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Berühmter Sprachforscher: Gehirn-Computer-Interfaces sind Hirngespinste

von Matthias Bastian3. Juni 2017

Der Sprachwissenschaftler Noam Chomsky gehört zu den bedeutendsten Forschern der USA. Er glaubt nicht daran, dass uns Unternehmer wie Mark Zuckerberg oder Elon Musk zeitnah einen Computer ins Gehirn bauen können.

Bei Facebook forschen 60 Wissenschaftler an neuen Gehirn-Computer-Interfaces und PayPal-Milliardär Elon Musk gründete kürzlich das Unternehmen “Neuralink”, das menschliche Gedanken in die Cloud hoch- und herunterladen soll. Musk will die Technologie in acht bis zehn Jahren zur Marktreife führen.

Geht es nach dem Sprachwissenschaftler Noam Chomsky, dann sind die Fantasien über Hirninterfaces nur Hirngespinste. Der 88-jährige emeritierte Professor vom bekannten Massachusetts Institute of Technology (MIT) gehört zu den am häufigsten zitierten Forschern der Welt, verband früh in seiner Karriere die Sprach- mit den Computer- und Kognitionswissenschaften. Er sieht drei grundlegende Probleme bei der Entwicklung eines Gehirn-Computer-Interface, für die noch keine Lösungen in Sicht sind.

Erstens: Derzeit hätten Forscher kaum eine Vorstellung davon, wie das Gehirn einen Gedanken formt, so Chomsky. Um besser zu erforschen, wie Gedanken entstehen, müssten mehr Experimente am menschlichen Hirn stattfinden. Das wiederum sei ethisch nicht vertretbar.

Zweitens: Selbst wenn Wissenschaftler Untersuchungen direkt am Menschen vornehmen dürften, sei nicht klar, mit welcher Technologie diese Untersuchungen stattfinden könnten.

“Wir haben keine Idee, mit welcher Technologie das funktionieren könnte, nicht einmal für viel einfachere Dinge, beispielsweise wie das Gehirn etwas erinnert, das es fünf Minuten zuvor gesehen hat”, sagt Chomsky.

Das Gehirn-Computer-Interface als Atombombe der VR-Generation

Drittens stellt sich die Frage nach den möglichen Konsequenzen, wenn es Unternehmen wie Facebook tatsächlich gelänge, menschliche Gedanken zu lesen. Chomsky wünscht sich, dass die Forschung am Hirn-Interface von staatlichen Institutionen durchgeführt wird, nicht von privaten Unternehmen.

In einer Demokratie hätte die Bevölkerung bei staatlicher Forschung zumindest die Chance zur Partizipation. Private Unternehmen seien nicht der Öffentlichkeit verpflichtet, sondern könnten nur durch den Staat reguliert werden.

Chomsky glaubt, dass eine so mächtige Technologie in den Händen eines Unternehmens wie Facebook ähnlich gefährlich sein könnte wie eine Nuklearwaffe. Trotz des Fortschritts, der mit der neuen Schnittstelle womöglich verbunden sei, könnte es für die Menschheit besser sein, dass die Technologie nicht existiert.

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