0

Ausprobiert: Foo VR ist die erste Virtual-Reality-Talkshow

von Matthias Bastian2. April 2016

Ende letzten Jahres stieg der Moderator Will Smith (nein, nicht DER Will Smith) bei der bei YouTube sehr erfolgreichen Nerd-, Games- und Gadget-Show Tested aus. Grund dafür war sein erstes soziales Erlebnis in Virtual Reality, das ihn auf eine besondere Idee brachte.

Um ein erfolgreiches Showformat wie Tested hinter sich zu lassen und einen kompletten Neuanfang zu wagen, muss man schon viel Vertrauen in seine Idee haben. Will Smith hat das. Nachdem er in Virtual Reality das erste Mal mit einer anderen Person kommunizierte und erlebte, dass selbst rudimentär anmierte Mimik und Gestik (Hand-, Augen- und Mundbewegungen) reichen können, damit unser Gehirn das virtuelle Gegenüber als glaubhafte Persönlichkeit wahrnimmt, beschloss er, die erste VR-Talkshow auf die Beine zu stellen. Ein Format wie Tested, nur eben virtuell statt real. Die Idee zu Foo VR war geboren.

Nur einige Monate später gibt es eine frühe Demo von Smiths Vision im Oculus Store als Download. Und diese zeigt eindrucksvoll das Potenzial des neuen VR-Formats. Zu Besuch im virtuellen Studio sind die Entwickler von Campo Santo, die ihr Spiel “Firewatch” vorstellen. Wirkt es im ersten Moment noch wie ein Rückschritt mit rudimentär animierten und rein virtuellen Talkshowgästen in einer Runde zu sitzen, wird der Unterschied zum im Vergleich fast schon traditionellen YouTube-Format wenig später eindrucksvoll klar. Denn anstatt einen Trailer nur durch einen Bildschirm zu betrachten, betritt man gemeinsam mit den Entwicklern eine Szene im Spiel – in diesem Fall ist es ein Wachturm, der von der Spielfigur als Zuhause zweckentfremdet wird.

Erst sitzt man nur in der VR-Umgebung, betrachtet einen Trailer auf einem Monitor und fragt sich, was soll das hier...

Erst sitzt man nur in der VR-Umgebung, betrachtet einen Trailer auf einem Monitor und fragt sich, was soll das hier…

...doch dann kommt der Schnitt und man ist gemeinsam mit den Entwicklern und dem Moderator IM Trailer, betrachtet die virtuelle Umgebung und lauscht den Erklärungen. BILD: Foo VR

…doch dann kommt der Schnitt und man ist gemeinsam mit den Entwicklern und dem Moderator IM Trailer, betrachtet die virtuelle Umgebung und lauscht dem Interview. BILD: Foo VR

Direkt in der Spielumgebung erklären die Entwickler das Konzept des Spiels, zeigen einzelne 3D-Modelle im Detail und erzählen die dazugehörige Geschichte. In der 3D-Umgebung kann man sich zwischen den beiden Entwicklern und dem virtuellen Avatar von Will Smith frei bewegen und mit der Umgebung interagieren, einzelne Gegenstände hochheben und aus der Nähe betrachten. Das ist ein völlig neues Erlebnis, das kein anderes Medium bietet.

Aktuell funktioniert das Konzept zwar nur auf Basis von gerenderten Umgebungen, mit neuen Film- und Kameratechnologien wären vergleichbare Produktionen aber zukünftig auch in vielen anderen Bereichen denkbar. Das Room-Scale-VR-Feature und die 3D-Controller von HTC Vive werden bereits unterstützt, auch mit Oculus Touch soll die VR-Show zukünftig kompatibel sein.

Smith richtet seine Strategie zweigleisig aus: Zum einen soll die Foo-VR-Show ab Sommer regelmäßig erscheinen und sich als VR-Talkshow im Gaming-Bereich etablieren. Zum anderen möchte der Produzent die Werkzeuge, mit denen die Foo-VR-Show gebaut wird, als Softwarepaket vertreiben. Smith sieht dabei ähnliche Chancen wie bei der Digitalisierung im Verlagswesen: “Ich startete im Magazin-Business als digitale Publishing-Tools die veralteten physischen Werkzeuge ersetzten. Diese Veränderung führte uns eine neue Ära beispielloser Kreativität. Der kreative Impuls wurde nicht mehr davon gefesselt, wie viel Zeit man brauchte, um die Größe eines Fotos in der Dunkelkammer anzupassen. Als Gegenstände sich von physischen Objekten in einfach zu manipulierende Software wandelten, war plötzlich alles möglich”, schreibt Smith bei Medium. Die Autorenwerkzeuge von Foo VR sollen ab Ende des Jahres verfügbar sein. Und das Potenzial ist groß.

| FEATURED IMAGE: Foo VR / Will Smith
| SOURCE: Will Smith bei Medium