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Chemieunterricht mit Hololens – Atome in Echtzeit verschmelzen

von Matthias Bastian25. März 2017

Mit Microsofts Augmented-Reality-Brille Hololens wird das klassische Periodensystem zu einer interaktiven Anwendung, die gleichsam Schulbuch und Chemiebaukasten ist.

Ich räume es gleich vorweg ein: In Chemie war ich richtig schlecht. Die krasse Abstraktion im Schulbuch hat mich nicht neugierig auf das gemacht, was die Naturwissenschaft an interessanten Erkenntnissen zu bieten hat.

Ich bin mir ziemlich sicher: Mit einer Hololens-App wie jener vom Indie-Entwickler Lucas Rizzotto hätte ich mich leichter damit getan, tiefer in die Geheimnisse der Chemie einzusteigen.

Lernen in Echtzeit

Der größte Vorteil gegenüber klassischen Lernmedien: Die Anwendung lehrt Konsequenzen und Veränderung in Echtzeit. Beispielsweise kann der Schüler zwei Atome aus dem Periodensystem greifen, zusammenführen und sieht sofort, wie sich deren Struktur verändert und welches neue Molekül dabei entsteht.

“Die heutige Bildung ist häufig passiv. Mit ‘MyLab’ kann man die Effekte von Chemie in Echtzeit sehen”, sagt Rizzotto. Er ist davon überzeugt, dass immersive Medien das menschliche Lernvermögen extrem beschleunigen können. Das Lernen mit räumlichen Inhalten bietet eine Erfahrungskomponente, die unser Gehirn besonders wissbegierig abspeichert.

Die nächste Ausbaustufe des Augmented-Reality-Labors: Mehrere Schüler sollen gemeinsam mit dem gleichen Periodensystem arbeiten können. Außerdem sollen die digitalen Experimente mit realen Versuchen im Klassenraum kombiniert werden. My Lab ist ab sofort kostenlos im App-Store für Hololens verfügbar.

Rizzottos App ist ein Beispiel von vielen, wie Entwickler versuchen, das Potenzial von immersiven Medien fürs Lernen und die Bildung zu ergründen. Beispielsweise schwimmt man in “The Body VR” für Oculus Rift in einer Zelle durch den Blutkreislauf und lernt wichtige Körperfunktionen kennen.

Wissenschaftler der New South Wales Universität in Sydney machten eine Brustkrebszelle mit HTC Vive begehbar. Chemiker und Zellbiologen sollen chemische Vorgänge zukünftig durch Virtual-Reality-Brillen begutachten, um ein besseres Gefühl für Prozesse zu entwickeln, die sie sonst nur durch ein Mikroskop beobachten können.

Auch Oculus VR arbeitet gemeinsam mit der Stanford Universität an einer Virtual-Reality-Anwendung, die Herzfehler visualisiert. “Stanford Virtual Heart” soll Medizinern bei der Ausbildung oder bei der Aufklärung von Patienten helfen.

| Featured Image: Lucas Rizzotto

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