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Chinesischer Facebook-Konkurrent Tencent plant Virtual-Reality-Brille

von Matthias Bastian30. April 2017

Die VR-Brille des chinesischen Internetriesen Tencent soll noch in diesem Jahr auf den Markt kommen und hätte dank der massiven WeChat-Reichweite womöglich einen Vorteil gegenüber HTC Vive und anderen Wettbewerbern.

Laut einem Bericht der Financial Times will der chinesische Internetriese Tencent noch in diesem Jahr eine eigene VR-Brille auf den Markt bringen. Für HTC würde damit der erste schwergewichtige Konkurrent im Heimatgebiet den Markt betreten.

Bekannt ist Tencent in erster Linie für das Online-Portal “QQ” und den Messenger “WeChat”, der täglich rund 750 Millionen aktive Nutzer verzeichnet. Die Plattform wird fast ausschließlich in China genutzt.

Laut dem Bericht befasst sich ein internes Forschungsteam seit geraumer Zeit mit stationären und mobilen VR-Lösungen, vergleichbar mit Oculus Rift und Samsung Gear VR.

Welches Gerät zuerst auf den Markt kommt, sei laut unternehmensnahen Quellen noch nicht sicher, jedoch solle der Marktstart im zweiten Halbjahr 2017 stattfinden. Tencent hat seit 2015 eine Webseite im Netz, auf der es nach VR-Entwicklern sucht.

Tencent könnte mit Qualcomm kooperieren

Seitdem hat das Unternehmen laut der Financial Times den Gaming-Fokus ausgebaut. Unter anderem kooperiert Tencent mit dem Chiphersteller Qualcomm in einem Innovationszentrum für VR- und AR-Spiele für den asiatischen Markt.

Qualcomm arbeitet selbst an einer VR-Brille mit Inside-Out-Tracking, die sämtliche benötigte Hardware an Bord hat und startete zuletzt eine VR-Initative für Entwickler. Laut dem Bericht könnte Qualcomms Inside-Out-Tracking in der Tencent-Brille integriert sein. Das passt zu Qualcomms Plänen, die eigene Technologie als Blaupause interessierten Herstellern zur Verfügung zu stellen.

Tencent investierte bereits ins VR-Metaverse Altspace VR und Epic Games, dem Unternehmen hinter der Unreal Engine. Außerdem hält das chinesische Unternehmen Anteile am Augmented-Reality-Startup Meta.

Vor wenigen Tagen kündigte HTC eine Social-VR-App an, die nach dem Vorbild von Facebook Spaces und dem Facebook Messenger auf der Nutzerbasis von WeChat aufsetzt und den Messenger-Dienst in die Social-Erfahrung integriert. Die App soll Ende des Jahres erscheinen.

Welcher Hersteller bleibt übrig?

Der Analyst Tim Merel von Digi-Capital beschreibt gegenüber der Financial Times eine hohe Fragmentierung des chinesischen Marktes. Er geht davon aus, dass in den nächsten zwölf bis 18 Monaten einige Anbieter wieder vom Markt verschwinden.

Zuletzt gab es Berichte, dass die Virtual-Reality-Branche in China nach dem ersten Hype ins Straucheln gerät. Die Webseite Chinadaily zitierte den Gründer eines VR-Unternehmens, laut dem von ursprünglich 200 bis 300 Unternehmen, die VR-Brillen herstellen wollten, nur mehr zehn noch am Markt aktiv sind.

Auch die VR-Spielhallen durchlaufen laut einem Bericht der Webseite Techinasia eine Krise. Von 35.000 eröffneten VR-Arcades sollen nur mehr 12.000 aktiv sein. Von diesen wiederum würden gerade einmal 20 Prozent Geld verdienen.

Laut den Marktforschern von Canalys wurden in China im vergangenen Jahr 300.000 Highend-VR-Brillen verkauft. 50.000 Mal ging HTC Vive über die Ladentheke, das macht HTC zum chinesischen Marktführer mit einem Anteil von circa 18 Prozent.

Der Hersteller Deepoon ist HTC mit einem Marktanteil von 17 Prozent auf den Fersen. Playstation VR wurde seit dem Marktstart rund 30.000 Mal verkauft. Oculus Rift ist in China nicht erhältlich.

| Featured Image: Tencent (Screenshot bei YouTube)

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