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Mercedes-Benz: Mit Virtual Reality wird das Auto zum zweiten Zuhause

von Carolin Albrand15. November 2015

Beim Future Talk von Mercedes-Benz diskutierten Ingenieure und Wissenschaftler über Visionen für die Mobilität der Zukunft. Das Auto wandelt sich vom Fahrzeug zum Lebensraum. Das Internet und der virtuelle Raum sollen dabei eine zentrale Rolle einnehmen. 

Der Future Talk der Traditionsmarke Mercedes-Benz behandelte in den Vorjahren Zukunftsthemen wie Utopie und Robotik. Die diesjährige Diskussionsrunde startete unter dem Schwerpunkt “Virtuelle Realität – die Virtualisierung des Fahrzeuginnenraums als neuer Erfahrungshorizont der Mobilität des 21. Jahrhunderts”. Ingenieure, Wissenschaftler und Journalisten diskutierten die Rolle des Automobils bei der Virtualisierung des Alltags. Wie genau sich der Autohersteller “den virtualisierten Innenraum von Morgen” vorstellt, zeigte das Unternehmen bereits auf der CES in Las Vegas Anfang des Jahres: Das Auto wird zu einem fahrenden Teil des Internets, in dem viele Oberflächen des Innenraums als Bildgeber und Informationsquelle dienen. “Das Auto der Zukunft erschließt für seinen Fahrer auch den virtuellen Raum und wird zu einem Third Place zwischen Zuhause und Arbeitsplatz“, sagt Anke Kleinschmit, Leiterin der Daimler Konzernforschung.

Die Zukunft der Mobilität soll demnach nicht nur technologisch erforscht, sondern auch soziologisch, kulturell und sogar philosophisch hinterfragt werden. Welche Rolle spielt das Auto in der Zukunft und welche Bedürfnisse richtet die Zielgruppe an ihr Fahrzeug? Ein stabiler Internetzugang im Auto ist da wohl nur der Anfang.

Der Mensch wird den Cyberspace als eine nützliche und interessante Bereicherung mit riesigen Potenzialen schätzen. Prof. Erich Schöls

Für Kleinschmit ist klar: „Das Auto der Zukunft wird zu einem mobilen Erlebnisraum, der die Reisenden mit ihrer Umgebung verbinden kann: sozial, informativ, anekdotisch. Die Umgebung kann dem Reisenden Geschichten erzählen oder als Spielfläche dienen. Dieses Konzept funktioniert schon länger. Früher half das Spiel »Ich sehe was, was du nicht siehst« Kindern eine lange Fahrt zu verkürzen. Topographie und Bewegung waren zu einem spannenden Spiel verbunden. Mit der Virtualisierung kann ich mir viele neue Angebote vorstellen. Virtuelle und physische Realität verschmelzen spielerisch.“

Das Auto als mobiler Erlebnisraum

Während des Future Talks entwarf Daimler eine Simulation der Mobilität von Übermorgen. Der Innenraum des zukünftigen Autos zeigt was immer seine Passagiere sehen möchten: Ich komme erst in der Dunkelheit an meinem Urlaubsort an? Kein Problem: Im Auto der Zukunft sehe ich auf Wunsch durch die Fensterscheiben die Umgebung schon im Tageslicht, obwohl es in Wirklichkeit tiefste Nacht ist. Werbung am Straßenrand? Nützliche, aber hässliche Lärmschutzwände? Muss sich der Mercedes-Fahrer nicht mehr antun: Aus dem Auto bekommt man einen augmentierten Blick auf die Stadt oder die umliegende Natur – Dinge, die stören, werden einfach ausgeblendet. Und wenn wir davon ausgehen, dass das Auto der Zukunft sowieso von selbst fährt, könnte es für den jetzt arbeitslosen Fahrer die Möglichkeit geben, sich in eine komplett virtuelle Umgebung zurückzuziehen, um sich auszuruhen oder zu arbeiten. Das Auto verliert in diesem Szenario seine Bedeutung als physisches Objekt und verwandelt sich dank Virtual Reality in ein Portal, den Zugang zu einem zweiten, mobilen Zuhause.

Die Windschutzscheibe zur Welt

Der Zukunftsforscher Alexander Mankowsky verspricht sich von den neuen Technologien vor allem ein neues Freiheitsgefühl. Ist die Windschutzscheibe heute noch eine klarer Abgrenzung zur Welt um mich herum, öffnet sich diese in der Virtualisierung und verspricht fast grenzenlose Möglichkeiten: „Die Außenwelt wird zeitlich und räumlich transparent. Ich kann Informationen einholen, die Realität beliebig erweitern, die Perspektive wechseln oder in Traumwelten versinken. Im Fokus stehen dabei die individuelle Gestaltung von Zeit und Raum und die soziale Interaktion als zentrales Bedürfnis der Menschen.“ Das Auto wird zur Schnittstelle zwischen dem eigenen Zuhause und dem digitalen Arbeitsplatz.

Ähnlich wie bei anderen Diskussionsrunden über Virtual Reality waren sich die Experten einig, dass die neuen Entwicklungen erst in der Gesellschaft akzeptiert werden müssen. Professor Erich Schöls vom Steinbeis Forschungszentrum Design und Systeme schätzt, dass sich diese erste Hürde mit zunehmend sinnvollen Anwendungsmöglichkeiten aber schnell überwinden lässt:

“Während sich »Extended-Reality-Anwendungen« zunehmend in Industrie, Kultur und Gesellschaft etablieren, stehen viele Menschen dem Eintauchen in vollständig künstliche Umgebungen im Moment noch etwas misstrauisch gegenüber. Mit zunehmend sinnvollen Anwendungen und weiter optimierten Technologien wird sich dies aber bald ändern. Der Mensch wird den Cyberspace als eine nützliche und interessante Bereicherung mit riesigen Potenzialen schätzen.“ Prof. Erich Schöls, Future Talk Mercedes Benz

Mit dem Auto von A nach B fahren war gestern. #virtualreality Klick um zu Tweeten

| QUELLE: Daimler
| FEATURED IMAGE: Daimler