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Chirurgen sollen in Virtual Reality präziser diagnostizieren

von Matthias Bastian8. Februar 2017

Im Saint Francis Medical Center in den USA tauchen Chirurgen mit der VR-Brille in das virtuelle Modell eines Patientenherzen ein, um sich auf eine Operation vorzubereiten. Das soll die Genauigkeit der Diagnosen verbessern.

In der Virtual-Reality-Simulation wird die Herzkammer zu einem begehbaren Raum, in dem sich der Chirurg mit HTC Vive frei bewegen und umsehen kann, um sich auf sämtliche Details einer Operation vorzubereiten. Das 3D-Modell ist interaktiv, kann beliebig skaliert werden.

Der am Medical Center praktizierende Herzchirurg Dr. Mark Plunkett schreibt dem neuen Diagnoseformat eine besondere Präzision zu. “Wir müssen nicht mehr raten. Es gibt keine Überraschungen mehr, weil wir genau wissen, was wir vorfinden, wenn wir ins Herz vordringen, da die Bilder der Anatomie des Patienten entsprechen”, sagt Plunkett. “Bei einem Patienten konnte ich das Herz vergrößern, es betreten und mir das Loch anschauen, das ich in der OP flicken musste.”

Anatomisch korrekte 3D-Modelle

Die eigentliche Revolution sind neue bildgebende Verfahren, die es ermöglichen, solche exakten und anatomisch korrekten 3D-Abbildungen eines echten Organs zu erschaffen. Die VR-Brille ist nur ein weiterer Schritt in der Verwertungskette dieser 3D-Modelle.

Bislang nutzte das Krankenhaus die Bilddaten für 3D-Ausdrucke der Patientenherzen, die die Chirurgen bei der OP-Vorbereitung unterstützten. In 55 Fällen wurde diese Methode angewandt. In neun Fällen habe das die Herangehensweise an die Operation zum Teil dramatisch verändert, so der leitende Arzt für bildgebende Verfahren Dr. Matthew Bramlet.

Das VR-System wurde bislang erst bei drei Operationen zur Vorbereitung genutzt, könnte aber den 3D-Drucker – der ebenfalls erst vor wenigen Monaten als Diagnoseinstrument eingeführt wurde – schon wieder vergessen machen.

Denn mit der VR-Brille sind die 3D-Modelle ebenso plastisch und anschaulich visualisiert wie beim Ausdruck. Zusätzlich sind sie interaktiv, können beliebig vergrößert und aus nächster Nähe inspiziert werden, von innen und von außen.

Laut Bramlet ist die VR-Diagnose günstiger als die 3D-Herzen aus dem Drucker. Außerdem ist die Methode schneller einsatzbereit. Der Arzt bezeichnet das neue Werkzeug als “außerordentlich wertvoll”, um das Verständnis von Ärzten für die spezifische Situation eines Patienten zu fördern.

Das Verfahren soll zukünftig ausgeweitet werden, sodass auch andere Organe dargestellt und Radiologen sowie Neurologen einbezogen werden können. Ein Video des Systems im Einsatz gibt es hier.

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