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Augmented Reality: So sieht ein Anruf mit Hololens in Skype aus

von Matthias Bastian10. September 2016

Skype gehörte zu den ersten Apps, die Microsoft für die Augmented-Reality-Brille Hololens demonstrierte. Ein Video zeigt ausführlich die einzelnen Features der Beta-Version.

Anders als bei der Desktop-Version von Skype sieht man nicht das Gesicht des Gegenübers, sondern dessen Sichtfeld durch die Hololens-Kamera. Das eignet sich natürlich nicht für jede Art des Gesprächs. Möchte man etwas persönlich besprechen, greift man besser zur herkömmlichen Videokonferenz mit der Webcam und zeigt sein Gesicht.

Anders sieht es aus, wenn man dem Gesprächspartner die Umgebung zeigen möchte oder nach Anweisungen für eine bestimmte Tätigkeit fragt. Dann ist die Übertragung mit Hololens optimal geeignet. Im privaten Bereich könnte das ein Kochrezept sein, im industriellen Sektor die Fernwartung.

Natürlich ist dieser Übertragungsweg ebenso mit einer herkömmlichen Smartphone-Kamera möglich – nur hat man dann nicht beide Hände frei. Große Konzerne wie die DHL oder VW setzen daher einfache AR-Brillen in der Fertigung oder der Logistik ein. Die Technologie verspricht eine Effizienzsteigerung.

Zugegeben: Mit echter Augmented oder gar Mixed Reality, wie sie Microsoft mit Hololens anpreist, hat das wenig zu tun. Jede am Kopf montierte Kamera würde gleichfalls als technische Lösung taugen, auch wenn die Integration in bestehende Systeme komplexer wäre. Hololens-Skype funktioniert ganz gewöhnlich auf Windows-Basis.

Interessanter ist die Hololens-Version für denjenigen, der die AR-Brille auf dem Kopf trägt. Er kann das Fenster des Anrufers wie einen großen Monitor an eine beliebige Wand anpinnen und es verweilt dort, unabhängig von der eigenen Blickrichtung. Der Ton wird in Relation zur Fensterposition in 3D-Audio übertragen. Das kann zumindest auditiv den Eindruck erwecken, dass die andere Person tatsächlich mit im Raum steht. Gegenstände und Wände können zusätzlich mit Zeichnungen oder Bildern versehen werden. Auch die sind dauerhaft an den Wänden sichtbar, bis sie explizit gelöscht werden.

Skype für Hololens wird erst mit Zusatzhardware richtig spannend

Die große Revolution für die digitale Kommunikation ist die derzeitige Beta-Version von Hololens-Skype sicherlich nicht. Der Mehrwert ist überschaubar und der Einsatz nur in ganz bestimmten Szenarien sinnvoll.

Deutlich interessanter werden Videokonferenzen mittels Augmented Reality, wenn man eine Brille wie Hololens mit speziellen 3D-Tiefenkameras kombiniert, die Bewegungen aus einer externen Perspektive einfangen und in Echtzeit als 3D-Modell digitalisieren. Dann ist es in der Tat möglich, Hologramm-ähnliche Abbildungen von sich selbst in Echtzeit übers Netz zu senden und in einem futuristischen Hologramm-Chat gemeinsam im gleichen Raum zu stehen – ganz so, wie man es aus Star Trek und Co. kennt.

Microsoft demonstrierte die dafür notwendige Technologie bereits im Projekt Fusion 4D und zuvor mit der “Holoportation”. Noch steckt der Prozess in den Kinderschuhen. Die 3D-Modelle sind optisch nicht perfekt, das Mini-Sichtfeld der Hololens-Brille macht nur einen kleinen Teil der Hologramm-ähnlichen Abbildungen sichtbar und das Kamerasetup ist aufwendig und teuer. Bis zu acht 3D-Tiefenkameras werden benötigt, um lebensechte 3D-Modelle mit hoher Präzision in Echtzeit zu berechnen.

Ist das maschinelle Sehen aber einmal ausgereift – und daran forschen gerade zahlreiche große Techkonzerne wie Microsoft, Intel, AMD, Nvidia oder Facebook – dann könnte eine Zukunftsvision wie im Video unten schnell in den Wohnzimmern ankommen.

| Featured Image: Microwavesam (Screenshot bei YouTube)