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Augmented Reality: Spieglein Spieglein in der Hand

von Carolin Albrand25. Januar 2016

Die Werbung gaukelt Frauen so einiges vor. Ein Kleid das perfekt sitzt oder Schminke dank der Frau genauso verführerisch in die Kamera lächelt wie das Model. Probiert man es anschließend zuhause aus, ist das Ergebnis ganz anders: Die Smokey-Eyes ähneln einer Waschbärmaske und die Frisur von Jessica Alba erinnert an den Topfschnitt, den man mit 14 hatte.

Das Unternehmen ModiFace versteht die Probleme der Frau und möchte zumindest eine Kernfrage lösen: Models sehen immer super aus, das ist verdammt noch mal ihr Job, aber wie steht mir die Farbe und das Styling? Mit der App ModiFace Live kann man verschiedene Make-Up-Ideen am eigenen Gesicht testen ohne auch nur einen Strich zu malen. Das Smartphone oder das Tablet wird zum Wunderspiegel. Die App erkennt die verschiedenen Gesichtspartien wie Augenbrauen, Augenlider, Wangen oder Lippen.

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Anschließend kann man mit den verschiedenen Farben und Styles spielen. Lidschatten und Lippenstift überlagern in Echtzeit via Smartphone- oder Tablet-Display die eigenen Gesichtspartien. Anschließend kann man Grimassen ziehen, lächeln und winken, um den neuen Look zu testen – das Make-Up sitzt dabei immer an der richtigen Stelle. Sogar die eigene Augenfarbe kann man wechseln. Aus Braun mach Grün und umgekehrt.

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Die technischen Ursprünge der Anwendung gehen auf das Erkennen von Lippenbewegungen im militärischen Kontext zurück: “Als ich Doktorand in Stanford war, arbeitete ich mit dem Militär an einer Methode, um Lippenbewegung zu erkennen, damit man auch auf große Distanz Lippen lesen kann”, sagt ModiFace Gründer Parham Aarabi. Dafür entwarf der Doktorand im Bereich Maschinenbau eine Technologie mit der Gesichtsbewegungen erkannt werden können. Auf den kommerziellen Nutzen seiner Anwendung kam er erst später; auf die Idee brachte ihn der Pharmariese Allergan, der die Wirkung von Botoxbehandlungen pre-visualisieren wollte. ModiFace gibt es schon seit 2007, ein wirklicher Hit wurde die App aber erst im letzten Jahr – das Netzwerk konnte allein in 2015 von zehn auf 55 Partner ausgebaut werden.

Mittlerweile hat das Unternehmen rund 25 Patente angemeldet, die alle auf dem selben Prinzip basieren. Um der Software beizubringen, wie Make-Up auf unterschiedlichen Gesichtern auszusehen hat, filmte ModiFace verschiedene Models mit unterschiedlichen Hautfarben. Die Frauen wurden mehrfach geschminkt und unter gedimmtem, mittlerem und hellem Licht abgelichtet. Anhand der Aufnahmen generierte das Unternehmen anschließend einen Algorithmus, der den Look möglichst exakt auf das Gesicht der Anwenderin überträgt.

Wer den Spaß selber mal testen möchte oder als Profi-Instagramer einen akuten Anwendungsfall hat, kann die App für iOS runterladen oder direkt im Browser ausprobieren. ModiFace Live gibt es noch nicht für Android, dafür aber eine große Anzahl älterer ModiFace-Apps, die nach dem gleichen Prinzip funktionieren, dabei nach unseren Tests aber lange nicht so akkurat arbeiten, wie es die neuste Demo im Video zeigt.

| SOURCE: ModiFace
| VIA: techcrunch
| IMAGES & GIFs: ModiFace