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BMW entwirft Autos in Virtual Reality mit HTC Vive

von Matthias Bastian8. April 2016

Virtual Reality ist für BMW kein neues Thema. Schon seit den 90er Jahren setzen die Münchner Autobauer VR-Technologien ein, um erste Entwürfe für Autos besser zu visualisieren: Bilder aus dem Computer statt aufwendig gebauter Entwürfe.

Allerdings verändert sich nun der Zugang für die Entwicklerteams drastisch. Denn statt teuren Workstations und aufwendigen VR-Systemen stellt BMW seinen Ingenieuren zukünftig einen übertakteten und wassergekühlten “Gaming-Rechner” (u.a. Intel Core i7 und zwei Nvidia Titan X Grafikkarten) und die VR-Brille HTC Vive zur Verfügung. Das sind Komponenten, die nicht nur in die Werkshalle passen, sondern auch in jedes Home-Office. Entsprechend geht BMW davon aus, dass dank dem neuen Virtual-Reality-System Arbeitsprozesse zukünftig deutlich effizienter gestaltet werden können. Besonders in den frühen Arbeitsphasen der Produktentwicklung will BMW damit Zeit und Aufwand sparen.

Bislang konnten VR Untersuchungen nur an teuren Spezialanlagen durchgeführt werden. Durch den Einsatz von Consumer Electronic gewinnen die Entwickler ein ungeahntes Maß an Flexibilität, weil Änderungen sehr schnell umgesetzt und getestet werden können. Zusätzlich werden sich Entwickler aus aller Welt von ihrem Standort aus an der Entscheidungsfindung beteiligen, ohne dafür weit reisen zu müssen. Erst wenn Entwürfe dank der 3D-Brille überprüft sind, werden sie zur weiteren Erprobung tatsächlich gebaut. BMW (Auszug aus Pressemitteilung)

Entwickler simulieren in Virtual Reality Fahrzeugfunktionen und Innenraumkonzepte oder testen bei Fahrten durch eine virtuelle Großstadt die Rundumsicht auf die Umgebung aus verschiedenen Sitzpositionen. Der Ingenieur soll sich dabei fühlen, als würde er in einem realen Auto in einer realen Verkehrssituation sitzen. Um die Illusion zu maximieren, kombiniert BMW, ähnlich wie die VR-Spielhalle “The Void”, echte Materialien mit der virtuellen Umgebung. Ein wiederverwendbarer Interieuraufbau samt fühlbaren Oberflächen und Bedienelementen soll die Immersion perfekt machen. Dazu gehört auch die räumliche Wiedergabe des Motorensounds. Den maximalen Trackingbereich, in dem sich der VR-Brillenträger bewegen kann, gibt BMW mit 5 x 5 Metern an. Das Projekt läuft bereits seit Herbst 2015, als Entwicklungsumgebung wird die Unreal Engine 4 eingesetzt.

So ähnlich sieht es aus, wenn BMW ein Cockpit in VR simuliert. BILD: BMW

So ähnlich sieht es aus, wenn BMW ein Cockpit in VR simuliert. BILD: BMW

Es dürfte wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis BMW solche VR-Simulationen auch im Vertrieb einsetzt. Wettbewerber Audi zeigt, wie das aussehen könnte: Bevor sich Kunden für einen Neuwagen entscheiden, können sie diesen in verschiedenen Ausführungen in Virtual Reality betrachten und Probesitzen. Sogar der Blick unter die Verkleidung ist dank VR-Technologie möglich. Auch IKEA möchte zukünftig die Traumküche vorab in Virtual Reality visualisieren. Ein entsprechendes Pilotprojekt ist bereits auf Steam verfügbar.

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| Quelle: BMW