Das Startup “6D.ai” hat sich das vielleicht anspruchsvollste Tech-Problem gesucht, das es für Augmented Reality zu lösen gilt: Bevor unsere Welt visuell glaubhaft und durchgängig digital erweitert werden kann, muss sie in 3D-Daten übersetzt und in der Cloud zur Verfügung gestellt werden.

Digility 2018

Diese Augmented-Reality-Cloud soll das Orientierungssystem für AR-Geräte werden. Sie wäre vergleichbar mit dem GPS-Signal fürs Smartphone. Während das jedoch nur eine 2D-Position verortet, würde eine AR-Cloud eine exakte 3D-Karte der Umwelt bieten. In dieser könnten sich Augmented-Reality-Brillen oder AR-Smartphones auf den Millimeter genau orientieren inklusive der räumlichen Ausrichtung.

Beispiel: Ein GPS-Signal erkennt, dass man gerade im Supermarkt vor einem Regal steht. Die AR-Cloud könnte zusätzlich übermitteln, was man in diesem Regal gerade anschaut.

Alle Sci-Fi-Versionen der erweiterten Realität setzen im Grunde so eine 3D-Karte voraus. Denn nur mit dieser könnte die digitale Welt exakt auf die reale Umgebung gelegt und von vielen Menschen gemeinsam wahrgenommen werden. Je genauer diese Karte ist, desto vielfältiger werden die Anwendungsmöglichkeiten.

Smartphone-Nutzer sollen die Welt einscannen

Das Startup 6D.ai möchte dieses 3D-Abbild unserer Welt im wahrsten Sinne des Wortes im Vorbeigehen von Smartphone-Nutzern generieren lassen: Bei einer Augmented-Reality-App wie Pokémon Go, bei der Spieler die Welt ohnehin via Kamera durch ihr Smartphone-Display erkunden, arbeitet die Software des Startups im Hintergrund und erstellt anhand der eingehenden Kamerabilder eine 3D-Karte der Umgebung.

Jedes Smartphone sammelt die 3D-Daten einzeln für sich und speichert sie zunächst lokal. Anschließend werden sie mit einer großen Cloud-3D-Karte synchronisiert. Im Verbund sollen Smartphone-Nutzer so erst einzelne Straßenzüge, dann ganze Stadtteile und Städte in einer immer detaillierten 3D-Karte dokumentieren.

Das folgende GIF zeigt die Smartphone-Scanning-Software von 6d.ai im Einsatz:

GIF

Grundlage für intelligente Augmented-Reality-Anwendungen

Kopf des Startups ist der Investor und AR-Experte Matt Miesnieks, der schon vor einiger Zeit bemängelte, dass die erweiterte Realität ohne Augmented-Reality-Cloud nutzlos sei.

“Man hat nicht wirklich das Gefühl, dass der digitale Inhalt Teil der echten Welt ist und das hält Augmented Reality zurück”, sagt Miesnieks gegenüber der US-Webseite Techcrunch. Nur mit der Augmented-Reality-Cloud könne dieses Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen digitalem Inhalt und realer Welt vermittelt werden.

Ergänzend arbeitet 6d.ai an Objekterkennung, sodass die Software in den 3D-Daten Gegenstände erkennen kann, beispielsweise einen Tisch oder Stuhl.

“Wir wollen eine Plattform werden, die AR-Entwickler über die Beschaffenheit der Umgebung informiert – deren Struktur, was passiert und wer alles unterwegs ist – ohne dass sie vor Ort sein müssen. Auf dieser Basis können sie intelligente Apps programmieren”, sagt Miesnieks.

Eine erste Programmierschnittstelle soll im März erscheinen.

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