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Dieses Metal-Album wurde von einer Künstlichen Intelligenz kreiert

von Matthias Bastian2. Dezember 2017

Zugegeben, Lo-Fi Black Metal ist vielleicht nicht jedermanns Sache. Aber eine Künstliche Intelligenz macht gemessen am Original einen guten Job bei der eigenen Interpretation des Genres.

Kreiert wurde das Album durch ein künstliches neuronales Netz, das von den beiden “Musik-Ingenieuren” der Band (?) Dadabots angewiesen und trainiert wurde. Dadabots bezeichnet sich selbst als “Plattform für synthetische Künstler”.

Für das KI-Low-Fi Black-Metal-Album “Coditany” inspirierten die beiden Dadabots-Gründer ein neuronales Netz mit dem Album “Diotima” der Black-Metal-Band Krallice. Sie unterteilten das Album in viele kleine Sound-Dateien mit je acht Sekunden Länge und fütterten sie dem KI-System. Dieses sagte anhand der Wellenform einer Audiodatei eine sinnvolle Wellenform für die folgende vorher. Passte die Vorhersage, wurde der entsprechende Entscheidungspfad bestärkt.

Die KI durchlief diesen Prozess in rund drei Tagen circa fünf Millionen Mal, um den Stil der Vorlage zu erfassen. Laut Dadabots entwickelte sich der Sound von einem grotesken Lärm hin zu einem Stil, der immer stärker die Elemente des Originals wiederspiegelte.

Dadabots will wöchentlich neue KI-Musik veröffentlichen und das Produktionsverfahren verfeinern. Die Plattform soll Teil einer “KI-Revolution der Kunst” sein, die kollaborativ mit Menschen der Kreativität neue Wege ebnet. Auch die Namen der Songs und das Cover des KI-Albums wurde von Algorithmen generiert. Das komplette KI-Album gibt es hier, das Originalalbum hier.

Der Computer als Künstler

Die Experimente von Dadabots berühren einen sensiblen Punkt der KI-Entwicklung: Viele Menschen sind davon überzeugt, dass Künstliche Intelligenz bei der Automatisierung einfacher Tätigkeiten hilft. Aber kaum einer traut den künstlichen Gehirnen zu, dass sie eines Tages kreativ sein könnten wie ein Mensch – das zeigt unter anderem eine repräsentative Umfrage des Bitkom.

Bisherige KI-Kreationen in Wort und Bild bestärken diese Annahme, da die Ergebnisse teils grotesk sind. Das künstliche generierte Black-Metal-Album mag zwar auch grotesk sein, ist aber viel schwieriger vom Original zu unterscheiden: Selbst Kenner der Musik würden wohl nicht auf Anhieb erraten, dass der Sound das Ergebnis einer Formel ist und nicht von Menschenhand geschreddert wurde.

Kritiker der KI-Kreativität werden anmerken, dass es sich bei den maschinellen Lernverfahren eher um Remix-Prozesse handelt und die eigentlichen Künstler die Dadabot-Ingenieure sind, die die Kreation durch die Maschine in Gang gesetzt haben.

| Featured Image: Dadabots | Via: The Outline

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