Drei Bereiche, in denen räumliche Computer die Produktivität erhöhen
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Drei Bereiche, in denen räumliche Computer die Produktivität erhöhen

von Matthias Bastian27. November 2016

Die kommende Generation räumlicher Computer dient – so wie die aktuellen “Flachis” auch – nicht allein dem Entertainment und Games. Die neuen Geräte werden auch die Produktivität fördern. Drei Bereiche könnten besonders profitieren.

Die digitale Kommunikation

Räumliche Computer bestehen nicht nur aus der VR- oder AR-Brille als Abspielgerät, sondern sind die Summe vieler Teiltechnologien. In Zukunft haben wir mit neuen 3D-Kameras die Möglichkeit, Räume, Objekte und Menschen dreidimensional in Echtzeit zu erfassen und über das Internet zu teilen. Das ist die große Wette von Facebook-Chef Marc Zuckerberg, wenn er davon spricht, dass wir bald nicht mehr nur Bilder oder Videos bei Facebook posten, sondern ganze Erlebnisse.

Nützlich ist das 3D-Scanning im Büro, um Telefon- und Videokonferenzen durch virtuelle Treffen zu ersetzen. Die kommen einer persönlichen Begegnung viel näher als der Blick auf den flachen Monitor. Solche Telepräsenz-Meetings könnten Reisekosten – und noch viel wichtiger – jede Menge Zeit einsparen.

Keine andere Kommunikationstechnologie bietet echte Telepräsenz

Über die Welt verteilte und dezentral organisierte Unternehmen könnten enorm von dieser Entwicklung profitieren. “Das bedeutet, dass man nicht Millionen Liter Treibstoff verpulvern und die Zeitzonen wechseln muss, um zwischen verschiedenen Büros hin- und herzufliegen. Menschen können gemeinsam in virtuellen Büros arbeiten, so als wäre es ein echtes Büro. Das bietet sonst keine andere digitale Kommunikationstechnologie”, beschreibt Oculus-Gründer Palmer Luckey das Potenzial der neuen Computer.

Microsoft hat mit “Holoportation” für die Augmented-Reality-Brille Hololens eine App in Entwicklung, die schon jetzt andeutet, was in Zukunft möglich sein wird. Mittlerweile braucht es nur mehr zwei 3D-Tiefensensoren, um ein einigermaßen glaubhaftes “Hologramm” in den Raum des Gesprächspartners zu beamen – und das funktioniert sogar schon mobil.

Selbst wenn diese persönlichen Begegnungen im Internet das reale Treffen auf absehbare Zeit nicht vollwertig ersetzen können, bieten sie zumindest die Chance, produktiver und ergebnisorientierter zu sprechen im Vergleich zur sehr abstrakten Kommunikation via Telefon und 2D-Videochat.

Im folgenden Video spricht Hololens-Projektleiter Alex Kipman über die Vorteile der neuen Kommunikationstechnologie (ab 10:37), die ein Gefühl von Ko-Präsenz unabhängig vom physischen Standort erzeugen kann.

Kollaboration bei Design und Rapid Prototyping

Ganz grundlegend profitieren jene Berufszweige von räumlichen Computern, in denen die 3D-Modellierung von Objekten, Gebäuden, Produkten oder Szenen ein wichtiger Bestandteil im Arbeitsalltag ist.

Designer und Digitalkünstler können sich zukünftig direkt in allen drei Dimensionen austoben und müssen für den Entwurf eines dreidimensionalen Objekts oder einer Umgebung nicht mehr den Umweg über ein flaches Display nehmen.

Der dreidimensionale Ausdruck von 2D-Bildinformationen über einen 3D-Drucker ist zwar ein Fortschritt, wird aber nicht ansatzweise mit dem Tempo mithalten können, mit denen Prototypen mittels räumlicher Computer entworfen und umgestaltet werden können.

Ein Beispiel dafür ist das Oculus-Werkzeug Medium. Mit den neuen 3D-Controllern Oculus Touch lassen sich in Windeseile aufwendige dreidimensionale Objekte gestalten. Dafür muss man keine komplexen Benutzeroberflächen lernen, sondern benutzt seine eigenen Hände – fast wie beim Töpfern, aber dank digitaler Umgebung mit viel mehr Möglichkeiten.

In Multi-User-Apps können Designer, Konstrukteure, Künstler und Entscheider gemeinsam an einem 3D-Entwurf arbeiten

Das fertige Objekt kann exportiert und mit anderen Programmen weiterverarbeitet oder mit einem 3D-Drucker physisch materialisiert werden. Laut Medium-Projektleiter Brian Sharp eignet sich das Werkzeug besonders gut für den Einsatz am Anfang der Produktionslinie.

“Es ist zehnmal schneller als jedes andere Werkzeug, um einfach eine Idee aus dem Kopf auf den Bildschirm zu bringen”, sagt Sharp. Dieser Zugewinn an Tempo ist dringend notwendig, da Endverbraucher in Zukunft immer häufiger authentische 3D-Modelle zur genauen Betrachtung erwarten, beispielsweise beim Online-Shopping mit der VR- oder AR-Brille.

In Multi-User-Apps können Designer, Konstrukteure, Künstler und Entscheider gemeinsam an einem 3D-Entwurf arbeiten. Im August zeigten die CAD-Spezialisten von Autodesk die Software VRED, bei der genau das möglich ist.

Die Kollaboration wird auch mittels Expertenunterstützung via Bildübertragung aufgewertet: Laut Thyssenkrupp warten die eigenen Servicekräfte Aufzüge bis zu viermal schneller, wenn sie sich dabei mit Microsofts Hololens einweisen und fernsteuern lassen und Konstruktionspläne dreidimensional visualisieren.

Das ultimative Flow-Erlebnis: Fokus und Konzentration

Die aktuelle Generation VR-Brillen schafft es noch nicht, dass das Arbeiten mit dem Gerät viel Freude bringt. Die Auflösung ist zu gering, sodass Texte schnell unleserlich werden. Das Gewicht ist zu hoch und drückt bei längerer Nutzung auf die Nase und die Wangenknochen.

Doch das Arbeiten im rein virtuellen Raum bietet für die Zukunft enormes Potenzial. Das virtuelle Büro könnte ein Zufluchtsort werden, an den man sich zurückzieht, um mit maßgeschneiderten Interfaces ungestört von der Außenwelt an hochkomplexen Problemen zu arbeiten- wahlweise vor einer entspannenden Bergkulisse, tief im Wald oder auf dem Meeresgrund.

Hyperfokussiert in der Virtual Reality

Die Kombination aus völliger Ungestörtheit und maximal optimiertem Arbeitsumfeld wird für nie dagewesene Flow-Erlebnisse sorgen. Gerade Wissens- und Informationsarbeiter werden die VR-Brille genau für diesen Zweck zu schätzen lernen.

“Ich arbeite in einem Büro mit dem typischen Geräuschpegel und Leuchtstoffröhren. In VR zu sein, hilft mir dabei, die Umwelt auszublenden und nur meine Arbeit in genau der Umgebung zu sehen, in der ich sein möchte”, sagt ein Softwareentwickler aus New York, der laut eigenen Angaben bereits seit vier Monaten mit der VR-Brille seinen Code schreibt. “Es hilft bei Aufgaben, bei denen ich hyperfokussiert auf eine Sache sein will und jede Ablenkung vermeiden möchte.”

Eine ganze Reihe VR-Startups arbeiten daran, die ultimative virtuelle Arbeitsumgebung zu schaffen. Eines davon heißt Envelop VR und wird von Google finanziert.

| Featured Image: Envelop VR