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Augmented Reality: “Zehntausende Vorbestellungen” für Meta 2, neue Demos

von Matthias Bastian20. Oktober 2016

Microsofts Hololens ist wohlbekannt unter Augmented-Reality-Enthusiasten und über die Szene hinaus. AR-Fantasten begeistern sich ebenso für das vermeintliche Potenzial von Magic Leap. Danach kommt lange nichts. Ein Unternehmen, das noch oben mitspielen möchte, ist Meta.

Ob Meta diesem Anspruch gerecht werden kann, ist weiter ungewiss. Vorgestellt wurde das neueste Gerät “Meta 2” – inszeniert mit sehr viel Hype – erstmals auf der Ted-Konferenz im vergangenen Februar. Seitdem gab es, abgesehen von vereinzelten und eher durchwachsenen Hands-on-Berichten in den US-Medien, kaum aussagekräftige Informationen zum Augmented-Reality-Helm. Als Brille geht der Prototyp aufgrund des Formfaktors nicht durch.

Auf der Augmented World Expo 2016, der in diesem Jahr wohl wichtigsten Fachmesse zu Augmented Reality in Europa, hatte Metas Vertriebler Ryan Pamplin nur Visionen statt Demonstrationen am Start. Zwar hatte er eine Meta-Brille in der Hand, allein es mangelte ihm an einem PC, um die AR-Brille in Betrieb zu nehmen. Sowohl auf der Bühne als auch auf dem Showfloor blieb es daher bei Trockenübungen.

Microsofts Hololens hingegen war auf der AWE 2016 an jedem dritten Stand zu finden. Seit wenigen Tagen wird die AR-Brille weltweit verkauft. Wenn Meta diesen Vorsprung noch aufholen möchte, wird sich das Unternehmen in den kommenden Monaten strecken müssen. Mit Magic Leap wartet außerdem ein weiterer starker Mitbewerber, der voraussichtlich im ersten Halbjahr 2017 die Karten auf den Tisch legen und erste Entwicklerversionen versenden wird.

Zehntausende Vorbestellungen für Meta 2

Man habe bereits “zehntausende Vorbestellungen” für die Entwicklerversion von Meta 2 gesammelt, sagt Pamplin bei seiner Keynote auf der Augemented World Expo. Das Gerät kann seit geraumer Zeit über die Webseite des Herstellers für rund 1.000 Euro geordert werden. Das Ziel sei es, so Pamplin, dass der Nutzer vergesse, dass er eine Brille trage und stattdessen “eins wird mit den Inhalten”. Die Auslieferung des Entwicklerkits solle “sehr bald” erfolgen.

Auf der AWE 2016 zeigte Pamplin neue Videodemos, die nach ihm direkt durch die Linsen der Brille gefilmt wurden. Zu sehen gab es einen 3D-Videochat, den er als “Facetime auf Steroiden” beschrieb. Mit der Anwendung soll es möglich sein, Gesprächspartner dreidimensional in die eigene Umgebung zu beamen.

Das Konzept erinnert an Microsofts Holoportation, die die Redmonder im Frühjahr dieses Jahres zeigten. Das 3D-Modell des Gesprächspartners wird mittels Tiefenkameras in Echtzeit berechnet, texturiert, komprimiert und übers Internet an die Brille gesendet. Dank des weiten Sichtfelds der Meta 2 von über 90 Grad sieht man deutlich mehr vom Gegenüber als beim Mini-Bildausschnitt der Hololens.

GIF Meta 2 Hologrammtelefon

Demonstriert wurde weiterhin eine App für dreidimensionales Zeichnen samt zusätzlichem 3D-Controller mit Trackingmarkern. Die Anwendung erinnerte ein wenig an Tilt Brush für HTC Vive. Allerdings mit dem Unterschied, dass die Zeichnungen anschließend im realen Raum existieren, sofern man den AR-Helm aufbehält.

GIF

Ebenfalls macht man sich bei Meta darüber Gedanken, wie Augmented Reality das Online-Shopping erweitern kann. Betrachtet man eine Shopping-Webseite durch die Linsen des AR-Helms, kann ergänzend ein 3D-Modell des Produkts in das Sichtfeld gerendert werden, das man von allen Seiten untersuchen kann.

GIF Hologramm Shopping

Hirn-Maschine-Schnittstelle statt klobiger Brille

Schon für 2020 sagt Pamplin neue Brillendesigns voraus, die nichts mehr mit den klobigen Entwicklerversionen von heute zu tun haben sollen. Er glaubt sogar, dass große Modemarken wie Saatchi in den Designmarkt für AR-Brillen einsteigen werden. Der nächste konsequente Schritt sei es, so Pamplin, dass die Brille ganz verschwinde und man sich stattdessen Kontaktlinsen direkt auf die Netzhaut lege.

Bis 2030 hält er eine solche Entwicklung für möglich, geht aber gleichsam davon aus, dass eine andere Technologie der Kontaktlinse zuvorkommt: Die Hirn-Maschine-Schnittstelle soll es uns ermöglichen, Inhalte direkt in unsere grauen Zellen zu feuern, sodass der Umweg über die Augen nicht mehr notwendig ist.

Mobile Netze mit 5G-Geschwindigkeit sollen dazu beitragen, dass die Anwendungsszenarien für die neue Technologie variabler werden. In die Cloud ausgelagerte Rechenprozesse könnten deutlich mehr Leistung zur Verfügung stellen, als man sie derzeit in kleine, schmale Brillengestelle verbauen kann. Trotz Mini-Formfaktor ließen sich dann hochqualitative Grafiken rendern und darstellen.

Neben dem Entertainment, volumetrisch gefilmten und damit begehbaren Videos, Design und der Produktion sieht Pamplin insbesondere die Bildung als wichtigen Einsatzbereich für Augmented Reality. “Es gibt Dinge, die können wir mit einem gewöhnlichen Schulbuch einfach nicht erklären.” Und weiter: “In ein paar Jahren verabschieden wir uns von Computern, TVs und Smartphones.”

| Featured Image: AWE 2016 / Meta | GIFs: VRODO / Meta