Das international tätige und auf IT-Technologie spezialisierte Marktforschungsunternehmen IDC gibt hochgerechnete VR-Verkaufszahlen für das zweite Quartal 2018 bekannt. Die Kurve zeigt wie im ersten Quartal nach unten. Das sei aber nur eine Momentaufnahme.

Laut IDC sind die Verkaufszahlen von VR-Brillen im Vergleich zum zweiten Quartal 2017 um rund 34 Prozent eingebrochen. Auch im ersten Quartal 2018 sollen die Verkäufe im Vergleich zum Vorjahr um rund 30 Prozent gesunken sein. IDCs Angaben beziehen sich auf an Händler verkaufte VR-Brillen.

In erster Linie seien die geringeren Verkaufszahlen von Smartphone-VR-Brillen für den Abschwung verantwortlich. Der Hype um die Geräte sei vorbei, Anbieter verkauften sie nicht mal mehr zusammen mit Smartphones.

Eine Million Smartphone-VR-Brillen sollen im zweiten Quartal 2017 verkauft worden sein. Im gleichen Zeitraum 2018 waren es noch gut 400.000.

Highend-Brillen fliegen laut IDC ebenfalls nicht aus den Regalen. Die Verkaufszahlen im Vergleich zum Vorjahr sanken um 37 Prozent. HTC Vive (111.000) soll die Bestseller-Brille sein, gefolgt von Oculus Rift (102.000) und Playstation VR (93.000).

Laut IDC soll der Abwärtstrend nur temporär sein. Die Marktforscher erwarten, dass VR-Brillen wie Vive Pro oder Oculus Go für neuen Auftrieb sorgen.

Beide Geräte erschienen allerdings im zweiten Quartal 2018 (Anfang April und Mai) und konnten zumindest in den ersten Wochen offenbar keine signifikanten Wachstumsimpulse setzen. IDC spricht außerdem von “weiteren Marken” als Hoffnungsträgerbrillen für die Branche.

Bis 2022 prognostiziert IDC ein VR-Wachstum von derzeit knapp neun Millionen auf bis zu rund 39 Millionen verkaufte VR-Brillen.

Highend-VR-Verkaufszahlen: Es wird unübersichtlich

IDCs Schätzungen decken sich nicht ganz mit zwei anderen Datenquellen: Bei den SteamVR-Nutzungsstatistiken für August 2018 liegt Oculus Rift mittlerweile deutlich vor HTC Vive. Erstmals war das im März 2018 der Fall.

Die Rift-Brille baute den Vorsprung in den vergangenen Monaten kontinuierlich aus. Dafür müsste sie sich zwar nicht zwingend, aber sehr wahrscheinlich häufiger verkauft haben als HTC Vive.

Und Sony meldete vor kurzem, dass seit Dezember 2017 rund eine Million Playstation VRs verkauft wurden – insgesamt circa drei. Selbst wenn Sony Absatzspitzen im Weihnachtsgeschäft und im März 2018 nach einer Preissenkung hatte, also im ersten Quartal 2018, wäre es überraschend, wenn die Q2-Verkaufszahlen nicht mal die 100.000-Marke geknackt hätten.

Eine Erklärung für diese Diskrepanzen: Womöglich hatten Händler reichlich Warenbestand. Allein HTC Vive war stellenweise ausverkauft, das ist bekannt.

Markt für autarke VR-Brillen wächst

Ein deutliches Plus über rund 418 Prozent gibt es bei den Verkaufszahlen autarker VR-Brillen. Das ist nicht verwunderlich, der Markt wird im Grunde erst seit Oculus Go richtig bespielt. Rund 212.000 autarke VR-Brillen insgesamt wurden laut IDC im zweiten Quartal 2018 verkauft.

Das Marktforschungsunternehmen Superdata schätzt für denselben Zeitraum allein rund 289.000 verkaufte Go-Brillen. Auch bei Superdata ist die Rede von einem Einbruch bei den Highend-Brillen-Verkaufszahlen im Vergleich zum Vorjahr – die Zahlen sollen sich ungefähr halbiert haben.

Laut IDC deutliches VR-Wachstum im B2B-Markt

Der B2B-Markt für VR-Brillen ist laut IDC im Vorjahresvergleich gewachsen. Rund 20 Prozent der in 2018 verkauften VR-Brillen würden von Unternehmen genutzt. Das soll gegenüber dem Vorjahr einem Wachstum von 14 Prozent entsprechen. Der durchschnittliche Verkaufspreis von VR-Brillen sei von 333 US-Dollar auf 442 US-Dollar gestiegen.

IDC befragt laut eigenen Angaben Händler und Verbraucher und greift auf hunderte Datensätze zurück, die von einem globalen Marktforschernetzwerk gepflegt werden.

HTC verwendete kürzlich IDCs Daten als Beleg für die eigene Vormachtstellung im VR-Markt. Das könnte man als Hinweis sehen, dass die Zahlen valide sind.


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