Das ZDF zeigt in der eigenen VR-App einige Olympia-Wettkämpfe, die mit Intels neuer Virtual-Reality-Kamera aufgezeichnet wurden. Lohnt es sich, die VR-Brille aufzusetzen?

So wie das VR-Streaming-Unternehmen NextVR setzt Intel auf eine selbstentwickelte VR-Kamera, die in 180-Grad und stereoskopischem 3D filmt. Intel platziert mehrere der VR-Kameras an verschiedenen Standorten rund um einen Wettkampf. Der Zuschauer kann in der ZDF-App zwischen diesen Perspektiven wechseln. Alternativ sorgt eine Umschaltautomatik für unterschiedliche Blickwinkel.

Im Vergleich zu vielen 360-Videos sind die Aufnahmen mit Intels VR-Kamera recht scharf. Der 3D-Effekt bietet einen klaren Mehrwert: Durch den zusätzlichen Tiefeneindruck wirken die Bilder viel überzeugender. Die Bildqualität scheint auf Augenhöhe mit den Videos von NextVR.

Abschließend ist das aber nicht zu beurteilen, denn der Zuschauer sieht das Video anders als bei NextVR nicht aus der Perspektive einer Person vor Ort, sondern steht in einem virtuellen Raum, in dem das 180-Grad-Video wie ein großer Curved-Monitor schwebt. Je nach Wettkampf wartet man dann darauf, dass ein Athlet einen kurzen Moment durch die 180-Grad-Szene wedelt, beispielsweise beim Ski Alpin. In der Umgebung des Videos werden ergänzend Statistiken, Tabellen oder 2D-Videos mit Detailaufnahmen eingeblendet.

Prinzipiell ist dieser Ansatz interessant, aber das Mittendrin-Gefühl geht leider verloren. Das ist bei den Sportvideos von NextVR deutlich stärker ausgeprägt, bei denen man das Geschehen stets so verfolgt, als stehe man selbst am Spielfeldrand. Dass die Videos nur 180- statt 360-Grad bieten, stört derweil nicht: Alles, was interessant ist, findet ohnehin vor dem Zuschauer statt, nicht hinter ihm.

Zukunftstechnologie VR-Streaming?

Aufgrund der aktuell eher geringen Qualität ist Virtual-Reality-Streaming noch ein sehr experimentelles Erlebnis, das wohl nur für jene Menschen relevant ist, die sich explizit für die neue Technologie interessieren. Für mich birgt Intels Olympia-Übertragung die folgende Erkenntnis: Technisch ist schon viel möglich, aber zu einer wirklichen VR-Killer-App reicht es noch nicht.

Das Ziel muss es sein, dass die VR-Übertragungen so täuschend echt wirken, dass man tatsächlich das Gefühl hat, vor Ort zu sein. Im Moment erinnert das Erlebnis noch mehr ans Fernsehschauen mit mehr Bildfläche: Ich fühle mich nicht wirklich an die Pisten und in die Arenen von  Pyeongchang gebeamt. Sowohl den Brillen als auch den Videos fehlt es an Auflösung, man erkennt wenig Details.

Dennoch: Ich habe bei solchen Übertragungen – egal von welchem Anbieter – stets das Gefühl, die Anfänge von etwas zu erleben, das mal ein völlig neues TV-Erlebnis werden könnte.

Die ZDF Olympia-App ist kostenlos für Gear VR, Android und iOS für Cardboard sowie Windows Mixed Reality oder via WebVR verfügbar. Intels True-View-Videos sind leider nicht als solche benannt: In den Menüs der ZDF-VR-App erkennt man sie an der Markierung als 180-Grad- statt 360-Grad-Video und anhand des englischen Kommentars.

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