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Deutsche Medien probieren sich in 360°-Aufnahmen

von Matthias Bastian7. Juni 2015

Fast zeitgleich experimentieren in dieser Woche zwei große deutsche Medienhäuser mit dem neuen 360°-Format. Der Hessische Rundfunk bietet einen virtuellen Rundgang durch das Städele Museum an. Direkt im Browser oder mit Smartphone kompatiblen VR-Brillen wie Google Cardboard oder Samsung Gear-VR kann sich der virtuelle Besucher die Monet-Ausstellung ansehen, die in Frankfurt derzeit alle Besucherrekorde bricht, ohne dass er dafür wirklich nach Frankfurt reisen muss. Umgesetzt wurde dieser virtuelle Rundgang mit 360°-Panoramafotos. Der Benutzer kann sich von Foto zu Foto klicken und sich in jeder neuen Perspektive frei umsehen.

Auch Die Welt experimentiert erstmals mit 360°-Video und schreibt über die neue Technologie:

Sie wird in den kommenden Jahren das Internet, das Kino und auch Computerspiele prägen. Wir bei “WeltN24” experimentieren mit der Virtual Reality auch im Journalismus. Welt.de

Die Online-Zeitung bietet einen virtuellen Gang über die historische Karlsbrücke in Prag. Der Nutzer kann sich im Video völlig frei umsehen, auch mit ausgereiften VR-Brillen wie Oculus Rift. Eingebunden wurde das Video über den 360°-Software-Anbieter Kolor, der vor wenigen Wochen vom Kamerahersteller GoPro aufgekauft wurde. In einem zweiten 360°-Video berichtet Die Welt aktuell von den Eskalationen bei der G7-Demo. Für die journalistische Berichterstattung besonders interessant: Der Nutzer kann sich frei umsehen und sich so ein eigenes Bild vom Geschehen machen, ist somit nicht mehr der Subjektivität des Kameramannes ausgeliefert, der mit seiner Kameraführung und der Auswahl der Aufnahmen maßgeblich darüber entscheidet, welcher Eindruck vermittelt wird. Leider ist bei beiden 360°-Videos die Bildqualität noch nicht optimal, aber es ist interessant zu sehen, dass die Verlage schon zu so einem frühen Zeitpunkt dazu bereit sind, in VR zu investieren.

Immer mehr Journalisten beschäftigen sich mit Virtual Reality

Erste Experimente mit Virtual Reality im Journalismus machte vor wenigen Wochen auch die New York Times. Gemeinsam mit dem renommierten Regisseur Chris Milk setzte sie eine VR-Reportage um. Und Journalisten von RYOT versuchten, das Unglück von Nepal in einem 360°-Video zu dokumentieren, um Spenden für die Opfer des Erdbebens zu sammeln.  Auch interessant: Die Agentur Giraffe360 versucht auf Get To Know World mittels 360°-Panoramaaufnahmen Zeitgeschichte zu dokumentieren. Wer sich für das Thema 360°-Videos in Virtual Reality und Dokus interessiert, besucht die VR-Konferenz in Berlin im September. Im Mai gab es außerdem ein Treffen Schweizer Journalisten, die gemeinsam das neue Medium diskutierten. Eine Zusammenfassung gibt es hier.

| SOURCE: HR-online, Die Welt
| IMAGES: Die Welt, Kolor

 

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