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CastAR: Augmented-Reality-Brille für Gamer

von Matthias Bastian12. April 2016

CastAR könnte eine der ersten Augmented-Reality-Brillen einer neuen Generation sein, die flächendeckend verfügbar ist. Ein Release steht für 2017 in Aussicht.

Die AR-Brille speziell für Spieler ist schon eine ganze Weile in Entwicklung. Das gleichnamige Techunternehmen wurde bereits 2013 von Rick Johnson und Jerri Ellsworth gegründet (damals noch unter dem Namen “Technical Illusions”), zwei ehemaligen Mitarbeitern von Valve. Als eines der ersten Unternehmen konnte CastAR über eine Million US-Dollar bei Kickstarter einsammeln, um die Entwicklung der Brille zu starten – dabei waren eigentlich nur 400.000 US-Dollar anvisiert.

Im August 2015 durchkreuzte dann Android-Erfinder Andy Rubin mit seinem Unternehmen “Playground Global” die Pläne von CastAR – auf positive Art, versteht sich. Eine Demonstration der Brille überzeugte ihn so sehr, dass er gemeinsam mit einigen anderen Investoren weitere 15 Millionen US-Dollar in das Unternehmen steckte. Zuckerberg light, sozusagen.

CastAR, nun dazu in der Lage ein deutlich besseres Produkt zu entwickeln, wollte daraufhin dem ursprünglichen Kickstarter-Zeitplan nicht weiter verpflichtet sein und löste das Problem im letzten Dezember großzügig: Alle ursprünglichen Unterstützer der Kickstarter-Kampagne bekamen nicht nur ihr Geld zurück, sondern auch das Versprechen, dass sie die ersten Einheiten der finalen CastAR-Brille erhalten werden. Geschenkt, versteht sich.

“Bei Playground gibt es Hardware-Experten und wir haben Zugang zu ihrem Studio. Es gibt Experten für optische Systeme und die Produktion, Industriedesign und User Experience. Das zahlt auch auf unser Unternehmen ein. Wir sind dort integriert, sehen die Kollegen jeden Tag”, erklärt Rick Johnson die Vorteile der Akquisition durch Playground Global. Ein wenig klingt das nach der Geschichte von Oculus Rift, nur in einem deutlich kleineren Maßstab.

3D-Spielewelten, die auf den Wohnzimmertisch passen

So wie Microsofts Hololens wirft CastAR Hologramm-ähnliche Abbildungen in das Sichtfeld des Brillenträgers. Die Erfinder nennen das “Projected Reality”. Am oberen Rand der Brille sind zwei Mini-Projektoren angebracht, die die 3D-Abbildungen auf ein spezielles, reflektierendes Material (“retro-reflective”) projizieren. Dieses kann beispielsweise auf einem Tisch ausgebreitet werden, der so zur Spielfläche wird.

Mehrere solcher Spielumgebungen können kombiniert und aneinandergereiht werden, so dass die Spielfläche prinzipiell skalierbar ist. Das bietet sich für digitale Brettspiele aller Art an, die auch gemeinsam mit Freunden und Familien genutzt werden können. Auch Strategie- und Rennspiele oder RPGs sollen sich für die neue Darstellungsform eignen. Gesteuert werden die Spiele mit einem 3D-Controller und mit den in der Brille verbauten Sensoren. Natürlich beherrscht CastAR auch das Headtracking.

Die Vorteile der Technologie liegen auf der Hand. Die CastAR-Brille ist deutlich leichter und mobiler als Oculus Rift oder HTC Vive, außerdem ist der Spieler nicht von der Außenwelt abgeschnitten. Der Nachteil: Die Einsatzszenarien scheinen noch etwas eingeschränkt. Während VR-Brillen den Nutzer potenziell in jedes erdenkliche Szenario transportieren können, ist die Augmented-Reality-Brille auf Spiele beschränkt, die mehr oder weniger genau auf einen Wohnzimmertisch passen.

GIF CastAR kann Augmented-Reality-Spiele auf den Wohnzimmertisch projizieren.

Neue Spielkonzepte für Augmented Reality

Aktuell ist man bei CastAR damit beschäftigt, Entwickler für die eigene Idee zu begeistern. “Wir versuchen Entwickler auf unser Unternehmen aufmerksam zu machen, damit sie über neue Arten von Spielen und Gameplay nachdenken”, sagt Johnson. Laut dem Gründer ist es ein kritischer Erfolgsfaktor, dass es komplett neue Spielerlebnisse gibt und nicht nur Neuauflagen von bereits bekannten Konzepten.

“Wir wollen Mixed-Reality-Videospiele etablieren.” Bisher ist nicht bekannt, ob CastAR die Features der Brille bis zum Launch signifikant erweitern kann und ob es auch Apps außerhalb von Spielen geben wird. In einem Trailer vor rund einem Jahr deutete CastAR auch Anwendungsszenarien beispielsweise in der Architektur an, nun konzentriert sich das Unternehmen vorerst auf den Gaming-Sektor.

Das Sichtfeld von CastAR soll bei rund 70 Grad liegen, das ist schon jetzt deutlich weiter als bei Microsofts Hololens (rund 20 bis 30 Grad). Die finale Version soll außerdem ohne externe Geräte wie PC oder Smartphone auskommen; möglicherweise liegt eine Art Mini-Konsole bei, die mit Android läuft. Kosten soll die AR-Brille bei Release in etwa so viel wie eine Spielekonsole. Die Veröffentlichung ist für Ende 2017 angedacht.

| Featured Image: CastAR | GIF: Gamers Nexus | Via: VentureBeat