In London stellt die fortschrittliche Mixed-Reality-Spielhalle The Void noch bis März eine Star-Wars-Erfahrung aus. VRODO-Leser und Virtual-Reality-Enthusiast Alexander Hannemann war vor Ort und berichtet, ob sich der Trip lohnt.

Digility 2018

Aufgrund der vielen positiven Vorberichte zur neuen Star-Wars-Erfahrung in der Mixed-Reality-Spielhalle The Void in London unternahm ich mit drei Freunden einen Kurztrip, um “Secrets of the Empire” aus nächster Nähe zu erfahren.

Nach einem kurzen Briefing zum Umgang mit dem Equipment fanden wir uns zunächst in einem virtuellen Fahrstuhl wieder, der uns gleich die Besonderheit der VR-Arcade spüren ließ: Der Boden vibrierte und verstärkte so den Eindruck, dass wir tatsächlich in einem Fahrstuhl stehen. The Void nutzt solche haptischen Effekte entlang der gesamten Erfahrung, doch würde ich zu viel von der Handlung verraten, wenn ich sie alle aufzähle.

Die Eintauchausrüstung für The Void ist schneller angelegt als eine gewöhnliche Taucherausrüstung. Bild: Alexander Hannemann

Die Eintauchausrüstung für The Void ist schneller angelegt als eine gewöhnliche Taucherausrüstung. Bild: Alexander Hannemann

Überzeugende Void-VR-Brille

Toll ist die speziell für The Void entwickelte VR-Brille: Einen Fliegengittereffekt musste ich regelrecht suchen. Das unschöne Pixelraster fällt nur bei kontrastreichen Szenen auf und stört deutlich weniger als bei Oculus Rift oder HTC Vive. Überhaupt: Die Grafik ist hervorragend gelungen und gehört zum Besten, was ich bei VR-Software bislang sehen durfte.

Die Void-Brille sitzt sehr komfortabel und lässt sich mit zwei Stellrädchen bequem am Kopf fixieren, ebenso können die Linsen auf den eigenen Augenabstand eingestellt werden. Der vordere Teil der Void-Brille kann wie bei Microsofts Mixed-Reality-Brillen bequem nach oben geklappt werden.

So sieht die Verkleidung als VR-Sturmtruppler von außen aus. Bild: Alexander Hannemann

So sieht die Verkleidung als VR-Sturmtruppler von außen aus. Bild: Alexander Hannemann

Die integrierten Kopfhörer umschließen die Ohren vollständig, sodass die direkte Kommunikation mit Personen in der Umgebung kaum noch möglich ist. Während der VR-Erfahrung ist man daher über Funk mit den Mitspielern vernetzt, ein Lautstärkeregler ist an der Brille angebracht.

Die Brille selbst ist mit einem Rucksack-PC verbunden, der wiederum mit einer gut ausbalancierten haptischen Weste kombiniert ist. Im Feuergefecht bemerkt man das zusätzliche Gewicht am Rücken kaum, es stört nicht.

Die Treffereffekte auf der Weste sind allerdings sehr soft und sorgen eher für Belustigung, anstatt Sorge um das eigene Wohl auszulösen. Ängstliche Gemüter dürften daher unter Beschuss nicht in Panik verfallen. Ohnehin sind die Sturmtruppler wie in den Filmen miserable Schützen: Treffer muss man kaum einstecken und die Weste hält die meiste Zeit still.

Intuitive Interaktion wie im echten Leben

Da man die virtuellen Star-Wars-Szenen durchwandert wie eine reale Umgebung, gibt es keine Probleme mit VR-Übelkeit. Ohnehin geschieht die Interaktion mit der digitalen Umgebung völlig natürlich und mit dem eigenen Körper: Besucher müssen nicht erst den Umgang mit speziellen Eingabegeräten lernen.

Das ist ein großer Vorteil, gerade für Einsteiger: Zwei meiner Begleiter sind keine Spieler und fanden sich in der VR-Erfahrung dennoch auf Anhieb instinktiv zurecht. Mit den eigenen Händen griffen sie den physisch wie virtuell vorhandenen Blaster aus dem Waffenständer und legten direkt los. Das kann wirklich jeder. Das Handtracking via Leap-Motion-Kamera ist zwar nicht perfekt, aber viel intuitiver als ein Controller.

Immersionsfördernde Weltenvermischung

Dass The Void reale Umgebung und virtuelle Welt samt Objekten darin exakt überlagert, fördert die Immersion in Virtual Reality ungemein. Besonders gelungen fand ich Vibrationseffekte an Boden und Waffe oder die Simulation von Wind, Hitze und Geruch.

Besitzer einer Playstation-VR-Brille mit dem Spiel Farpoint kennen die Überzeugungskraft von Sonys Zielcontroller, wenn er sich in der Hand bewegt und vibriert wie das virtuelle Gegenstück. Der Effekt bei Secrets of the Empire ist ähnlich, nur noch überzeugender. Bei jedem Schuss spürt man deutliches Rüttelfeedback. Der Blaster fühlt sich beinahe echt an.

Solche zusätzlichen Effekte sind starke Argumente für aufwendige VR-Spielhallen wie The Void: Lava zu riechen, während man auf einer schwebenden Plattform steht und den Wind spürt, ist als Erlebnis im eigenen Wohnzimmer schwer nachbildbar.

Sehr authentisch: Blaster zielen so ungenau wie in den Filmen

Auffällig war, dass die virtuellen Knarren nicht so exakt zielten, wie man es sich wünschen würde. Es brauchte grundsätzlich mehrere Anläufe, um Präzisionsschüsse erfolgreich im Ziel zu platzieren.

Womöglich dient das der Dramaturgie der eher cineastisch angelegten VR-Erfahrung und damit die Gefechte eine gewisse Mindestdauer nicht unterschreiten. Außerdem bleiben schlechtere Spieler so nicht zu schnell auf der Strecke und haben auch ihren Spaß. Die VR-Erfahrung wurde eher für das interaktive Erlebnis als für Hardcore-Spieler entworfen.

Neben dem Geballer gibt es einfache Rätsel, die geschickt in die Erfahrung eingeflochten sind und die sich an den Filmen orientieren. Dem gesamten Erlebnis merkt man deutlich an, dass Star-Wars-Liebhaber am Werk waren.

Fazit: Genial für Star-Wars-Fans und VR-Enthusiasten

Für mich ist The Voids VR-Interpretation des Star-Wars-Universums die bislang stärkste am Markt und eignet sich perfekt für Virtual Reality. Der Trip nach London hat sich gelohnt, denn das Erlebnis in der Mixed-Reality-Spielhalle ist eine ganz andere Hausnummer als Wohnzimmer-VR.

Insbesondere die Eins-zu-eins-Fortbewegung durch den Void-Komplex, der sich exakt mit dem virtuellen Raum überlagert inklusive Schaltern, Wänden, Sitzbänken und Gegenständen, fühlt sich sehr überzeugend an. Da die VR-Erfahrung so intuitiv ist, eignet sie sich besonders gut für Einsteiger.

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