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CEO von BadoinkVR: “Pornos sind die Killer-App für Virtual Reality”

von Tomislav Bezmalinovic14. Oktober 2016

Laut Travis Jakel, einem Marktforscher der US-amerikanischen Bank Piper Jaffray, soll Virtual Reality bis 2020 ein Milliardengeschäft sein. Dem Analysten zufolge gibt es drei große Treiber der neuen Industrie: Videospiele, Filme – und Pornografie. Ganz vorne mit dabei in Sachen VR-Pornografie ist Todd Glider, Geschäftsführer von BadoinkVR. Sein Unternehmen unterhält eine der führenden Internetseiten, die einschlägige Inhalte anbietet. In einem aktuellen Interview spricht er über die Besonderheiten von Porno-Drehs in 180 Grad, die Zukunft der Branche und weshalb solche Filme in VR besser funktionieren als Videospiele.

Auf seine erste Erfahrung mit VR-Pornografie angesprochen, antwortet Glider: “Es hat mich umgehauen und das sage ich als jemand, der seit den 90er-Jahren in der Pornobranche arbeitet.” Und fügt hinzu: “Pornos sind die Killer-App.”

Wer VR-Pornos produziert, verwendet nicht einfach nur eine neue Kameratechnologie. Die neue Aufnahmeprozedur in 180- bis 360-Grad und 3D verlangt auch nach einer anderen Ästhetik, die die Art und Weise beeinflusst, wie VR-Pornos gedreht werden.

Die Filme würden meist aus der Subjektive des Mannes gefilmt, sagt Todd Glider. Dadurch soll beim Betrachter der Eindruck entstehen, dass er selbst Sex hat. Um diese Illusion nicht zu stören, muss der Pornodarsteller während des Drehs vollkommen still halten. “Die Konsumenten wollen nicht die Hände des Darstellers sehen, sie wollen ihn nicht sprechen oder atmen hören. Er muss dem Verlangen widerstehen, seine Partnerin zu berühren”, erläutert Glider.

VR-Porno: Erst proben, dann drehen

Auch für die Darstellerinnen gibt es neue Regeln. Sie müssten sich darauf konzentrieren, in die Kameralinsen anstatt in die Augen ihres Partners zu starren, erklärt Glider, und sie dürften der Kamera nicht zu nahe kommen. Schnitte sollten ebenfalls vermieden werden, da diese das Gefühl der Präsenz zerstören würden.

“In einer idealen Welt wird ein VR-Porno in einem Rutsch ohne Schnitte gedreht. Das ist anders als bei einem 2D-Dreh, der sehr viele Schnitte beinhaltet. Deshalb ist es notwendig, die Szene mit den Darstellern einzustudieren, bevor man den Dreh startet.”

Filme auch für Frauen

BadoinkVR beschränkt sich nicht auf ein rein männliches Publikum. Auch Filme aus der Sicht der Frau werden angeboten. “Die meisten unserer Kunden sind Männer und eine Szene aus der Perspektive der Frau zu sehen, ist für sie merkwürdig”, sagt Glider. “Wir erhalten aber viel Zuspruch von männlichen Kunden, die Pornos mit ihren Frauen und Freundinnen konsumieren.”

Auch ansonsten ist BadoinkVR durchaus experimentierfreudig. So lancierte das Unternehmen im August ein Programm namens Virtual Sexology, das virtuellen Aufklärungsunterricht bietet.

Google Daydream als Hoffnungsträger der VR-Branche

Auf die Frage, wie er die Zukunft der VR-Pornobranche beurteilt, antwortet Glider: “VR wird für einige Jahre eine Nische bleiben. Die Technologie ist noch nicht ausgereift.” VR werde erst in den nächsten zehn bis zwölf Jahren zum Standard für den Konsum visueller Unterhaltungsangebote, so Glider. “Es muss noch viel passieren.”

In Googles Daydream-Initiative sieht Glider den größten Hoffnungsträger für die VR-Industrie. Daydream würde den für den Mainstream wichtigen mittleren Bereich zwischen Billigbrillen wie Google Cardboard und teuren Modellen wie Oculus Rift und HTC Vive bedienen.

Außerdem würde Daydream VR einem breiteren Publikum zugänglich machen können als Samsung mit seiner Gear VR, da Googles Plattform voraussichtlich mit sehr viel mehr Smartphones kompatibel sein werde. “Ich glaube, dass Daydream in den kommenden Jahren die populärste Plattform für VR werden wird,” meint Glider.

Pornos in VR funktionieren besser als Videospiele

Glider stellt einen interessanten Vergleich mit der Spieleindustrie an: “Gaming wird uns irgendwann überholen, aber im Moment ist es ein Fakt, dass selbst das beste VR-Game der Welt einem herkömmlichen Spiel wie ‘Call of Duty’ nicht das Wasser reichen kann. Nicht so mit Pornos. Wenn du einen VR-Porno mit einem gewöhnlichen Porno vergleichst, dann ist der Unterschied so krass, dass es keine Diskussion darüber gibt, was besser ist. VR-Pornografie schöpft die Möglichkeiten der Technologie so aus, wie es derzeit keine andere Industrie kann.”

BadoinkVR ist Teil eines größeren Techunternehmens, das ebenfalls von Todd Glider geführt wird und nebst Pornografie auch andere Unterhaltungssparten bedient. Glider zufolge umfasst die Belegschaft beinahe 100 Mitarbeiter, von denen nur zehn Prozent im Pornobusiness arbeiten.

“Das spiegelt wider, wie sich die Industrie in den letzten zwanzig Jahren entwickelt hat. Die Tage, an denen Pornostudios davon leben konnten, die meisten ihrer Ressourcen auf die Produktion und Veröffentlichung wöchentlich oder monatlich erscheinender Filme zu konzentrieren, sind längst vorbei.” Jene Studios, die geglaubt hätten, auf diese Weise überleben zu können, mussten sich anpassen oder gingen unter, so Glider.

BadoinkVR unterstützt alle gängigen VR-Systeme, von Google Cardboard über Samsung Gear VR bis hin zu Oculus Rift und HTC Vive. Auch Unterstützung für Playstation VR und Google Daydream soll demnächst folgen, sofern Sony und Google Interesse zeigen. Bislang sprach sich Sony gegen Erwachsenenfilme im eigenen Store aus.

Das komplette Interview von Todd Glider mit Daydream District ist hier zu finden.

| Featured Image: BadoinkVR