Cycles ist der erste VR-Film aus dem Hause Disney. In einem Interview erzählt der Regisseur Jeff Gipson, was ihn zu dem außergewöhnlichen Filmprojekt inspirierte.

Digility 2018

Die Geschichte ist wie gemacht für das Raummedium Virtual Reality. Denn Cycles handelt von Räumen und was sie über die Menschen verraten, die in ihnen leben und lebten.

Zuschauer finden sich im Wohnzimmer eines typischen Hauses der 50er Jahre wieder und können frei umherschauen. Im Laufe des Films erleben sie, wie sich der Wohnraum und seine Bewohner über einen Zeitraum von mehr als sechzig Jahren verändern.

Cycles ist das erste Filmprojekt, bei dem Gipson Regie führt. Der Disney-Mitarbeiter ist für die Ausleuchtung von Animationsfilmen verantwortlich und wirkte bei Produktionen wie “Die Eiskönigin” und “Zoomania” mit. Da das Studio von Zeit zu Zeit Mittel für experimentelle Kurzfilme bereitstellt, entschied sich Gipson, seine Filmidee vorzustellen.

Erinnerungen an die Großeltern

Gegenüber Entertainment Weekly spricht der Regisseur über die Inspirationsquellen der Geschichte. Gipson studierte Architektur, wo er lernte, dass jedes Gebäude eine Geschichte erzählt.

“Das Material verwittert, Menschen hängen Bilder auf, Möbel hinterlassen Abdrücke in den Teppichen und mit der Zeit werden Räume so zu Charakteren jener Menschen, die in ihnen gelebt haben”, sagt Gipson.

Eine zweite Inspiration war sein Hobby, das BMX-Fahren. An Wochenenden fährt Gipson mitunter an Swimmingpools verlassener Häuser im Großraum L.A. Dabei fotografiert er die verlassenen Liegenschaften. Sie üben eine große Faszination auf ihn aus, weil sie die Geschichte ihrer ehemaligen Eigentümer erzählen.

Die beiden Hauptfiguren des Films – das Ehepaar Bert and Rae – sind von Gipsons Großeltern inspiriert.

“Als ich aufwuchs, liebte ich es, bei meiner Großmutter zu sein und alte Fotos anzuschauen. Als mein Großvater starb, mussten wir das Haus verkaufen. Ich erinnere mich an all die Spuren, die meine Großeltern hinterließen. Es war wie bei den Häusern in L.A., nur dass dieses Haus die Geschichte meiner Familie erzählte.”

Künstlerisches Neuland

Die Produktion des VR-Films stellte Gipsons Team vor große Herausforderungen: Die rund 50 Beteiligten mussten während vier Monaten komplett neue Werkzeuge und Arbeitsprozesse entwickeln. Dabei setzten sie unter anderem Oculus’ Malsoftware “Quill” ein, mit der auch der ergreifende VR-Film “Dear Angelica” in 3D gezeichnet wurde.

Nach der Fertigstellung des Films sieht sich Gipson noch lange nicht als VR-Experte: “An Virtual Reality fasziniert mich, dass noch niemand weiß, was man mit dem Medium alles anstellen kann. Wir kratzen gerade erst an der Oberfläche des Möglichen”, sagt Gipson.

Cycles feierte auf der Siggraph-Konferenz im August Premiere und wird als nächstes auf dem New York Film Festival zu sehen sein, das vom 28. September bis 14. Oktober stattfindet. Die sehr emotionalen Reaktionen auf den Film bestärken Gipson in dem Glauben, dass Virtual Reality Animationsfilme revolutionieren könnte.

Wann Cycles für VR-Brillen kommt, ist noch nicht bekannt.

| Featured Image and Source: Disney via Entertainment Weekly

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