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Die Zukunft von Augmented Reality bis 2030

von Matthias Bastian21. Januar 2016

Dr. Michio Kaku ist in den USA ein bekannter Physiker, sein Fachgebiet ist die Stringtheorie. Außerdem beschäftigt er sich mit Fragen, die unsere Zukunft betreffen und stellt gerne Thesen auf, wie Technologien das Leben in der Zukunft verändern könnten.

Kakus Überlegungen basieren dabei nicht auf reinem Bauchgefühl, sondern auf Interviews mit rund 300 Wissenschaftlern aus verschiedenen Disziplinen. Seine Erkenntnisse präsentiert Kaku unter anderem auch in seinem Buch “Physics of the Impossible” sowie in einer wöchentlichen TV-Sendung. Wir haben uns rausgepickt, welche Zukunft er der virtuellen und augmentierten Realität vorhersagt. Seine Thesen deuten eher auf eine Mixed-Reality-Zukunft hin, die in fünf bis 15 Jahren Realität werden soll; über Virtual Reality spricht er nicht explizit, wahrscheinlich sieht er sie eher als Brückentechnologie, einige seiner Thesen sind außerdem mit einem Augenzwinkern zu verstehen. Seine gesamte, sehr unterhaltsame Rede dauert rund 45 Minuten und er spricht so ziemlich jedes mögliche Thema an – sehenswert für jeden, der sich für Zukunftsvisionen interessiert.

Kakus Thesen zu Datenbrillen und Augmented Reality:

1. Die Grundvoraussetzung für Augmented Reality ist die Zukunft des Internets: Es soll so selbstverständlich verfügbar sein wie Elektrizität. Beides umgibt uns allgegenwärtig.

2. In Zukunft kommunizieren wir mit dem Internet über Brillen, die Smartphone oder Tablet ersetzen. Sie sind permanent mit dem Internet verbunden.

3. Die Brillen können Gesichter wiedererkennen. Das soll besonders vergesslichen Menschen helfen, denn die Brillen erinnern den Nutzer automatisch: “Das ist Jim, Dummerchen, erinnerst Du dich? Willst Du seine Biographie sehen?”

4. Die Brillen sollen in allen Farben und Formen kommen und auch als modisches Accessoire dienen. Das Bild wird direkt in die Retina projiziert. Jeder Film, jede Internetseite, jede Information wird über diese Brillen wahrgenommen.

5. Wer keine Brille tragen will, auch kein Problem: Die Technologie kann einfach in Internet-Kontaktlinsen verbaut werden.

6. Das verändert das Lernen massiv: Da Wissen jederzeit und überall abrufbar ist, konzentriert sich die Lehre, speziell in Prüfungen, mehr auf Konzepte und Denkaufgaben als auf reines Faktenwissen.

7. Wenn man in ein fremdes Land geht, kann die Brille oder die Kontaktlinse live übersetzen – gesprochenes und gedrucktes Wort bekommt man in Untertiteln in der eigenen Sprache ins Sichtfeld eingeblendet. (Dafür gibt es sogar schon Beispiele.)

8. Augmented Reality kommt auch im Tourismus an: Wenn man beispielsweise Ruinen in Rom besucht, kann die Brille die Gebäude in Echtzeit rekonstruieren und die realen Ruinen mit digitalen Grafiken überlagern. So fühlt es sich an, als wäre man tatsächlich im historischen Rom unterwegs.

9. Auch im Auto setzt sich Augmented Reality durch – Tacho, Thermometer und andere Anzeigen verschwinden und wandern inklusive Navigation komplett in das Sichtfeld der Brille.

10. Mixed Reality: Die Familie ist in der ganzen Welt verstreut? Kein Problem. Via Internet und Brille oder Kontaktlinsen fühlt es sich so an, als würden Verwandte mit im Raum am Esstisch sitzen. Man verabredet sich zu persönlichen Treffen auch über große Distanzen.

| FEATURED IMAGE: Dr. Kaku’s Universe (Screenshot bei YouTube)