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Der erste Kunde bestellt in Virtual Reality bei Amazon

von Matthias Bastian2. Dezember 2015

Und dieser Kunde bin ich. Samsung hat die erste Version des VR-Browsers für Gear VR in den Oculus-Store geladen, die App ist ab sofort weltweit kostenlos verfügbar. Der Browser ist noch sehr einfach gehalten, aber der Praxistest beim Amazon-Shopping zeigt: Er funktioniert.

Allerdings bietet er für normales Websurfen keine Vorteil gegenüber einem Standard-Browser für Desktop oder Smartphone. Klar, man hat mehrere Tabs auf einmal im Blick, auch das Bild ist so groß wie auf einem Monitor – dafür ist die Bedienung aber auch deutlich umständlicher. Bisher ist der Browser voll auf Sprachsteuerung ausgelegt, die sich immer dann einschaltet, wenn auf dem normalen Smartphone eine Tastatur erscheinen würde. Für Eingaben, die die Sprachsteuerung überfordert, kann man auf eine On-Screen-Tastatur umschalten. Dort muss man den Cursor per Kopfbewegung auf den gewünschten Buchstaben führen und durch Antippen des Touchpads die Eingabe bestätigen. Das hat Vorteile: Schnell tippen kann man so zwar nicht, aber es lockert die Nackenmuskulatur ungemein. Bisher ruft der Browser nur mobile Webseiten ab, hoch und runter scrollt man wie auf dem Smartphone mit einer Wischgeste über das Touchpad, möchte man eine Eingabe bestätigen, tippt man das Touchpad an. Das läuft alles einen Tick präziser und flüssiger, als man es erwarten würde, meinen Amazon-Einkauf konnte ich inklusive Produktauswahl zügig abschließen. Aber es ist dennoch kein Interface mit Zukunft, eine zweite Shopping-Tour wird es vorerst nicht geben – die Benutzerführung ist zu umständlich und langsam, normale Webseiten sind nicht für VR ausgelegt.

Virtual-Reality-Browser für Gear VR erschienen.

Die Startumgebung des Gear-VR-Browser mit den vorgeschlagenen Bookmarks. Facebook und…Yahoo. Google ganz unten. Screenshot: UploadVR

Einen großen Vorteil hat der neue Browser aber: Nun kann man auch YouTube-Videos mit Gear VR anschauen, sowohl in 2D auf einer Leinwand als auch in 3D und 360-Grad. Der Oculus-Browser hat für diesen Zweck einen selbst entwickelten Player integriert, der sich automatisch einschaltet, sobald man ein YouTube-Video vergrößert. Oculus VR umgeht damit geschickt das Problem, dass Google bisher wenig Interesse daran zeigt, eine YouTube-App für Gear VR zu entwickeln. Das Unternehmen aus Mountain View möchte natürlich lieber Cardboard und das eigene VR-Ökosystem pushen, anstatt Oculus VR und damit unmittelbar Facebook zu unterstützten. Unter anderem deutete John Carmack von Oculus VR an, dass es seit der Facebook-Akquisition leichte Spannungen zwischen den Unternehmen gibt. Wahrscheinlich launcht Oculus VR den Browser in so einem rudimentären Statuts nur deshalb, um YouTube-Videos auch auf der Gear-VR-Plattform anbieten zu können.

Virtual-Reality-Browser für Gear VR ab sofort kostenlos verfügbar.

So sieht der YouTube-Player für Gear VR aus. Screenshot: UploadVR

Die Zukunft von Web-VR ist nicht das jetzige Web

Nutzt man den Gear-VR-Browser wird schnell klar, dass normale Webseiten nicht die Zukunft des Internets für Virtual Reality sind. Dafür braucht es eigene Web-Umgebungen, neue Interfaces und Ansätze. Daher arbeitet Oculus VR auch gemeinsam mit Mozilla und Google an neuen Standards für Web-VR, also der Darstellung von 3D-Web-Umgebungen und -Interfaces speziell für Virtual Reality. Web-VR ist in den experimentellen Versionen von Google Chrome (Chromium) oder Firefox (Nightly) schon integriert, 360-Filme wie die Vulkan-Doku von Terra X oder das “Choose-your-own-Story”-Musikvideo Rust Golem laufen bereits mit VR-Brillen wie Oculus Rift direkt im Browser. Zukünftige Versionen des Gear VR-Browsers sollen daher auch den Web-VR-Standard unterstützen. Josh Carpenter, bei Mozilla verantwortlich für das Produktdesign von Web-VR, spricht von “Webwelten statt Webseiten”, die nach seiner Vorstellung die VR-Zukunft des Internets prägen sollen.

Wir glauben, dass das Web besser ist, wenn man es direkt damit in Berührung kommt, ohne Vermittler. […] Falls wir jemals ein Metaverse wie aus der Science-Fiction-Literatur haben wollen, dann glauben wir, muss es auf dem Open Web aufgebaut sein. Der schwierige Part ist schon erledigt: Das Internet ist überall. Jetzt müssen wir nur noch eintreten. Josh Carpenter, Produktentwickler bei Mozilla

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| VIA: UploadVR
| FEATURED IMAGE: UploadVR