Update vom 19. Juli 2018:

Bei Twitter beschreibt Bundesministerin Anja Karliczek in zwei kurzen Videos das Eckpunktepapier sowie die avisierte KI-Strategie. Neben der unten beschriebenen Freigabe öffentlicher Daten für das KI-Training sollen Experten besser bezahlt werden. Unternehmensgründungen sollen gefördert, internationale Fachkräfte angeworben und neue KI-Lehrstühle eingerichtet werden.

Bis Ende November soll aus dem Eckpunktepapier eine ausgewachsene Strategie werden, mit der “Artificial Intelligence made in Germany” zu einem weltweiten Qualitätssiegel wird.

Ursprünglicher Artikel vom 18. Juli 2018:

Bei der Entwicklung Künstlicher Intelligenz haben die USA und China einen entscheidenden Vorteil gegenüber Europa: Daten. Die Bundesregierung möchte dem etwas entgegensetzen.

Daten sind der Rohstoff Künstlicher Intelligenz. Ohne sie geht nichts. Ein KI-System ist besonders dann verlässlich und effizient, wenn es mit umfangreichen, aussagekräftigen und sauber beschriebenen Datensätzen trainiert werden kann.

Speziell China und die USA haben hier die Nase vorne: Zum einen beherbergen sie die großen Internetkonzerne wie Google oder Baidu. Sie generieren die Daten, die sie fürs KI-Training benötigen, einfach selbst. Zum Beispiel verkündete Facebook im Mai stolz die Entwicklung einer Bildanalyse-KI, die mit Millionen Instagram-Bildern trainiert wird.

Zum anderen ist die Datenverarbeitung in Europa und Deutschland im weltweiten Vergleich viel strengeren Regeln unterworfen. Auf die DSGVO im Mai 2018 folgt die noch strengere ePrivacy Verordnung voraussichtlich ab 2020.

Bundesregierung will deutschen Unternehmen und Organisationen Zugang zu Daten erleichtern

In einem neuen Eckpunktepapier formuliert die deutsche Bundesregierung laut der Tagesschau den Anspruch, ein “weltweit führender Standort für Künstliche Intelligenz” werden zu wollen. Das geht nur mit Datenverarbeitung im großen Stil.

Daher will die Bundesregierung den Datenfluss erleichtern: Daten “der öffentlichen Hand” sollen der KI-Forschung zur Verfügung gestellt werden für die “wirtschaftliche und gemeinwohldienliche Nutzung”.

Das betrifft auch Daten der Bürger: Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) äußerte in der Tagesschau, dass es um anonymisierte Nutzerdaten geht, “die durch die Digitalisierung in großer Zahl anfallen”.

Diese Daten seien “der Rohstoff der Zukunft” für neue Geschäftsmodelle, beispielsweise in der Medizin, der Verkehrsentwicklung oder der Stadtplanung.

Der Datenschutz im Sinne der DSGVO solle dabei gewahrt bleiben: “Mit Daten kann man bares Geld verdienen, allerdings in einer Form, die auch mit dem Datenschutz vereinbar ist”, sagt Altmaier.

Für Transparenz soll ein Bürgerkonto eingerichtet werden, in dem jeder Interessierte einsehen kann, welche Daten der Staat über ihn erfasst hat und potenziell weitergibt.

In dem Eckpunktepapier soll laut Tagesschau ein deutlicher KI-Vorsprung von den USA und China gegenüber Deutschland eingeräumt werden. Die Rede ist von einer “weltweiten Dominanz” von amerikanischen und asiatischen vor deutschen und europäischen Firmen, die zu Wettbewerbsvorteilen führen. Das Kabinett soll heute über den Datenplan für Künstliche Intelligenz abstimmen.


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