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“Der Marsianer” in Virtual Reality “kratzt nur an der Oberfläche”

von Carolin Albrand4. Februar 2016

Eine der fortschrittlichsten VR-Erfahrungen derzeit dürfte die “The Martian VR Experience” sein. Die App soll in gleich drei Versionen für Oculus Rift samt Oculus-Touch-Controller, HTC Vive und Samsung Gear VR erscheinen. Produziert wird sie vom 20th Century Fox Innovation Lab in Zusammenarbeit mit “The Virtual Reality Company” (VRC) und Ridley Scott.

Für rund 25 Minuten schlüpft man in den Raumanzug von Marsastronaut Mark Watney und erlebt Schlüsselszenen des Films in VR nach, die in mehrere Kapitel aufgeteilt sind. Unter anderem darf man sich im Kranfahren üben, Kartoffeln sortieren oder den Rover über die Marsoberfläche steuern. Die Erfahrung ist ein Mix aus interaktiven und cineastischen Elementen, der Zuschauer ist sowohl Handelnder als auch passiver Beobachter; je nach Verhalten soll die Handlung sich unterschiedlich entfalten.

Bei den öffentlichen Demonstrationen auf der CES Anfang Januar 2016 wurde ergänzend zu VR-Brille und 3D-Controller ein spezieller Stuhl eingesetzt, der passend zum VR-Erlebnis leichte Bewegungen und Vibrationen simuliert. US-Medien, die “The Martian” auf der CES ausprobieren konnten, loben die VR-Erfahrung in den höchsten Tönen; “The Verge” bezeichnet die virtuelle, interaktive Story als “nicht von dieser Welt” und “Road to VR” spricht gar von einem “Triumph”.

Maßgeblichen Anteil daran haben Robert Stromberg und sein Unternehmen VRC. Den Entschluss, sich intensiv mit Virtual Reality zu beschäftigen, fällte er “innerhalb von zehn Sekunden”, nachdem er eine frühe Version der Oculus Rift VR-Brille direkt bei Oculus VR ausprobieren konnte. “Am gleichen Tag machte ich mich daran, die ‘Virtual Reality Company’ an den Start zu bringen, um das neue Medium weiterzuentwickeln”, schreibt Stromberg in einem Blogbeitrag für 20th Century Fox. Aus seiner Sicht ein hohes Risiko, denn “nach wie vor ist unklar, wie man mit Virtual Reality Geld verdienen kann.”

Die Leute sagen, dass Menschen sich nicht mit VR-Brille auf dem Kopf in einen Kinosaal setzen. Von daher muss es etwas sein, das man zu Hause nutzen kann, wo man in einem Raum ist und alleine durch ein Universum läuft, um es dann in der Familie weiterzugeben. Ridley Scott ggü. Yahoo, Herbst 2015

Schnell bemerkte Stromberg ein Ungleichgewicht in der neuen VR-Branche – sehr viele Unternehmen beschäftigten sich mit Technologie, aber nur wenige außerhalb der Gaming-Branche mit Inhalten. Daher entwickelte er gemeinsam mit seinen Kollegen ein vierminütiges cineastisches VR-Erlebnis, das er Steven Spielberg präsentierte, der “komplett ausflippte”. Spielberg ist jetzt Berater des VR-Unternehmens und arbeitet gemeinsam mit Stromberg an einem Virtual-Reality-Film, der die Stärken des neuen Mediums ausreizen soll.

“Die ersten paar Jahre werden aufregend.”

Drei wesentliche Dinge habe er bei der Produktion von “The Martian VR Experience” gelernt, schreibt Stromberg. Die Darstellung sei bereits realistisch genug, so dass man die Instinkte des Zuschauers ausnutzen könne, um ihn durch die Story zu leiten, beispielsweise mit visuellen oder auditiven Hinweisen. Das Gehirn würde auch in VR automatisch auf Geräusche reagieren oder sich am Horizont orientieren. Außerdem müsse man extrem sorgfältig mit Kamerabewegungen umgehen, um eine eventuell auftretende Übelkeit zu verhindern. Auch habe man auf harte Schnitte zugunsten von sanften Übergängen verzichtet, die der Zuschauer als angenehmer wahrnehmen würde.

Von den Fähigkeiten des neuen Mediums ist Stromberg nach der Produktion der “Martian VR Experience” jedenfalls restlos überzeugt. Dem neuen Medium wohne eine Kraft inne, die bisher noch nicht vollständig erschlossen wurde, schreibt Stromberg.

“Wir kratzen nur an der Oberfläche davon wie Hollywood und Virtual Reality das Entertainment revolutionieren werden, indem wir neue, innovative Wege finden immersive Erfahrungen zu entwickeln, die zu einem neuen Storytelling-Medium werden. Mit ‘The Martian VR Experience’ haben wir mit der existierenden Technologie ein neues Hoch erreicht. Aber die Technologie wird besser und wir werden eine neue Form des Dramas entwickeln, das darauf aufbaut und noch besser wird.” Robert Stromberg, VRC

“The Martian VR Experience” soll im Laufe dieses Jahres für Oculus Rift, HTC Vive und Samsung Gear VR erscheinen. Außerdem sind laut “The Verge” weitere VR Spin-Offs bekannter Filme in der Entwicklung, unter anderem stehen Alien, Life of Pi, Black Swan und Gone Girl auf dem Zettel der VR-Company.

Trailer zur “Martian VR Experience” in 360-Grad

Einen ersten Sneak Peak auf die “The Martian VR Experience” kann man sich bereits jetzt mit Gear VR anschauen, der kurze Trailer kann via Milk VR gestreamt oder heruntergeladen werden (empfohlene Variante, der Qualitätsunterschied zwischen Streaming und Download ist hoch). Die Milk-VR-App ist im deutschen Oculus Store zwar noch nicht verfügbar, kann aber über eine VPN-Verbindung aus dem US-Store heruntergeladen werden. Das anschließende Streaming funktioniert auch aus Deutschland.

Auch die NASA arbeitet an einer virtuellen Marserkundung. “Mars 2030” stellt aber die Bildung und nicht die Unterhaltung in den Vordergrund. Basierend auf Originaldaten der NASA soll eine möglichst authentische Simulation des roten Planeten umgesetzt werden. Die App soll ab Sommer 2016 kostenlos für alle gängigen VR-Brillen als Download verteilt werden.