In China fährt ein Bestattungsinstitut eine ungewöhnliche Promoaktion: Es lässt die Menschen virtuell sterben.

Digility 2018

Jeder Mensch sieht sich im Verlaufe seines Lebens mit dem Tod konfrontiert, er verängstigt und fasziniert zugleich. Doch wer spricht schon über das eigene Lebensende – oder denkt gerne darüber nach?

Eine Virtual-Reality-Erfahrung des Badoshan Bestattungsinstituts in Beijing soll den Tod enttabuisieren, indem sie ihn erfahrbar macht. Besucher am Tag der offenen Tür konnten mit der VR-Brille eine detaillierte Sterbereise antreten, berichtet China Daily: Vom Anfall am Arbeitsplatz über den Abtransport im Krankenwagen samt fehlgeschlagener Rettungstat bis zum Eintritt ins Jenseits.

Die VR-Erfahrung soll den Menschen nicht das frühzeitige Abtreten schmackhaft machen – was ja durchaus auf das Geschäftsmodell eines Bestattungsinstitutes einzahlen würde. Im Gegenteil, sie soll laut eines Angestellten die Liebe zum Leben fördern. Einige Ausschnitte der VR-Erfahrung gibt es hier zu sehen.

Faszination virtuelles Sterben

Es ist nicht das erste Mal, dass mit der VR-Brille das Sterben simuliert wird: Gegner von lebensverlängernden Maßnahmen in Krankenhäusern veranschaulichen mit der VR-App “When we die”, wie ein friedvolles Ableben umgeben von vertrauten Personen aussehen könnte.

Nicht ganz gestorben wird bei einer VR-Konstruktion, die mit Brille und externen Kameras eine Nahtoderfahrung simuliert. Das soll ein außerkörperliches Erlebnis veranschaulichen und jederzeit abrufbar machen, wie es sonst nur von Menschen beschrieben wird, die im Sterben lagen und überlebten. Auch die VR-Serie “Flatline” zeigt 360-Grad-Nahtoderfahrungen.

Wissenschaftler der Universität Barcelona zeigten Anfang 2017 in einem Experiment, dass solche virtuellen Nahtoderfahrungen – sofern sie ein gutes Gefühl vermitteln – zumindest kurzfristig die Angst vor dem Tod mindern können.


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