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Decentraland: Virtual-Reality-Welt verbindet virtuellen Landbesitz mit einer Blockchain

von Matthias Bastian29. April 2017

Wem soll die Virtual Reality gehören? Den Nutzern, die sie bauen, glauben die Macher der VR-Welt “Decentraland”. Damit alles mit rechten Dingen zugeht, soll ein eigenes Blockchain-Netzwerk Transaktionen verfolgen und den virtuellen Landbesitz dokumentieren.

Das Projekt, das das Metaverse demokratisieren will, ist komplett Open Source. Statt einem Walled Garden möchten die Initiatoren ein P2P-VR-Netzwerk erschaffen, bei dem jeder Nutzer, der sich an der Kreation der Welt beteiligt, einen Teil von ihr besitzen kann. Die Entwickler glauben, dass durch die Verbindung von Virtual Reality, Kryptowährung und dem 3D-Druck völlig neue Geschäftsmodelle entstehen können.

Um sicherzustellen, dass der digitale Landbesitz zertifiziert und gerecht verteilt wird, setzen die Entwickler auf eine sogenannte Blockchain-Datenbank. Dieses Verfahren wird bei Kryptowährungen wie bei Bitcoin eingesetzt, um die Integrität und Korrektheit von Transaktionen zu protokollieren und zu bestätigen. Die Entwickler von Decentraland stellen ein eigenes Blockchain-Netzwerk zur Verfügung, das das digitale Grundbuch für den virtuellen Landbesitz ist.

Landbesitzer wird man, indem man Land transferiert bekommt oder es selbst “mined” – also für einen gewissen Zeitraum Rechenleistung investiert. Dafür braucht es keine Höllenmaschine. Ein herkömmlicher Laptop soll ausreichen, um ein kleines virtuelles Grundstück zu erschaffen, das einem offiziell gehört.

Wem soll die Virtual Reality gehören? Den Nutzern, glauben die Macher der Virtual-Reality-Welt Decentraland.

Liebe VR-Nutzer, bitte in der richtigen Schlange anstellen. Bild: Decentraland

Dezentrales Netzwerk statt zentraler Allmacht

Die Vorteile eines offenen Systems liegen auf der Hand: es gibt keinen Torwächter, der darüber entscheidet, welche Inhalte publiziert werden und unter welchen Bedingungen. Stattdessen kann jeder Nutzer frei von Restriktionen sein eigenes Projekt verwirklichen und besitzen.

Der Ansatz ist im Kontext von Virtual Reality neu, denn von Web-VR einmal abgesehen, sind alle bisher verfügbaren Metaverse- und Social-Apps an einzelne Anbieter und Unternehmen gebunden. Denen steht es im Grunde frei, mit den vorhandenen Nutzern nach Belieben umzuspringen, Anwendungen anzubieten – oder auch nicht – Daten auszuwerten oder Nutzergruppen auszuschließen.

Als Beispiel dient Facebooks neuer VR-Messenger “Spaces”, bei dem Nutzer in das vorgegebene Avatarsystem gezwungen werden. Zum Start der Beta erlaubt Facebook keine Avatare, die dick oder alt sind. Als Grundlage für die Generierung des Avatars muss außerdem ein reales Foto verwendet werden. Facebook nimmt sich bei der Protokollierung des Nutzerverhaltens in Spaces sämtliche Freiheiten: jede Bewegung und jedes gesprochene Wort werden überwacht.

Der Cyberspace erklärt zum zweiten Mal seine Unabhängigkeit

Deutlich unkontrollierter, dafür mit mehr Wildwuchs, wäre eine VR-Welt, die ähnlich wie das World Wide Web heranreift. Eine solche Vision haben die Entwickler von Decentraland offenbar im Sinn.

Das Blockchain-gestützte Metaverse ist seit 2015 in Entwicklung und befindet sich seit März 2017 in der “Bronzezeit”. Eine erste Version der Digitalwelt läuft jetzt im Browser, das Verfahren zur Blockchain-Landvergabe wird zurzeit getestet. Im kommenden Jahr sollen sich externe Kreative und Programmierer stärker in die Entwicklung einbringen und die Welt mit Inhalten und Avataren füllen.

Die Vision ist das “Silicon-Zeitalter”: Eine ausgereifte VR-Welt, in der die physikalischen Gesetze der Realität keine Rolle mehr spielen. “Lebe in der Blockchain”, heißt es auf der offiziellen Webseite.

Eine frühe Version der VR-Welt kann man hier im Browser ausprobieren. Viel gibt es zwar noch nicht zu entdecken, aber die “Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace” aus 1996 ist bereits an die virtuelle Eingangspforte genagelt. Die warnt die etablierten Mächte: in dieser neuen Welt habt ihr nichts verloren.

“Regierungen der Industriellen Welt, ihr müden Riesen aus Fleisch und Stahl, ich komme aus dem Cyberspace, dem neuen Zuhause des Geistes. Als Vertreter der Zukunft bitte ich euch aus der Vergangenheit, uns in Ruhe zu lassen. Ihr seid nicht willkommen unter uns. Ihr habt keine Souveränität, wo wir uns versammeln.” John Perry Barlow: A Declaration of the Independence of Cyberspace, Davos 1996, Übersetzung via Wikipedia

| Featured Image: Decentraland (Screenshot bei YouTube)

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