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Daydream View: Setzt Google die richtigen Prioritäten?

von Matthias Bastian5. Oktober 2016

Daydream View ist bequem und aus Stoff. Das ist genau das, was VR jetzt braucht. Oder doch nicht? Ein Kommentar zu Googles VR-Strategie.

Für VR-Enthusiasten war Googles Daydream-Enthüllung wohl eher ernüchternd. Auf einen technologischen Sprung – insbesondere beim Tracking – wurde sicher gehofft oder wenigstens darauf, dass Daydream mobile VR-Erlebnisse auf Anhieb einem großen Markt zugänglich macht. Beides bleibt vorerst aus.

Stattdessen ist Daydream View eine Luxusvariante von Google Cardboard geworden. Die Pappbrille mutiert zur Stoffbrille samt einfachem Handcontroller und netten Details im Design.

Das war auffällig an der Präsentation von Googles VR-Chef Clay Bavor: Sie drehte sich in erster Linie um Benutzerfreundlichkeit, Tragekomfort und die Optik der Brille. Dabei ist gerade die Virtual Reality mit dem Smartphone noch in einer frühen Phase, in der es eher mutige technische Innovationen braucht als modische Stoffbezüge.

Der Einstieg in Daydream-VR ist für den Mainstream noch zu teuer

Der Einstieg in das Daydream-Universum ist kostspielig, denn das volle Daydream-Programm gibt es derzeit nur mit einem der beiden neuen Pixel-Smartphones. Die gehen ab 760 Euro über die Ladentheke. Die bessere Variante – und die möchte man für VR wegen des größeren Displays und der höheren Auflösung nutzen – kostet mit 128 GB Speicher gar über 1.000 Euro.

Immerhin bekommen Vorbesteller des Pixel-Smartphones die neue VR-Brille kostenlos beigelegt. Dennoch: Wer ein aktuelles Smartphone der letzten oder vorletzten Generation besitzt, hat nur wenige Gründe, derart viel Geld in ein neues Gerät zu investieren. Das Daydream-Zertifikat dürfte für den durchschnittlichen Smartphone-Nutzer eher nebensächlich sein. Günstigere Daydream-Smartphones von anderen Herstellern werden in der Zukunft folgen, Details dazu sind noch nicht bekannt.

Daydream: Das Android für VR?

Nach der Enthüllung ist klar, dass Google die neue VR-Strategie sehr langfristig ausrichtet. Über die Zeit werden die Preise für Daydream-Smartphones sinken und technisch fortschrittlichere Adaptionen von Daydream View auf den Markt kommen. Dafür stellt Google die VR-Brille anderen Herstellern als Referenzdesign zur Verfügung.

Wenn die Inhalte stimmen – und hier bemüht sich Google sichtlich und kooperiert mit hochkarätigen Partnern – könnte sich Daydream nach und nach als neuer Standard für mobiles VR durchsetzen; ganz ähnlich wie es Android auf dem Smartphone-Markt gelang.

Genau auf dieses Ziel dürfte Google hinarbeiten. Sollte Virtual Reality ein Erfolg werden, dann hat das Unternehmen aus Mountain View mit Daydream die passende Plattform am Start.

Die Hoffnung, dass Daydream den neuen VR-Markt über Nacht umkrempelt und aus der Nische holt, ist vorerst dahin. Auch nach dem 4. Oktober muss Virtual Reality noch ein weites Stück zurücklegen, um im Mainstream anzukommen.

| Featured Image: Google