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Cyberpunk in den 90er-Jahren: Die Wurzeln der Virtual Reality

von Matthias Bastian26. Mai 2016

Blast from the Past: Eine ausführliche Doku aus den frühen 90er-Jahren widmet sich dem Thema Cyberpunk. Da darf die damalige Virtual-Reality-Bewegung (ab circa 4:00 Minuten) natürlich nicht fehlen. Rückwirkend betrachtet unterscheiden sich die geäußerten Ansichten und Technologien nicht grundlegend von vielen aktuellen Entwicklungen.

Virtual Reality wird in der Doku als “kybernetisches Universum” definiert, in dem alles möglich sei. Das individuelle Sensorium würde Teil des Computers und einer computergenerierten Welt. Der “Virtual Realist” (no shit, den Beruf gab es damals offenbar wirklich) Nicholas Williams bezeichnet die virtuelle Realität als “allgegenwärtigen, embryonalen Informationsschleim”, in den man sich vollständig begibt.

Das sind sehr blumige Worte für etwas, das aus heutiger Sicht bestenfalls als rudimentäre 3D-Grafik ohne sonderlichen Tiefgang durchgeht. Aber was sagt man nicht alles, wenn man damit Geld verdient? Die ein oder andere aktuelle Aussage dürfte in einigen Jahren rückblickend wohl ähnlich befremdlich wirken.

Wo Virtual Reality ist, darf natürlich auch die Nasa nicht fehlen. Schon damals gab es eine “Virtual-Reality-Workstation”, ein natürliches Interface, “um Bilder zu betreten”. Immerhin hatte das Nasa-Headset schon damals ein Sichtfeld von rund 120 Grad und steckt damit Oculus Rift und HTC Vive locker in die Tasche. Sogar 3D-Audio war seinerzeit vorgesehen und der Nasa-Datenhandschuh übertrifft das XBOX-Gamepad der Rift-Brille mit Leichtigkeit.

Die VR-Technologie der Nasa sollte es Mechanikern via Telepräsenz erlauben, Reparaturen an einer Weltraumstation vorzunehmen. Damit experimentiert die Nasa noch immer, mittlerweile mit Microsofts Hololens. Apropos Telepräsenz: Auch damals arbeitete ein Unternehmen daran, eine Art Metaverse für Kommunikation und Arbeit zu basteln. Ein Versuch, der aus heutiger Sicht nur als absurd zu bezeichnen ist.

Ab Minute 10:30 kommt auch Jaron Lanier zu Wort, angeblich der Erfinder der Virtual Reality, mittlerweile im Dienste von Microsoft. Den heutigen Stand der virtuellen Realität prognostizierte er schon für die Jahrtausendwende.

Das Fazit der Doku: “Die Virtual-Reality-Technologie wird unsere Zukunft auf eine Art verändern, die wir uns noch nicht vorstellen können. Wenn unser Körper davon befreit ist, eine reine Arbeitsmaschine zu sein, dann wird er wieder ein Tempel für unsere Seele. Einigen macht das Angst, aber für die Cyberpunk-Generation ist es keine elektronische Entfremdung, sondern eine transzendentale, elektronische Realität.” Rund 25 Jahre später warten die Cyberpunks weiter gespannt.

Den ersten Teil der fünfteiligen Cyberpunk-Dokumentation gibt es hier.

| Featured Image: Merlin Pias (Screenshot bei YouTube)