Auf der AWE 2018 startet die Initiative Open AR Cloud, die gemeinschaftlich von derzeit 16 Unternehmen betrieben wird. Weitere Mitglieder werden gesucht.

Die AR-Cloud ist für Augmented Reality in etwa das, was GPS für Smartphones ist: ein Orientierungssystem. Anders als GPS orientiert die AR-Cloud jedoch nicht nur flach von oben, sondern legt sich wie ein dreidimensionales Gitternetz über die Welt.

In dieses Gitternetz können AR-Anwendungen dann millimetergenau digitale Objekte einbetten, die alle Teilnehmer der AR-Cloud sehen können. Auch eine präzise Navigation durch Gebäude könnte so gelingen. Die AR-Cloud ist die Basis für eine fortschrittliche erweiterte Realität, wie man sie aus der Sci-Fi-Literatur kennt.

Das Startup 6D.ai möchte die AR-Cloud erschaffen und damit das wohl wichtigste technische Fundament der Augmented Reality legen.

So könnte die AR-Cloud des Startups 6D.ai aussehen. Das Startup ist nicht an der Open AR Cloud beteiligt. Bild: 6D.ai

Wem gehört der digitale Raum?

Interessant ist das AR-Cloud-Konzept mit Blick auf Eigentum: Wem gehört der digitale 3D-Raum eines real existierenden Gebäudes, beispielsweise eines Einzelhändlers? Dem Händler, der den realen Raum besitzt?

Oder darf beispielsweise jedes beliebige Unternehmen den Digitalraum des Ladens gestalten, zum Beispiel Werbung für Konkurrenzprodukte darin platzieren?

Anhand solcher Fragen lässt sich ableiten: Die AR-Cloud ist mächtig, ihre Gestaltung alles andere als banal und es ist nicht unbedingt wünschenswert, dass sie in die Kontrolle eines einzelnen Unternehmens gerät.

Man stelle sich vor, Facebook oder Google hätten alleinige Kontrolle über das GPS-Signal und damit verbundene Anwendungen.

Eine offene AR-Cloud für jedermann

In diesem Kontext ist die “Open AR Cloud” (OARC) Initiative begrüßenswert, die vor wenigen Tagen auf der Augmented World Expo 2018 in München vorgestellt wurde.

16 Gründungspartner wollen ein AR-Cloud-Ökosystem entwickeln, das offen und interoperabel ist sowie die Privatsphäre und Freiheit des Einzelnen respektiert. Die Struktur der AR-Cloud soll angelehnt sein an die des World Wide Web.

“Das AR-Cloud-Ökosystem soll Daten und Standards zur Verfügung stellen, die es ermöglichen, physische und digitale Welt zum Nutzen aller zu verbinden”, heißt es in der Mitteilung.

Aus der Ankündigung:

Die AR-Cloud befindet sich noch in der frühen Entwicklungsphase und hat das Potenzial, von den größten Cloud-Service-Providern standardisiert oder zentralisiert zu werden, obwohl die meisten (aktuellen) AR-Cloud-Daten lokaler Art sind. Durch die Partnerschaft mit Open AR Cloud möchte AR.org einen dezentralen AR-Cloud-Ansatz fördern, um Vertrauen in die AR-Cloud-Technologie aufzubauen. Hierbei sollen Geschäftsmodelle und Ansätze bevorzugt werden, die die Kontrolle und den Besitz von AR-Cloud-Daten verteilen zum Nutzen von Einzelpersonen und lokalen Gemeinschaften.

Eine Einladung für Magic Leap

Auf der AWE veranstalte die Arbeitsgemeinschaft ihre erste Sitzung zu Datenschutzregeln für eine AR-Cloud-Lösung und technischen Standards.

“Wenn AR das volle Potenzial als Werkzeug zur Vermischung von realer und digitaler Welt ausschöpfen soll, benötigt die Branche eine dauerhafte und offene digitale 3D-Infrastruktur (Cloud) – eine designierte Sammlung digitaler Darstellungen der realen Welt – auf die Entwickler und Content-Ersteller weltweit jederzeit zugreifen können, um XR-Erfahrungen zu erschaffen”, sagte Ori Inbar, Mitgründer und CEO von AR.org und der AWE.

Große Namen fehlen auf der Liste der Gründungspartner zwar, aber das kann sich ja noch ändern. Auf der AWE-Pressekonferenz sprach die OARC-Führung eine öffentliche Einladung an Magic-Leap-Gründer Rony Abovitz aus – er möge sich am Aufbau einer offenen AR-Cloud beteiligen.

Interessierte können sich noch bis zum 1. November 2018 als Gründungspartner auf der offiziellen Webseite anmelden. Erste Arbeitsergebnisse der Gruppe sollen Anfang 2019 präsentiert werden.

Weiterlesen über die AR-Cloud:


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