so ein iPhone- und ein Android-Jäger das gleiche digitale Monster am selben Ort durch ihr jeweiliges Smartphone-Display betrachten.

Außerdem soll die Escher-Software digitale Objekte dauerhaft in die Realität einbetten können, auch wenn das AR-Abspielgerät zwischenzeitlich ausgeschaltet wurde. Hängt man beispielsweise ein digitales Gemälde an die Wand, verweilt es an Ort und Stelle, bis man es wieder abhängt. Weder Apples ARKit noch Googles ARCore beherrschen diesen Trick.

Diese Dauerhaftigkeit ist ein wichtiger Schritt für die große Mixed-Reality-Vision, in der die Grenze zwischen Realität und virtueller Welt fließend verläuft. Wenn digitalen Objekten ein fester Platz in der Realität zugewiesen wird – über eine kurze Momentaufnahme hinaus – dann werden sie Teil des Raumes und des Alltags und gewinnen so an Glaubhaftigkeit.

Multiplattform-AR als nächster Entwicklungsschritt

Vor der Übernahme durch Niantic wollte Escher Reality die eigene Software als Lizenzmodell gezielt anderen Augmented-Reality-Studios anbieten. Dieser Plan dürfte nach der Akquisition vorerst auf Eis liegen. Niantic wird eine eigene Vision für die Software haben.

Im Blogeintrag zur Übernahme schreibt Niantic-Gründer John Hanke, dass Eschers Technologie für persistente, plattformübergreifende AR-Welten die eigene Arbeit signifikant beschleunigen wird.

Andere Entwickler sollen wohl dennoch nicht leer ausgehen: Hanke deutet an, dass Niantic im Laufe des Jahres eine Programmierschnittstelle für Multiplattform-AR veröffentlichen wird. Es wäre ein weiterer kleiner Schritt hin zur Augmented-Reality-Cloud, einer Art 3D-GPS für Augmented-Reality-Geräte. Erst mit dieser Infrastruktur kann die neue Technologie viele ihrer Nutzenversprechen bei Kommunikation oder Navigation erfüllen.


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